Desolate Mühle zerfällt und wird zur Gefahr

Teile der Fassade lösten sich. Feuerwehr musste absperren.

Fotos: Brunner Images

Durch die starken Windböen der letzten Tage lösten sich am 12. April Dachbleche vom schwer desolaten Gebäude der ehemaligen Kunstmühle. Die Feuerwehr musste Sicherungsarbeiten an der Fassade vornehmen und teilweise die Umgebung großräumig absperren.

Bereits Anfang März sollte die Südtiroler Hobag AG als Besitzerin des gesamten Areals an der Tirolerstraße mit dem Abriss der Ruine beginnen. Bis Ende Juni sollte der Platz geräumt sein. Es ist geplant, dort ein großes EKZ mit dem Namen M99 zu erreichten.

Die Auflagen für diese größte Abbruchaktion in der Geschichte der Stadt sind streng, weil die Umweltabteilung eine langfristige Beinträchtigung der Anrainer vermeiden möchte. So müsste etwa der Bauschutt sofort abtransportiert und fachgerechter Verwertung zugeführt werden, um bei Wind eine starke Staubbelastung in der Umgebung zu vermeiden.

Obwohl die Hobag eine gültige EKZ-Widmung hat, hat sie offenbar Schwierigkeiten, den Abbruch der Ruine zu bezahlen, die sie für viel Geld vom Osttiroler Raiffeisenverband erworben hat. Neben der Mühle sind eine Reihe weiterer Bauruinen zu beseitigen.

Seit Jahren wird über den Einstieg möglicher Partner beim M99-Projekt spekuliert. Im Jänner 2010 stellte Hobag-Manager Günther Bachmann den Kärntner Wilfried Golger als Investor vor. Beide postulierten auf der Terrasse des Grandhotels einen Baubeginn im Herbst 2010. Golger spang kurz danach wieder ab und kaufte das – vergleichsweise kleine – City-Center.

Kurz vor der Wiederholung der Bürgermeister-Stichwahl im Februar dieses Jahres verdichteten sich hartnäckige Gerüchte, dass Großinvestor Rene Benko das nötige Kapital und einen neuen, von Dieter Mathoi stammenden Entwurf aus Innsbruck mitbringen werde. Trotz einer Bestätigung durch die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik erst vor wenigen Wochen im Dolomitenstadt-Interview ist diese Spur mittlerweile etwas erkaltet. Jetzt wird über eine Beteiligung der Raiffeisengruppe spekuliert.

Die Indizien deuten jedenfalls darauf hin, dass die Hobag AG kein Geld mehr hat, um einen zügigen Abbruch vorzunehmen und damit zu verhindern, dass der Schandfleck am westlichen Stadteingang von Lienz zu einer Gefahr für Autofahrer und Passanten wird. Schon jetzt ist es fraglich, ob die Abbrucharbeiten noch bis zum Hochsommer mit wochenlangen Verkehrsstaus zu beenden wären. Hunderte zusätzliche Bauschutt-Lkw im Juli und August auf der B100 wären ein Horrorszenario für die Verkehrsexperten.

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3 Postings bisher
tom08

...wundere mich ein wenig, dass jetzt plötzlich kein geld mehr vorhanden sein soll...beim kaufen der grundstücke hat man ja auch überhaupt nicht gespart....also meiner meinung nach, läßt man diese gebäude einfach deshalb stehen, da man so eventuell noch ein leichtes druckmittel hat, falls gewisse planungen wieder nicht akzeptiert werden sollten...entweder so wie wir wollen oder wir reißen halt nicht ab...mich wundert ja nur, dass da verschiedene behörden wie bezirkshauptmannschaft oder gemeinde nicht per abbruchbescheid vorgehen können...aber es wird wohl erst was passieren müssen, bevor etwas passiert!!! ...ich möchte nicht verantwortlich sein, falls hier wirklich noch jemand zu schaden kommt!

...ach ja, hätte da noch einen vorschlag, falls die hobag wirklich geld braucht...sie soll einen teil im westen an das land tirol verkaufen, dann könnte man bei der dolomitenkreuzung doch noch einen schönen kreisverkehr hinbauen (bis jetzt war ja anscheindend zu wenig platz dafür), dann würden diese "intelligenten" ampeln auch wieder verschwinden...dann müße man nicht mehr bei null querverkehr bei rot warten, warten, warten.....sondern könnte tatsächlich auch mal weiterfahren....jetzt wäre die chance noch da, diesen ampelunsinn wieder verschwinden zu lassen...........

nasowas

Das erinnert mich stark an die „Unendliche Geschichte Glöckelturm“. Zuallererst wurden vom Südtiroler Käufer alle Kastanienbäume gefällt, dann verfiel der Glöckelturm zusehends und wurde zum Schandfleck und erst viele Anläufe später kam es zum mehr als verdichteten Neubau. Hier wurde zuallererst der historische Rest der verbliebenen Mauer des Messingwerkes niedergerissen, dann Funkstille. Schade, dass den Käufern das Geld vermutlich schon jetzt und nicht erst nach dem Gesamt-Abriss ausgegangen ist….

nanny

Naja. Das vor nicht allzu langer Zeit mit sehr viel Aufwand und mit Glanz-und-Gloria-Versprechungen betriebene M99 entwickelt sich fatal. Da bereits "gefährlicher Zustand" ist hier wohl Vorrang vor allen anderen geplanten Stadtprojekten geboten. Zumindest für den Abbruch. Wer es dann bezahlt ...