Wandern Bergbahn-Aktien zurück zum TVBO?

Wirtschaftsprüfer Vergeiner: „Überschuldung wäre beseitigt.“

Wirtschaftsprüfer Josef Vergeiner, TVB-Obmann Franz Theurl und TVB-AR-Vorsitzender Werner Frömel.

Mit einer – wie immer – eilig einberufenen Pressekonferenz reagierten heute Vorstand und Aufsichtsrat des TVB-Osttirol auf Medienberichte, die vor einer Pleite des Verbandes warnen.

Neben Obmann Franz Theurl und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Frömel war zur Entkräftung der Unkenrufe auch jener Mann anwesend, der im Zusammenhang mit der Schuldenlast und dem TVB-Sonderprüfbericht immer wieder genannt wird: der Wirtschaftsprüfer Josef Vergeiner.

Er brachte vor fast genau einem Jahr mit seinem Prüfbericht zur Bilanz 2009 eine Lawine ins Rollen und löste mit seinem aktuellen Bericht zum Budget 2010 wieder Erregung aus. Umso bemerkenswerter waren die Aussagen des Prüfers heute. Vergeiner stellte klar, dass ohne die „Auslagerung“ von Aktien der Lienzer Bergbahnen an einen privaten Verein der TVB-Osttirol eine relativ weiße Weste hätte: „Wenn diese Aktien zurückgeführt werden, dann ist die Überschuldung mit einem Schlag beseitigt“.

Dolomitenstadt.at hat mehrmals über die Hintergründe dieser Transaktion berichtet. Um zu verhindern, dass das Schultz-Liftimperium nach der Fusion aller regionalen Tourismusverbände zu einem Gesamtverband mit seinem Einfluss im Aufsichtsrat zu einer „feindlichen Übernahme“ der Lienzer Bergbahnen ansetzen könnte, wurden die Bergbahn-Aktien des TVB-Osttirol im Prinzip einem privaten Verein „geschenkt“ und so der Entscheidungsmacht des Gesamtverbandes entzogen.

In diesem Verein sitzen fast spiegelbildlich die wichtigsten Akteure des Regionalverbandes Lienzer Talboden. Vereinsvorstände sind Werner Frömel, Karl Poppeller und Reinhard Tiefenbacher. Sie sind offenbar bereit, das Aktienpaket sofort an den Gesamtverband zurückzugeben, um in dessen Büchern für die nötigen Aktiva und eine dadurch ausgeglichene Bilanz zu sorgen.

Als einzige Bedingung formuliert Werner Frömel, der im Verein und im Verband Schlüsselpositionen innehat: „mit dem Vermögen wird nicht die Verfügungsgewalt abgegeben, sprich die Stimmrechte“.

Ein Vertrag, den die Wiener Wirtschaftsanwälte Kunz-Schima-Wallentin ausgearbeitet haben, soll ausreichend Schutz vor einer Übernahme bieten und liegt unterschriftsreif auf dem Tisch. Neben dem Vereinsvorstand muss diesem Vertrag auch der Aufsichtsrat des Vereines zustimmen, dem der Lienzer Textilhändler Robert Geiger vorsteht. Geschieht das in den nächsten Tagen, ist für Wirtschaftsprüfer Vergeiner „die Überschuldung zu einem Großteil oder zur Gänze beseitigt.“

Seit der Fusion 2008 wurde das „ausgelagerte“ Aktienpaket mehrmals aufgestockt. Mittlerweile wird es bereits mit 8,5 Mio Euro verbucht. Demnächst könnte diese Summe wieder unter „Aktiva“ im TVBO-Budget aufscheinen.

