WKO-Spitze sieht Handlungsbedarf

Bodenseer, Lamprecht und Lobenwein zur Osttiroler Wirtschaft 2012.

WK-Präsident Jürgen Bodenseer, Obmann Günther Lamprecht und Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein gaben einen Ausblick auf das Wirtschaftsjahr 2012 im Bezirk Lienz. Foto: Brunner Images

Ihre konkreten Schwerpunkte, Ziele und Forderungen formulierten Wirtschaftskammer Tirol-Präsident Jürgen Bodenseer, WK-Lienz-Obmann Günther Lamprecht und Bezirksstellen-Leiter Reinhard Lobenwein am 19. Jänner im Rahmen eines Pressegespräches zum Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer. Die wichtigsten Punkte: Tourismus, EKZ-Pläne und Strukturförderprogramme für Osttirol über 2013 hinaus.

„Es wird Zeit für frischen Wind im Tourismusverband Osttirol,“ fand der scheidende WK-Obmann Lamprecht klare Worte. „Die Organisationen sind zu stark mit sich selbst beschäftigt.“ Bei den Touristikern der Beherbergungsbetriebe sieht er allerdings durchaus Engagement. Präsident Bodenseer setzte noch einen drauf: „Neue Besen kehren besser, einige Köpfe auszutauschen wäre eine Überlegung wert.“ Er setzt auf eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Verbänden mit der Tirol Werbung zur Effizienzsteigerung und Entwicklung einer gesamten Marke für den Bezirk. „Im Tourismus ist noch sehr viel drin,“ meint Bodenseer, „die touristischen Konzepte wie etwa in Richtung Gesundheit, Natur und Kulinarik müssen zu Menschen und Landschaft in Osttirol passen.“

Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, zum Tourismusverband Osttirol: "Neue Besen kehren besser." Foto: Brunner Images

Gegenüber den geplanten Einkaufszentren steht die WKO-Spitze ablehnend gegenüber. Lamprecht warnt gar vor der Vergrößerung der Verkaufsflächen: „Das tut dem Handel nicht gut und führt zu einem Verdrängungswettbewerb, bei welchem vor allem die kleineren Handelsbetriebe verlieren.“ Er beruft sich auf eine Studie von 2008, die kaum Potenzial zur Erhöhung des lokalen und regionalen Kaufkraftvolumens attestiert. Außerdem, so Lamprecht, liege der Bezirk Osttirol bei Kundenfläche pro Einwohner schon über dem Tirol-Schnitt. Seine Bitte: gesamthafteres und vernetzteres Denken bei der Raumordnungplanung. Auch Bodenseer erkennt das Ende des Flächenwachstums im Handel: „Ich hoffe, dass Lienz da den Weg der goldenen Mitte findet! Langsam gewachsene Strukturen wären gescheiter.“

Einig zeigt man sich bei der Forderung nach der Fortsetzung der Strukturförderprogramme von EU, Bund und Land über das Jahr 2013 hinaus. Was insbesondere die verkehrsgeographische Lage betrifft, bestünde nach wie vor spezieller Förderbedarf.

WK-Tirol-Präsident Bodenseer brach auch eine Lanze für den Lehrberuf: „Wir wollen das Image für Lehre und Gewerbe verbessern, speziell auch im Tourismus. Dazu gehört die Aufklärung und Unterstützung von Eltern und Jugendlichen, die Öffnung der Lehre in Hinblick auf Matura sowie die Schaffung neuer, innovativer Lehrberufe – besonders auch für Mädchen!“ Dies alles seien auch deutliche Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit und Abwanderung im Bezirk, so die Vertreter der Wirtschaftskammer abschließend. „Wir möchten gemeinsam Dinge tun und etwas bewegen. Die Polarisierung in Themenbereichen wie Tourismus, Kraftwerkspläne oder Einkaufszentren sind schädlich.“ meint Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein.

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