Es taut: Berge in Bewegung

Projekt „permalp“ der Uni Salzburg, NPHT und ÖAV untersucht Permafrostverbreitung.

Patschertal mit der Barmer-Hütte – Von Permafrost geprägte Hochgebirgslandschaft. Foto: NPHT/Jurgeit

Der Nationalpark Hohe Tauern als Hochgebirgsnationalpark ist sehr stark vom Permafrost, der Bodengefrornis, in Höhenlagen über ca. 2.600m geprägt. Mit der Klima-Erwärmung gehen nicht nur die Gletscher zurück, sondern auch Fels und Schutthalden tauen auf – oft mit „Nebenwirkungen“ für Mensch und Natur. Permafrost verbinden die meisten Menschen mit gefrorenem Boden in Verbindung mit Wasser, also Eis. Dies muss genau gesehen nicht so sein, denn es handelt sich streng wissenschaftlich um ein Temperaturphänomen (unter 0°C) und es kann auch eisfreien Permafrost geben.

 

Die Hohen Tauern mit den höchsten Bergen Österreichs sind aufgrund ihrer Höhenlage sehr stark von Permafrost geprägt – gerade ab Höhenlagen von ca. 2.600m muss man je nach Exposition damit rechnen. Im Zuge des Projekts „permalp“ wurde unter der Leitung der Univ. Salzburg mit Partnern wie dem Nationalpark Hohe Tauern und dem OeAV die Permafrostverbreitung untersucht. Ein Computermodell und Messungen im Gelände haben interessante Ergebnisse gebracht: Auf ca. 455 km² ist das Auftreten von Permafrost im Nationalpark Hohe Tauern möglich, auf ca. 183 km² (ca. 10% des Nationalparks) sogar sehr wahrscheinlich.

Abbruchnischen durch Auftauen des Bodens und Gesteins. Wenn man unterhalb geht, kann es tödlich enden. Foto: NPHT/Jurgeit

Mit der zunehmenden Erwärmung beginnen auch diese quasi gefrorenen Böden aufzutauen. „Den Permafrost kann man sich wie einen Kleber vorstellen der Schutt und Fels zusammenhält“, so Florian Jurgeit von der Nationalparkverwaltung. Mit dem Auftauen werden die Hänge instabil und Prozesse wie Steinschlag, aber auch Felsstürze können auftreten, Wege abrutschen – oder sogar der Untergrund auf dem Hütten, Seilbahnen und andere Infrastruktur stehen, sich bewegen. Oft mit fatalen Auswirkungen – auch im Osttiroler Teil des Nationalparks Hohe Tauern kämpft man bereits mit diesen Problemen. Riepenscharte, Galtenscharte oder Rotenmanntörl sind Beispiele, die schon kostenintensive Sanierungsmaßnahmen benötigt haben.

„Mit diesem Phänomen kommen für alle Wegerhalter und den Nationalpark Hohe Tauern, der Wegsanierungen finanziell unterstützt, oft unerwartet hohe Kosten in schwierigem Gelände zu. Gerade die hochalpinen Wege und Übergänge zeichnen die Hohen Tauern aus und sind wichtige Verbindungen zwischen den Hütten“, berichtet Nationalparkdirektor Hermann Stotter.

Permalp-Permafrostverbreitung rund um den Glockner. Bild: NPHT. (Datengrundlage: Nationalpark Hohe Tauern, tiris, SAGIS, KAGIS, BEV)
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