Isel-Aktivisten wollen Alternativen aufzeigen

Kraftwerksgegner sehen sich gut geölter PR-Maschinerie gegenüber.

Sie wollen das Isel-Kraftwerk im Virgental verhindern (von links): Gerlinde Stocker, Adolf Berger, Reinhold Bacher und Regina Köll.

Einen Tag vor einem öffentlichen Planungsgespräch über das Wasserkraftwerk Obere Isel lieferte die „Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental“ einen Lagebericht aus ihrer Perspektive.

Der gesamte Diskussionsprozess im hinteren Iseltal werde derzeit von den PR-Firmen der Projektanten gelenkt, erklärt Landwirt Adolf Berger: „Beim ersten Forum gab's zwei Stunden Berieselung und keine Möglichkeit zur offenen Diskussion.“

Mit Berger traten vor kurzem auch seine Mitstreiter Reinhold Bacher und Gerlinde Stocker aus dem „Iselrat“ aus und wollen in den nächsten Monaten durch eine ganze Reihe von Veranstaltungen vor allem aufklärend wirken: „Die Menschen im Tal erwarten sich Arbeit und Geld“, erklärt Reinhold Bacher, „sie haben Hoffnungen, aber keine konkrete Vorstellung vom Projekt, weil sehr einseitig informiert wird.“ Im Iselrat sei nie zur Diskussion gestanden, ob man überhaupt ein Großkraftwerk brauche, sondern nur über Varianten diskutiert worden, zuletzt zwölf an der Zahl.

Je drei unterschiedliche Standorte für Krafthaus und Speicherteich wurden vorgelegt. Dabei fiel offenbar auch ein Dogma des Virger Bürgermeisters Dietmar Ruggenthaler, der ursprünglich „keinen Fuß auf Matreier Gemeindegebiet setzen wollte“, erzählt Regina Köll, Gemeinderätin in Matrei: „Jetzt gibt es auch Varianten, die bis nach Matrei reichen, einmal mit einer Stollenvariante vom Strumer hinunter nach Prosegg einmal mit einem Krafthaus in Seblas.“ Es gebe auch eine ursprünglich ausgeschlossene „Südvariante“ in Virgen, eine Variante ohne die Gemeinde Prägraten und eine Variante, bei der der Stollen sogar unter der Isel durchgeführt wird.

Weit weniger differenziert als die technischen Studien sei die Berechnung der Wirtschaftlichkeit, beklagen die Kraftwerksgegner. „Über Kosten wurde im Iselrat nicht viel geredet“, erzählt Adolf Berger, der wie seine Mitstreiter nicht an den großen Geldsegen  glaubt und die Gewinnversprechungen der Bürgermeister und Projektbetreiber hinterfragt.

Die Stimmungslage in den betroffenen Gemeinden Virgen und Prägraten schätzen die Iselschützer differenziert ein. Die Prägratener Bevölkerung sei schon deshalb dem Projekt gegenüber kritischer, weil der Ort noch mehr zu verlieren habe als Virgen. „Hier fließt die Isel direkt durch das Dorf“, erklärt Berger, „und der Wasserentzug wirkt sich wesentlich dramatischer aus.“ Es gehe um Trinkwasser eben so wie um die Bewässerung der Felder.

Außerdem habe Prägraten schon drei Kraftwerke. Berger: „Wenn auch die Isel gefasst wird, werden ab der Nationalparkgrenze 100 Prozent unserer Fließgewässer für die Stromerzeugung genutzt.“

Ein Kommentar zum Thema

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3 Postings bisher
wolf_c vor 6 Jahren

Es geht beim Iselstollen n i c h t um S T R O M, sondern einfach um G E L D, G E L D welches durch W E R B E F I R M E N in spekulativer Art aufgeschwatzt wird, und um dieses zu generieren, braucht es k e i n Kraftwerk dieser Art!

senf vor 6 Jahren

jo tirol, genau des passiert ja denen unterm bichl mit der iselableitung, nur sie kapierns net :-)))

jo tirol, kannst du uns amol sogn, was das hinterbichlerkraftwerk an der islitz letztendlich für die prägratner wirtschaftlich bewirkt hat? Einen Pendler, zwei Pendler oder gar drei Pendler weniger? I glaub eha, drei Pendler mehr! (Ein typisch Prägtater Pendler ist in der Regel ein Familienvater, der seine Frau und die Kinder unter der Woche allein lassen muß!).

jo tirol, hosch du des no nit übarissn, dass da Virga die Prägratner schon a Zeitl ausnimmt, frag vielleicht einmal den Klärwerksobmann ;-)), oder findest du es in Ordnung, wenn ein Nebenbeigeschäftsführer fast 80.000 per anno kostet?

tirol_ vor 6 Jahren

sooo ein schmarren. prägraten steht hinter den projekt! In Oberbichler keats Wasser amol ohgedrahnt! ;-)