Kraftwerksabstimmung soll vorgezogen werden

Nächtliche Gemeinderatssitzungen sorgen wohl für vorverlegte Kraftwerksabstimmung.

Prägratens Bgm. Anton Steiner will am 17. Juni über das Kraftwerk abstimmen lassen.

In einer echten „Nacht- und Nebelaktion“ saßen am gestrigen Donnerstag, 10. Mai, die Gemeinderäte von Prägraten und Virgen in ihren jeweiligen Gemeindestuben zusammen und stimmten um 22 Uhr über die Variante „Toinig Süd Virgen“ ab. Zuvor wurde das Projekt nochmals präsentiert.

Bei der besagten Variante liegt die Wasserfassung rund 100 Meter unterhalb des Toinig Wasserfalles im Westen von Prägraten. Von dort verlaufen die Stollen außerhalb der Nationalparkgrenzen über die Südseite des Tales bis nach Mitteldorf am östlichsten Ende von Virgen. Dort soll dann das Krafthaus errichtet werden.

Obwohl Prägratens Bürgermeister Anton Steiner davon überzeugt ist, dass diese Variante jene mit „der größten sozialen Akzeptanz“ innerhalb seiner Gemeinde ist, fiel die Abstimmung darüber mit 7:6 Stimmen denkbar knapp aus. Kein Wunder, denn bei der Südvariante muss unter anderem der Stollen im Mullitztal in Virgen so gebaut werden, dass er 60 Meter bergab und dann wieder bergauf gebaut werden muss.

Sein Amtskollege aus Virgen, Dietmar Ruggenthaler, kann einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss vorweisen und das obwohl einige der Haupt-Trinkwasserversorgungsquellen der Gemeinde Virgen im Mullitztal liegen. Die Einigkeit ist allerdings nicht ganz überraschend. Ruggenthaler hat seit den vergangenen Wahlen keine Opposition mehr im Gemeinderat sitzen und ist nur von Mandataren einer einzigen Liste umgeben – seiner eigenen.

Ob man sich letzten Endes tatsächlich für die „Toinig Süd Variante“ entscheidet, hängt von den Projektwerbern ab. Diese haben in dieser Sache das letzte Wort.

Nachdem dieser Punkt geklärt war, wurden die Mitglieder des Prägratner Gemeinderates dazu aufgefordert, über eine Vorverlegung der Volksbefragung zum Thema Kraftwerksbau abzustimmen. Eine überraschende Wende, denn bislang stand immer ein Herbsttermin im Raum. Jetzt soll in Prägraten schon am 17. Juni darüber abgestimmt werden. Da auch diese Abstimmung mit 7:6 Stimmen ausging, wurde die erforderliche 2/3-Mehrheit verfehlt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der 17. Juni vom Tisch ist. Bürgermeister Anton Steiner benötigt jetzt die Unterschriften von einem Sechstel der Wahlberechtigten in seiner Gemeinde. Sobald er diese gesammelt hat, kann er die Bürgerbefragung an seinem favorisierten Termin durchführen.

Trotzdem gerät Steiner unter Druck, denn auch die Virger Politiker wollen im Juni darüber abstimmen lassen, ob sich die Gemeinde an der Planung, dem Bau und dem Betrieb eines Wasserkraftwerks beteiligen soll.

Gemeinderätin Rita Feldner machte sich für eine Abstimmung im Herbst stark.

Für Rita Feldner, Gemeinderätin in Prägraten und Mitglied der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental, ein Ding der Unmöglichkeit. Daher stellte sie den Antrag, die Volksbefragung im Herbst durchzuführen, da – wie Wolfgang Widmann von der Projektierungsfirma INFRA zuvor nochmals bestätigte – erst dann die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) fertig ausgearbeitet sind. Außerdem herrsche auch erst dann Klarheit, wie das Einreichprojekt letztlich aussehen wird.

In jedem Fall stellen sich für die Kraftwerksgegner nach dieser Sitzung weitere Fragen. „Warum soll die Volksbefragung noch vor der tourismusintensiven Sommersaison über die Bühne gehen? Und wie kann man über eine Variante abstimmen lassen, bei der die Kosten noch gar nicht ermittelt wurden?“, sind die Mitglieder der Bürgerinitiative fassungslos.

Antworten gab es von den Gemeinden Virgen und Prägraten dazu am heutigen Freitag, 11. Mai, keine, denn die Gemeinderäte beider Kommunen weilen derzeit im Südtiroler Passeiertal, wo sie sich das Kraftwerk Enerpass anschauen.

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5 Postings bisher
Herr E. aus O. vor 5 Jahren

PS. Noch mal ich......glaubt eigentlich irgendjemant das INFRA eine soziale Einrichtung ist ? Diese Leute wollen nur Geld verdienen....sonst nichts !!

Herr E. aus O. vor 5 Jahren

Ihr, armen, armen Leut ! Was ist mit Euch Allen los. Wollt Ihr diese schöne Natur wirklich den Firmen die nach Renditen trachten überlassen ?. Ist Euch Eure Heimat nichts mehr wert ?

G_J_Hahne vor 5 Jahren

Ein Virgental Urlauber seit über 30 Jahren: Die Abstimmung soll vor der Sommersaison durchgezogen werden, damit v.a.die Bürger und Vermieter im Virgental nicht von den Sommerurlaubern hören, was sie über das Kraftwerksprojekt denken. Wem nützt eine Abstimmung, wenn derjenige der abstimmt, nicht weiß, worüber er zu befinden hat. Soll das zum Vorteil der Gemeinde sein? Vermutlich wissen selbst die Bürgermeister nicht, welche der vielen Varianten letztendlich infrage kommt und was das bedeutet.. Es ist doch selbstverständlich, dass 2 kleine Gemeinden, bei der Größenordnung dieses Kraftwerk-Projektes, vor der Abstimmung von Ihren BM über alle Zahlen und Gutachten, wie über alle Fakten informiert werden müssen. Wer mal eben schnell abstimmen lässt, muss verdammt schlechte Argumente für den Kraftwerksbau haben!

OsttirolWerber vor 5 Jahren

Bauts nur euer Kraftwerkl. In ca. 20 Jahren gibts neue Kleinkraftwerke für den autonomen Hausgebrauch. Da zahlen eure Kinder dann noch brav euer Werkl im Virgental ab, während alle anderen Haushalte mit den neuen Errungenschafften der Technik sogar Geld verdienen. Vor 25 Jahren hätte diese Entscheidung vielleicht Sinn gemacht, so alt ist die Idee. Aber so kann man wenigstens die Arbeitsplätze in der Kraftwerksindustrie sichern.

StephanTroyer vor 5 Jahren

Bgm. Steiners Begründung für das Unterschriftensammeln: „Bei der Wasserkraft Obere Isel handelt es sich um die wichtigste Investitionsentscheidung in der Geschichte des Virgentals. Deshalb ist es mir so wichtig, dass die Prägratener direkt mitbestimmen können.“ Als ob eine Befragung im Herbst mit mehr Details statt schon in einem Monat (übrigens VOR dem geplanten Iselforum Wirtschaftlichkeit) keine Mitbestimmung sei. Nichtsdestotrotz versucht die PR-Firma WiKo die Sache irgendwie positiv für das Projekt dazustellen, auch wenn es nicht ganz der Wahrheit entspricht: "Jetzt werde man versuchen, über Unterschriften von einem Sechstel der Wahlberechtigten die Bürgerbefragung zu ermöglichen.", aber dafür werden sie ja schließlich bezahlt.