Medienwirbel um Gipfelverkauf in Osttirol

92.000 Euro für den 2.690 Meter hohen „Großen Kinigat“. Wer bietet mehr?

Das Gipfelkreuz der Großen Kinigat in Kartisch. Nicht Käufer drängen sich auf dem Bild von Philipp Brunner, sondern die Besucher einer Bergmesse.

Elisabeth Blanik, die Lienzer Bürgermeisterin, kann es nicht fassen: „Das kann doch nur ein verspäteter Aprilscherz sein“, teilt sie per Aussendung mit und bezieht sich auf Meldungen in ORF und Tageszeitungen, wonach die beiden Kartitscher Berggipfel „Roßkopf“ (2.600 Meter) und „Großer Kinigat“ (2.690 Meter) am 8. Juli unter den Hammer kommen.

Anbieter ist die Bundesimmobiliengesellschaft BIG, die laut ORF-Tirol der Republik Österreich im Jahr 2001 um 300.000 Euro die beiden Bergspitzen abgekauft hat. 20 Interessenten soll es geben, darunter Firmen, Private und auch die Gemeinde Kartitsch, die allerdings den geforderten Preis nicht zahlen will. 29.000 Euro soll der Roßkopf kosten, 92.000 Euro der Große Kinigat.

Abgesehen davon, dass die BIG bei diesem Deal rund 180.000 Euro weniger erlösen würde, als sie selbst hingeblättert hat, fragt sich der Kartitscher Bürgermeister Außerlechner, warum jemand ernsthaft 1,2 Millionen Quadratmeter „Ödland“ kaufen sollte.

Es sei nicht möglich, das Areal einzuzäunen und abzuschotten, betont man in Kartitsch. Die Lienzer Bürgermeisterin macht sich dennoch Sorgen. Mit dem freien Zugang zu Bergen sei genau so wenig zu spaßen, wie mit der Wegefreiheit in Wäldern und Wiesen. „Wir alle wissen, welche Auswirkungen privater Grundbesitz zum Beispiel an Seen hat,“ meint Blanik. Dort sei das ‚normale’ Volk häufig ausgesperrt.

Das Schicksal teurer Seegrundstück dürfte dem hochalpinen Gelände erspart bleiben, Namensänderungen in der Landkarte und Firmenlogos auf Hinweisschildern könnten den Alpen aber in vermehrtem Maße blühen. Es ist noch nicht lange her, dass der 2.767 Meter hohe Mullwitzkogel in der Venedigergruppe gegen Bezahlung in „Wiesbauerspitze“ umgetauft wurde, benannt nach einem gleichnamigen Wursthersteller.

Bereits damals herrschte helle Aufregung in den Medien. Vielleicht heißt der Große Kinigat ja demnächst „Großer Mateschitz“? Der Kauf von unberührter Wildnis durch einen Milliardär wäre nicht neu. Der US-Ökounternehmer Douglas Tompkins, Gründer der Modefirmen „Esprit“ und „The North Face“, verkaufte in den neunziger Jahren sein Wirtschaftsimperium für 250 Mio Euro und kauft seither Wildnis, vorwiegend in Lateinamerika, um sie vor der Zerstörung zu schützen.

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