Die Perspektive: Superski statt Super-Schultz

Die Skischaukel Sillian-Sexten würde vieles verändern. Ein Kommentar.

Wer je einen Prospekt der Liftkooperation „Dolomiti Superski“ in der Hand hatte, der weiß, was eine Liftverbindung zwischen Osttirol und diesem Wintersport-Giganten bedeuten würde: Den Anschluss an 12 mächtige „Talschaften“, die in einem Kartenverbund mit tausenden Mitarbeitern und millionenschwerem Marketing zusammengeschlossen sind.

Nur eines dieser zwölf Gebiete, ein vergleichsweise kleines, ist das Skigebiet Sexten-Innichen. Es ist das östlichste Glied einer spektakulären Kette von miteinander verbundenen Schaukeln und Liftvarianten, die von der Rotwandwiese bis San Martino reicht, von deutschsprachigem, über ladinisches bis ins italienische Bergland.

Mehr als 1200 Kilometer Pisten mit vollautomatischem „Schneemanagement“, 450 Lifte, 400 Restaurants, große Namen wie Cortina, Gröden, Alta Badia und Corvara – an diesen wuchtigen Touristenmagnet würden sich die Osttiroler Oberländer gerne andocken.

Allein die Vorstellung, in jedem Prospekt oder auf der Website von Dolomiti Superski als Partner aufzutauchen, plötzlich in dieser Winter-Mega-Landschaft eine sichtbare – und buchbare – Adresse zu sein, lässt vielen Touristikern das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Glaubt man den Osttiroler Akteuren, dann wären die mächtigen Zwölf aus dem Nachbarland bereit, einen kleinen Dreizehnten in ihren Zirkel aufzunehmen. Das könnte eine Lawine ins Rollen bringen. Erstmals wäre das touristische Marketing Osttirols direkt mit jenem von Südtirol gekoppelt – sowohl geografisch als auch inhaltlich eine naheliegende Idee, die aber tourismuspolitisch große Brisanz hat.

Dockt Osttirol an Südtirol an, vermindert das klar die Bedeutung der Nordtiroler, personifiziert durch den Zillertaler Liftkaiser Schultz, aber auch polternde Beamte wie Gerhard Föger. Schultz wäre, verglichen mit dem neuen Player Dolomiti Superski, plötzlich kein Kaiser mehr, sein Turnthalerlift ein Nebenschauplatz im Oberland, sein Ziel eines Osttiroler Liftmonopols in weite Ferne gerückt.

Sillian bei Dolomiti Superski, das würde auch niedrigere Liftpreise bedeuten. Schultz müsste nachziehen und mitmachen, was wiederum Auswirkungen auf ganz Osttirol hätte.

Erstmals wäre zudem im ach so armen Osttirol kein devotes Handaufhalten beim „Herrn Landeshauptmann“ nötig und keine „Nur-Köll-holt-die-Millionen-Show“. Der heimische Unternehmer Franz Kraler würde mit eigenem Geld und Südtiroler Partnern in den Ring steigen.  Das klingt doch spannend, oder?

Infografik: Gesamtübersicht über Dolomiti_Superski zum Download.

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2 Postings bisher
schitourenosttirol vor 6 Jahren

in osttirol glauben einige beobachter immer noch man braucht einen nordtiroler ansager mit matreier sprachrohr, ich hoffe dass sich schon langsam die erkenntis durchsetzt, daß wir wirtschaftlich mit den nordtirolern nie etwas zu tun hatten, außer es wurde politisch aufgezwungen. die zukunft dieses bezirkes entscheidet sich nicht nördlich der tauern sondern im pustertal!

beobachter52 vor 6 Jahren

Blauäugig! Herr Pirker, glauben Sie wirklich, dass die Herren Kraler (Hella), Senfter (Speck) oder überhaupt die Manager des 'Super-Dolomiti anders ("besser") sind als Herr Schultz? Dass sie Lifte bauen ohne Förderungen (im Ausnützen von Nordtiroler Förderungen sind gerade die Südtiroler Weltmeister), dass sie ihr Monopol nicht ausnützen, dass sie ihre Mitarbeiter smaritisch behandeln und der Bevölkerung das Schifahren caritativ fördern ... Ich glaube, die Gruppe der "Liftkaiser" arbeitet weltweit nach dem selben System und kommt nur so zu ihren Imperien. Außerdem finde ich es ungerecht (wenn ich auch mit vielem, was sie machen, nicht einverstanden bin), wenn zB Heinz Schultz und/oder auch LA Köll immer als die Buhmänner dargestellt werden! Bei aller Kritik: Wo wären etwa die Liftgesellschaften in Matrei, in Sillian ohne die von Ihnen zitierte "Nur-Köll-Holt-die-Millionen-Show"? Gleich weit wie die Lienzer Bergbahnen wahrscheinlich! Wäre das wünschenswert?