Der Hochstein ist tot. Es lebe der Hochstein!

Ein Kommentar von Gerhard Pirkner.

Klaus Hofstätter, Vorstand der Lienzer Bergbahnen AG. Foto: Brunner Images

Klaus Hofstätter ist ein offener Mensch. Der neue Chef der Lienzer Bergbahnen spricht im Dolomitenstadt-Interview freundlich und glasklar eine Wahrheit aus, die weder seinem Vorgänger Andreas Kleinlercher noch dessen Arbeitgebern in Stadt und Tourismusverband je über die Lippen kam: es wird keinen Ausbau des Lienzer Hochstein-Skigebietes mehr geben. Nicht demnächst und auch nicht in Zukunft.

Reine Utopie, sagt der neue Manager und rechnet vor, dass ein Lift noch keinen Sommer oder Winter macht. Da müssten neue Pisten her, ein größerer Parkplatz, noch mehr Beschneiung. Gut zwei Dutzend Millionen Euro würde das kosten. Mindestens! Und mehr Betten würde man obendrein brauchen, viel mehr Betten, möglichst gefüllt mit viel mehr Gästen.

Das ist tatsächlich reine Utopie. 20 Millionen wurden in den vergangenen zehn Jahren auf dem Zettersfeld investiert, 12 Millionen auf dem Hochstein, mehr als 40 Millionen für die Matreier Lifte, 20 Millionen in Sillian – alles hoch subventioniert mit den höchsten Tourismusbeiträgen des Landes und einer Menge  zusätzlichem Steuergeld.

Mehr Gäste sind deshalb nicht gekommen und daran ist nicht nur die chronisch schwache Vermarktung des Bezirkes schuld. Osttirol ist keine Massentourismus-Region und wird auch keine werden. Schultz und „Oschtirodler“ hin oder her. Osttirol hatte schon zwei Millionen Nächtigungen, als es all die touristischen Prestigebauten nicht gab.

Wertschöpfung durch möglichst naturnahe Qualitäten und Attraktionen heißt in anderen Regionen längst die Devise. Kletterer und Wanderer, Biker und Paddler, Gourmets und Biathleten, Selbstfinder und Seelenbaumler brauchen keine sauteure Achtergondelbahn für 300 Höhenmeter.

Der Berg ist das Ziel, nicht der Lift. Und diesen Berg – in all seiner Schönheit und Schroffheit – erobern sich die neuen Touristen gerne im Schweiße ihres Angesichts, auf teuren Spezialrädern und superleichten Tourenskiern, in coolen Klamotten und bei fast jedem Wetter.

Wo diese Menschen zu finden sind? Zum Beispiel auf der Hochsteinhütte! Und daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn kein 20 Millionen-Lift in die oberen Sektionen des Berges führt. Es lebe der Hochstein!

Die neuen Touristen erobern den Berg gern im Schweiße ihres Angesichts. Foto: TVB Lienzer Dolomiten
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9 Postings bisher
senf vor 6 Jahren

Schade um den Hochstein, ich habe dort den Umgang mit Skibrettln gelernt, komme aber nicht aus Lienz. Wenn es sich an der Rentablität spießt, dann soll der Fachmann gehört werden und der ist am Zug - mit aller Konsequenz. @unterl f: die Zeit der kritiklosen Leser, Nachsager und bedingungslosen Parteifanatikern ist vorbei. Nur gut das es die HB mit Pirkers Team gibt. Wir leben hier in Osttirol nicht mehr in der Rotzglockengeneration in der das Triangl Parrer, Bürgermeister und der Oberlehrer das Sagen hatte. Die auswärtigen Werber mit ihrem "Urtirol" hätten dieses Image für Osttirol gerne wieder. Und siehe da, verantwortlichen im Bezirk taugt es, sie springen schon wieder auf den Zug auf und du möchtest anscheindend dabei sein. @wolf c: aus deinem Kommentar schließe ich, dass du einer von denen bist, die alles gratis haben wollen - Osttirol soll also nur deine Bedürfnisse befriedigen -bezahlen darf sie ein anderer. Das Recht auf Arbeit, wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität mit einen angemessenen Lebensstandard steht jedem Bewohner im Bezirk zu. Wir sind auf gutem Weg und das verdanken wir denen, die wirtschaftliches Gspür und Risikobereitschaft haben - egal, ob sie von auswärts kommen. Osttirol hat eine recht ausgewogenen Wirtschaftsstruktur in den Bereichen Tourismus, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft. Dazu zählen halt einmal technische Aufstiegshilfen, Hotels und Charlet Häuser (letzteres ist ja nichts anderes als ein Appartementhaus, aber darüber regt sich ja keiner mehr auf). Was wär denn dein Rezept für Kals, St. Jakob, Sillian oder Matrei? Solle dort etwa noch oder wieder die Rotzglockenbuben- und Mädelgeneration herumlaufen, wie es die Werbebotschaft des "Urtirols" auf der ITB und ofm in sich hat? Kann mir auch jemand sagen, wem ein Weitwanderweg Osttirol 360° nützt, welche Werbebotschaft dahintersteckt? Mir käme in 50 Jahren nicht der Gedanke, das Land Mecklenburg-Vorpommern zu Fuss zu umrunden, nur weil es in der dortigen Regionalzeitung als Top-Angebot beschrieben wird. Geht doch endlich zur Tagesordnung über und arbeitet produktiv an der Weiterentwicklung unserer Region bevor wir den Anschluß noch einmal versäumen (verschlafen).

