Köll schmiedet eigene Pläne an der Isel

Der Gletscherfluss soll auch in Matrei durch's Rohr fließen und Strom erzeugen.

Andreas Köll träumt bereits von den Millionen, die die Isel in die Gemeindekasse spült.

Die ökologische und politische Hemmschwelle für eine Wasserkraftnutzung der Isel fällt von Tag zu Tag. Nach den Bürgermeistern von Virgen und Prägraten präsentiert jetzt auch Andreas Köll in Matrei ein Kraftwerksprojekt am Gletscherfluss. Der Matreier Bürgermeister will dabei neun Iselgemeinden mit Ausnahme von Lienz ins Boot holen und das 55 Millionen-Projekt gemeinsam mit dem Holzbau-Unternehmer Michael Theurl aus Assling durchziehen.

Theurl plante bereits am Debantbach ein Kraftwerk, scheiterte dort aber am Widerstand von Umweltschützern und Anrainergemeinden. In Matrei unternimmt der umtriebige Unternehmer mit Unterstützung Kölls jetzt einen neuen Anlauf. Das Projekt, das er den Gemeindemandataren am 9. November vorstellte, sieht eine 10-Meter-Staumauer oberhalb der Feldner Brücke vor. Die Isel soll bis zum Haus Brühl zurückgestaut werden. Eine vier Kilometer lange 3,5-Meter-Druckrohrleitung würde den Gletscherfluss einfangen, nach Huben zu einem Krafthaus leiten und etwas oberhalb der Mündung der Schwarzach wieder freigeben. Die technischen Daten des Projekts: 110 Meter Fallhöhe, 25 MW Ausbauleistung, 96 Mio kWh Jahreserzeugung.

Bereits in der Formulierung der Tagesordnung für die Gemeideratssitzung ließ der Matreier Bürgermeister erkennen, dass er die oppositionelle Matreier Liste ebenfalls im Boot haben möchte. Die Präsentation der Projektstudie sei auf deren Antrag erfolgt. Tatsächlich gilt vor allem Listenführer Oswald Steiner als offen für Kraftwerkspläne. Der TAL-Manager war aus beruflichen Gründen am Mittwoch nicht anwesend, soll aber laut Köll gemeinsam mit ihm und Vizebürgermeisterin Elisabeth Mattersberger das Verhandlungsteam für die Umsetzung des Projekts bilden.

Als Oppositionssprecher stellte Bernd Hradecky klar, dass die Matreier Liste zwar vor eineinhalb Jahren einer Machbarkeitsstudie zugestimmt hätte, die vorliegenden Pläne aber eindeutig zu weit gingen. Zuerst müsse geklärt werden, ob die Isel Natura 2000 Schutzgebiet werde. Andernfalls sei jeder Euro für die Planung verloren.

Den Bürgermeisterkollegen im Planungsverband des oberen Iseltales hat der Matreier Ortschef seine Vorstellungen schon vor den Mandataren der eigenen Gemeinde dargelegt. Sie seien interessiert, erklärte Köll. Anwesend waren bei diesem Bürgermeister-Meeting offenbar auch Vertreter der INFRA, die das Iselkraftwerk in Virgen plant und mit hohem PR-Aufwand vermarktet. Die INFRA ist ein Tochterunternehmen der Innsbrucker ILF (Ingenieurgemeinschaft Lässer-Feizlmayr), eines weltweit tätigen Consultingunternehmens.

Laut Tagesordnung sollte der Gemeinderat auch die “Einholung eines Angebotes für eine weiterführende Projektstudie durch die ILF Beratende Ingenieure ZT GmbH” absegnen. Der Punkt wurde nicht abgestimmt.

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