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hoidanoi vor 6 Jahren

MadTime spricht von Interessenskonflikten - nun, ich glaube eher wir haben es hier mit der Verknüpfung von Interessen zu tun. Das berühmte Wort vom Bock, der zum Gärtner gemacht wird, zeichnet sich in der Multifunktionalität diverser Verantwortungsträger ab. Interessant ist, wenn Banker Kredite genehmigen für Institutionen, denen sie selbst vorstehen. Kredite, die mit öffentlichem Geld getilgt werden. Ein Geschäft, ohne Frage. Und je mehr sich der Verband verschuldet, desto mehr Geschäft. Kann der Verband selbst nicht mehr, wird das Land in die Pflicht genommen. Veronika schreibt an anderer Stelle, man brauche nicht gen Griechenland blicken, um fiskalischen Kunststücken zusehen zu dürfen, womit sie recht hat. Spannend auch der Prüfer Vergeiner, der als Allheilmittel die Rückbuchung alleine sieht. Nun, seine Sache ist es nicht, darauf hinzuweisen, dass die Einkünfte des Verbandes wackeln, weil Gäste fehlen. Dass Budgets nicht zu halten sind, weil sich der Obmann nicht an die Vorgaben halten will, manchmal vielleicht auch nicht kann, hat er doch die Tendenz jedem alles zuzusagen, was wiederum der Verband nicht leisten kann. Vergeiners Aufgabe ist es auch nicht, auf die Ursachen für die Malaise und die erkennbaren Verantwortungsträger hinzuweisen. Das wäre Aufgabe des Aufsichtsrates, der aber mehr mit anderem als Kontrolle beschäftigt zu sein scheint. Die Performance ist eine traurige, der Verband nachhaltig in seiner Glaubwürdigkeit beschädigt, Konsolodisierung nicht in Sicht, die Grabenkämpfe sind vorprogrammiert und die Beteiligten heben weiter Schützengräben aus, anstatt sich um das Kerngeschäft zu kümmern. Der vom Vorstand eingesetzte Controller gibt das Feigenblatt für die bis dato verunglückte Geschäftigkeit, die mit heiserem Ton, hurtig einberufenen Pressekonferenzen, Pamphleten auf Abwasserverbandskosten, Whistleblowing, gegenseitigen Schuldzuweisungen, touristischer wie finanzieller Inkompetenz, Strategielosigkeit und nicht enden wollenden Querelen den Mitgliedern ein Trauerspiel sondersgleichen präsentiert. Wozu der Controller dienlich sein soll, erschließt sich nicht sofort, liegt doch die Kompetenz, auch aus gesetzlicher Sicht, bei der Verbandsführung. Gesteht der Vorstand damit ein, diese Kompetenz nicht zu besitzen, bar dieser Komepetenz mutig so getan zu haben, als ob sie doch vorhanden sei? Dient der Controller vielleicht dazu, die in Bälde noch weitaus bohrenderen Fragen nach der Geschäftsgebarung des Verbandes von den dafür Verantwortlichen fern zu halten? Kann er vorgeschoben werden, wenn die Mitglieder wissen wollen, wie's denn soweit hat kommen können? Will man sich an ihm schadlos halten? Keine dankbare Aufgabe, nachdem der Vorstand es wohl schon aufgegeben hat, selbst die Geschicke des Verbandes zu lenken, und der Aufsichtsrat allein durch Ratlosigkeit besticht. Die Fustration der Mitarbeiter muss gewaltig sein. Die Liquidität des Verbandes ist gefährdet, auch weil die Bedienung der Schuldenlast in einzelnen Gebieten nicht mehr möglich ist, weil schlicht der Gast nicht kommt. Und Tourismus lebt vor allem eben von Gästen, die kommen und nicht von wild herumfuhrwerkenden Funktionären. Infrastruktur wird geschaffen, die zu bewerben das Geld fehlt, für die seit Jahren die ewig gleichen Medienkampagnen gefahren werden, auch weil wohl die Energien für den Grabenkampf verwendet werden, anstatt kreativ den Blick auf das zu erneuernde Angebot zu wenden. Das Bild in ein desaströses. Am 26. September hat der Aufsichtsrat die Chance Farbe zu bekennen und einmal verantwortungsvoll zu agieren. Peppi Kreuzer, der gewohnt aufgeregt nach dem Staatsanwalt ruft - eine Rechtsberatung täte Not, damit die StA nicht ständig mit strafrechtsfernen Vorgängen befasst wird - könnte seine aufbrausende Energie dafür verwenden, zu beantragen, der Aufsichtsrat möge sich selbst auflösen. Wird sein Antrag angenommen und erreicht der Antrag das notwendige Quorum, so gäbe es eine Perspektive. Denn den jetzt Agierenden traut schon lange keiner mehr, weder über den Weg, noch eine Veränderung der selbstverschuldeten Lage zu.

MadTime vor 6 Jahren

Eine ganz entscheidende Antwort wird nach wie vor der Öffentlichkeit vorenthalten: Inwieweit haben die hohen Personalkosten im TVB-Osttirol und im Aufsichtsrat zu der prekären Entwicklung beigetragen. Wenn Theurl und Frömel (wohlgemerkt) in einem Nebenberuf wirklich die kolportieren Managergehälter einstreifen, so wirft das ein ganz ganz schlechtes Licht auf die Banker und deren Bankinstitute (Bank Austria und Lienzer Sparkasse). Oder sind die erwähnten Personen von den Banken nur vorgeschoben, um am Kuchen der hohen Finanzierungen mitnaschen zu können. Auf jeden Fall: Die Relation "Finanzieller Aufwand zur Bilanz" passt einfach nicht. Die Politik sollte dieses brisante Thema ohne Wenn und Aber endlich anfassen und Nägel mit Köpfe machen. Übrigens: In der Funktion des Aufsichtsratvorsitzenden und Präsidenten des Skiklubs Lienz sehe ich eine Interessenskollision, die schnellstens ausgeräumt werden sollte.