promi vor 6 Jahren

Wo bleibt das für Anfang März angekündigte Konzept für den Hochstein? Gratuliere zur Entscheidung die "Ganzjahresrodelbahn" trotz bestem Ausflugswetter auch gleich zu zusperren.

wolf_c vor 6 Jahren

BRAVO … endlich besteht wieder die Chance auf e c h t e m Schnee unterwegs zu sein (sofern es ihn überhaupt noch geben wird in diesen Höhenlagen); die Kunstschneepistenautobahnen interessieren ja schon längst keinen Schifahrer mehr, abgesehen davon kommt man auf überfüllten Pisten ja ohnehin zu keinem Schwung, weil man mehr nach hinten und links und rechts, wie nach vorne schauen muß, um nicht verletzt zu werden.

der nette Schlepplift durch den Wald hat Romantikcharakter, und ist außerdem ein gutes Muskelaufwärmungsprogramm, von mir aus sollte er so bleiben.

das 'liftln' an sich degeneriert seit zwanzig Jahren, und ist mittlerweile touristenkompatibel ...

... und der Wahnsinn wird fortgesetzt: fällt niemandem auf, wie verrückt Beschneiungen über 3000 m sind? Gletscher beschneien? und mit Folien abdecken? wie verengt ist da die Sichtweise erst? ist dies schon angstgesteuert? Angst, dass es kein Geld mehr gibt ohne Wintermassentourismus? Dies wird sowieso so sein, dem Klimawandel geht es dank unser aller Verhalten ausgesprochen gut!

Es macht viel mehr Freude und Lust in Schönheit und Freiheit Gottes Leben zu geniessen wie sein Geld in sauteure Liftkarten zu investieren und sich dann dem Technowahn zu unterwerfen; es gibt zuviele (Schi-)Lifte überall, die meisten stehen im Sommer still, siehe Kals ...

der Hochstein ist symbolhaftes Ganzes zu sehen, für Intelligenz und Dummheit, vielfältige Möglichkeit und vergebene Chance zugleich ...

veronika vor 6 Jahren

@unterl-f: ich schätze, dass hr. pirkner auf seine art derzeit für osttirolerInnen mehr bewirkt, als wenn er landeshauptmann wäre ;-) jedenfalls volksnäher als so manche partei, deren ideologie derzeit leider von einigen verschmiert und verdreht wird; unabhängiger, genauer in der recherche, offener und pointierter in der ausdrucksweise als alle lokalblätter dies derzeit zeigen... ...ich finde es also gut, dass die zensur in der berichterstattung auf diese art ein plötzliches ende gefunden hat, wenn gleich sich der eine oder andere erst schmerzlich dran gewöhnen wird müssen ... sorry!

nanny vor 6 Jahren

Bin etwas verwirrt. Warum wird dieser Julibericht jetzt im grauen November durch Kommentare wieder aufgewärmt? Tatsache bleibt aber, dass Osttirol-Schiurlauber - die meisten bleiben ja ohnehin schon vorher in Nord- oder Südtirol "hängen" - sicher mehrheitlich nicht gerade Lienz wählen werden, sondern ein Gebiet, wo sie die Lifte direkt vor der Nase haben und das in größeren zusammenhängenden Gebieten. Und an diesen geografischen Grundtatsachen kann man nix ändern.

Detektor vor 6 Jahren

an unter-f: Wo gibt es hier einen "Lügenbericht"?? Beleidigungen lassen Tatsachen nicht verschwinden. Bitte nicht durchdrehen, wenn die Realität nicht zum eigenen Wunschbild passt. Die eigenen Möglichkeiten erkennen und gezielt nützen, nichts anderes hat Gerhard Pirkner dargelegt. Und welcher andere Bezirk Tirols hat mit Lienzer Dolomiten, Großglockner, Großvenediger, Nationalpark und dem größten noch intakten Gletscherfluss Isel solche Alleinstellungsmerkmale wie Osttirol? Diese lassen sich sehr wohl nützen.

unterl-f vor 6 Jahren

warum geht herr gerhard pirkner nicht in die politik und tritt bei den nächsten wahlen als landeshauptmann an? ich habe selten in meinem leben einen menschen erlebt, der zu jedem problem auf anhieb die richtige lösung aus der tasche ziehen kann und genau weiß, wie man es richtig macht! aber wir haben ja so manche derartige, sich selbst maßlos überschätzende schreiberinge im bezirk, die anscheinend pressefreiheit mit einem freibrief für lügenberichte und maßlose selbstüberschätzung verwechseln

ansa vor 6 Jahren

Habe mir das Interview von Herrn Hofstätter angesehen - noch spricht er Klartext, bin gespannt wie lange es dauert bis er sich von der Politik beeinflussen lässt. Den Tourismus bzw. die Nächtigungszahlen würden sich bei einem Ausbau des Hochsteins nicht ändern. Nicht 1 Bett würde mehr verkauft werden. Auch der Osttiroler bringt nicht einen Gast mehr!! Aber jetzt haben wir ihn - also müssen wir damit leben - machen wir das beste daraus.

nanny vor 6 Jahren

Dank an Gerhard Pirkner - mit seinem Kommentar hat er wieder einmal ein Problem glasklar auf den Punkt gebracht! Genau so ist es!