Schutzverein: Offener Brief an Spindelegger

Obmann Wolfgang Retter macht seinem Ärger über fehlende Stellungnahme zu Protest Luft.

Wolfgang Retter bei einer seiner Führungen an der Isel. Er kämpft unermüdlich für Möglichkeiten der Energiegewinnung, die ökologisch und sozial verträglicher sind als der Ausbau letzter heimischer Gewässerstrecken. Foto: Wolfgang Retter

Der Vorwurf ist groß, mit dem sich der Obmann des Vereins zum Schutz der Erholungslandschaft Osttirol erneut an Vizekanzler Michael Spindelegger wandte. Diesmal in Form eines scharf formulierten offenen Briefes.

Zur Vorgeschichte: Bereits im Juni 2011 hatte Wolfgang Retter schriftlich sein Befremden über eine Äußerung Spindeleggers zum Ausdruck gebracht. Der Politiker hatte von der Notwendigkeit einer Forcierung des Wasserkraftausbaues gesprochen, bei dem man sich von Bürgerinitiativen nicht aufhalten lassen solle.

„Kann es wirklich Aufgabe eines Vizekanzlers sein, einseitig für Wasserkraftkonzerne Stimmung zu machen und unreflektiert deren Phrasen ins Volk zu bringen?“, fragte Retter nach diesem Interview im Juni in seinem Schreiben. Die in Österreichs Politik noch immer sehr einseitig auf Wasserkraft eingeschränkte Sicht verkenne die Tatsache, dass die Stromerzeugung aus Wasserkraft sehr wesentliche Schwächen habe, so der Obmann. Und weiter: Die massive Fokussierung auf Wasserkraft verstelle den Blick auf die in Österreich reichlich vorhandenen anderen nachhaltigen Energiequellen.

Nun, vier Monate später, zeigt sich Wolfgang Retter massiv verärgert darüber, dass auf den Protestbrief bis heute keine Antwort aus dem Ministerium eingelangt ist. Er vermisse ein Mindesmaß an Höflichkeit, so der Obmann in einem offenen Brief.

Retter: „Da für Österreichs Regierung und politische Parteien nicht unerhebliche Steuermittel zur Verfügung stehen, müsste anzunehmen sein, dass es einem Sekretär oder sonstigen Mitglied Ihres Stabes gelänge, wenigstens ein Blatt Briefpapier und das entsprechende Postporto aufzutreiben und eine zumindest kurze Antwort zu formulieren.“

Der Obmann des Schutzvereins appelliert in dem offenen Brief erneut an Vizekanzler Michael Spindelegger, nicht einseitig Propaganda für Wasserkraftkonzerne zu betreiben, sondern für neue Möglichkeiten der Energiegewinnung einzutreten.

Hier der Brief an Spindelegger im Wortlaut.

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3 Postings bisher
Detektor vor 6 Jahren

Ausgesprochen demaskierend, wenn sich der Obmann einer österreichischen Regierungspartei (gleichzeitig auch Vizekanzler) als Handlanger der großen Wasserkraftunternehmen hergibt. Es lässt sich kaum besser die Verquickung der Politik mit jenen Konzernen dokumentieren, von welchen die Politiker zur Durchsetzung ihrer Interessen benützt werden; beiden sind offenbar die betroffenen Bürger keiner Beachtung wert. Nicht zufällig übrigens ist es gerade die Volkspartei, die ganz besonders hinhaltenden Widerstand gegen eine echte Offenlegung ihrer Parteispenden betreibt. Eine Hand wäscht eben die andere.

veronika vor 6 Jahren

bravo wolfgang :-) ...finde ich schon wichtig, dass du schier unermüdlich darauf hinweist und uns vor augen haltest, wie unsinnig so manches projekt ist... ...hohe politik - derzeit realitätsverweigernd und korrupt - ok?! ...aber wir brauchen das an der basis schon auch noch immer... es ist ja eh schon einiges gelungen, wie der volle saal in oberlienz gezeigt hat... und wie recht du auch in dem teilbereich wasserkraft hast, das wurde auch von fr. kromb-kolb eindrucksvoll doppelt unterstrichen... weiter so...!!!

Monk vor 6 Jahren

Es ist doch ein Skandal, wenn ein Vizekanzler quasi sagt, die Meinung des Volkes, der Bürger interessiert mich nicht. Mir ist egal was die Bürger denken. Glaubt er denn die Weisheit für sich gepachtet zu haben - wie überheblich ist dieser Mann.