Ferry Stocker: Vortrag in der Sparkasse

Der gebürtige Osttiroler sprach über Ursachen und Lektionen der Finanzkrise.

Was hat die Implosion der Finanzmärkte verursacht? Was können wir aus der Krise lernen? Ferry Stocker brachte es in einfacher, klarer Sprache auf den Punkt. Fotos: Lienzer Sparkasse

Ferry Stocker ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Wiener Neustadt und unterrichtet an der Wirtschaftsuniversität Wien, der TU Wien und der Donau-Universität Krems. Lesern der Presse und der Wiener Zeitung sind vermutlich seine treffenden Fachkommentare bekannt, die er regelmäßig publiziert.

Am 30. Juni war der erfolgreiche Wirtschaftswissenschafter in seiner Osttiroler Heimat als Top-Referent der Lienzer Sparkasse zu Gast. Er fand klare Worte für die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie deren Ursachen und Folgen.

Die Fehler seien nicht über Nacht entstanden, sondern bereits in den „guten Zeiten“ gemacht worden. Es hätte sich, so der Vortragende, schon lange vor 2006/07 ein enormes Risiko im Finanzsystem aufgebaut, das völlig unverständlicherweise von den Ökonomen nicht erkannt worden sei.

Die Ursachen der Finanzkrise lagen, betonte Stocker, in falschen Vorstellungen und Erwartungen etwa hinsichtlich möglicher nachhaltiger Renditen („Get-rich-quick-Illusion“), doch grundlegende ökonomische Prinzipien seien immer nur kurzfristig zu umgehen. „Es gibt nichts umsonst auf der Welt und somit auch keinen großen Gewinn ohne enormes Risiko.“ Wenn der Finanzsektor zu schnell wachse, sei absehbar, dass etwas passiere. „Um künftige Krisen zu vermeiden, ist es unumgänglich, diese ökonomischen Prinzipien zu kennen und zu beachten“, so Stocker. „Das ist auch eine große Lernchance.“

Es gebe, betonte der Referent, in der Wirtschaft zwei Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern: Mit Lernen und Verbessern oder durch Innovation – beides setze Investitionen voraus. Hier komme den Banken eine ganz zentrale Rolle im Sinne der Prüfung der Kreditwürdigkeit und somit der Sinnhaftigkeit eines Projektes zu. Es gehe dabei nicht so sehr darum, ob die Realwirtschaft die Finanzwirtschaft dominiert oder umgekehrt, sondern um die Frage: „Wie kann die Finanzwirtschaft das Wachstum der Realwirtschaft unterstützen und erhöhen?“.

Die Finanzkrise habe deutlich gezeigt, welch große Bedeutung das traditionelle Bankgeschäft, auf das auch die Lienzer Sparkasse setzt, hat. Stocker: „Die zentrale Lektion lautet: Zurück zum Denken und zur Ethik eines klassischen Kaufmannes.“

Von links: Anton Klocker, Ferry Stocker, Hermann Troger und Martin Bergerweiß.
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