Oswald Kollreider: Retro-spektive und Hommage

Sonderschau auf Schloss Anras zeigt ab 28. Mai Querschnitt seines Gesamtwerks.

Prägende Position in der Kulturlandschaft Osttirols: Oswald Kollreider.

Einem der ganz großen alten Herren der heimischen Kunstszene ist eine bemerkenswerte Personale gewidmet, die in Kürze eröffnet wird. Unter dem Titel „Retrospektive eines Expressionisten“ präsentiert das Museum Pfleggerichtshaus Schloss Anras ab 28. Mai rund 60 Originalwerke der gesamten künstlerischen Laufbahn Oswald Kollreiders.

Der Osttiroler Künstler, der seine Inspirationen vielfach jenseits des vertrauten Horizonts sammelte, blieb trotz Weltoffenheit und unzähliger Expeditionen seiner Heimat stets eng verbunden. Kollreiders Werke sind heute in allen Erdteilen zu finden, in Galerien ebenso wie bei privaten Sammlern, in Konsulaten und Botschaften – von Asien bis Südamerika. In Osttirol ist seine Kunst auf vielen Bauten präsent: auf Kirchen, Schulen und Privathäusern. Trotz körperlicher Beeinträchtigung noch aus der Kriegszeit schuf der Expressionist ein riesiges Gesamtwerk, das so vielseitig ist wie die Lebensgeschichte des bald 90-Jährigen.

1922 in St. Oswald/Kartitsch geboren, begann sich der Sohn einfacher Bergbauern schon früh künstlerisch mit seinem Lebensumfeld auseinanderzusetzen, machte bereits als Kind mit einem Griffel auf einer Schiefertafel erste Zeichenversuche. Lebensprägend  wurde für Oswald Kollreider jener Tag, an dem er als junger Mann während seines Kriegsdienstes in Russland schwerste Schussverletzungen erlitt und zwei Finger an der rechten Hand verlor.

Studienreisen und Expeditionen führten den Osttiroler Künstler in alle Welt. Das Bild zeigt Kollreider (vorne Mitte) in Anatolien Ende der 1950er Jahre.

Der als Vollinvalide aus Stalingrad heimgekehrte Osttiroler musste seinen erlernten Beruf als Maler und Anstreicher an den Nagel hängen und sich neu orientieren. Er meldete sich zur Aufnahmsprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien an. Da die rechte Hand erst nach unzähligen Operationen wieder einsatzfähig war, absolvierte er das gesamte Studium mit der linken.

Erstmals ausgestellt wurden die Werke Kollreiders übrigens 1946 im Schaufenster des ehemaligen Lienzer Papiergeschäfts Gander. Der Künstler, seit 1951 akademischer Maler, wechselte aus wirtschaftlichen Überlegungen vorübergehend als Grubenmaler ins Ruhrgebiet und machte erste Erfahrungen mit Sgraffito – einer Technik, die er künftig in seiner Heimat an einer großen Anzahl von Hausfassaden anwenden sollte.

Künstlerische Anregungen holte sich Kollreider während seiner zahlreichen Auslandsaufenthalte und Expeditionen, die ihn u.a. nach Südamerika, Afrika und Asien führten: faszinierende Eindrücke fremder Kulturen, die er in Kohle, Tempera, Aquarell und Öl festhielt. Die expressionistischen Werke in farbintensiver Bildsprache zeigen neben Landschaften und Menschen auch religiöse Motive.

Selbstportrait mit Zigarre, entstanden während einer Lateinamerika-Reise im Jahr 1968.

Ab den 1980-er Jahren wurde dem Weitgereisten breite Anerkennung für seine kulturellen Leistungen zuteil, so wurde er u.a. mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1978), der Verdienstmedaille des Landes Tirol (1986), dem Berufstitel „Professor“ (1987) und dem päpstlichen Silvesterorden ausgezeichnet. „Was ich getan habe, habe ich ganz getan“, so der Künstler rückblickend.

Seit mehr als 50 Jahren ist Strassen die Heimat des einstigen Weltenbummlers. Noch im hohen Lebensalter entstanden in seiner Wohnung Aquarelle und Zeichnungen, als dem Künstler die Anwendung der Öl- und Temperatechniken zu anstrengend geworden war. Die Werke erstellte Kollreider, wie er verriet, mit Vorliebe auf dem heimischen Herd.

Die Ausstellung „Retrospektive eines Expressionisten“ im 3. Stock des Museums Pfleggerichtshaus Schloss Anras wird am 28. Mai um 19.30 Uhr eröffnet und läuft voraussichtlich bis Ende Oktober. Neben Hans Sieghard Wilhelmer von Schloss Anras und Bürgermeister Andreas Goller wird auch Leo Andergassen, Landeskonservator für Südtirol, bei der Vernissage zugegen sein und mit einführenden Worten auf die Besonderheit der Ausstellung und des Künstlers eingehen. Bei der allerersten Ausstellung im Pfleggerichtshaus waren übrigens auch Bilder von Kollreider zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 – 12 Uhr und 15.30 – 17.30 Uhr (bei Schlechtwetter durchgehend geöffnet). 
Sonntag 15:30 – 17:30 Uhr.

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