In Matrei suchte man nach regionalen Chancen

In Feld bei Matrei suchte man nach Lösungen gegen die „Landflucht“.

Die Verantwortungsträger der Region (von links): Bgm. Josef Rainer, Bgm. Klaus Unterweger, Bgm. Anton Steiner, Bgm. Vitus Monitzer, Forum Land-Bezirksobmann-Stv. Christoph Scherer, Bgm. Dietmar Ruggenthaler, Bauernbundobmann Martin Mayerl und Bgm. Franz Hopfgartner.

Bereits zum dritten Mal wurde in Osttirol über die Zukunft des ländlichen Raums diskutiert. Bürgermeister Klaus Unterweger aus Kals stellte dabei das Iseltal und seine Seitentäler vor. „Außer Virgen haben alle Gemeinden in unserer Region seit 2001 Einwohner verloren“, so Unterweger. Dabei lag der Rückgang bei rund 10 %. Eine Tendenz, die in den meisten Orten anhalten wird. „Dadurch werden die Gemeindeinfrastrukturen unfinanzierbar und die Säulen der Nahversorgung können nicht mehr aufrecht erhalten werden“, befürchtet der Kalser Bürgermeister.

Unterweger ortet die Hauptprobleme vorrangig in den fehlenden Arbeitsplätzen, der teuren Pendlersituation und den hohen Baukosten am Land. „Gemeinnützige Wohnbauträger erklären uns, dass sie für acht Wohnungen in Kals um das gleiche Geld 35 Wohnungen in Lienz bauen können – trotz der höheren Grundpreise. Das beschleunigt die Abwanderung“, so Unterweger.

Bgm. Klaus Unterweger befürchtet, dass die Gemeindeinfrastrukturen unfinanzierbar werden.

Man müsse dieser Entwicklung gezielt entgegen treten. Lösungsvorschläge seien laut Unterweger mehr Arbeitsplätze für Frauen in der Region sowie eine aktivere Vorgangsweise in der Kinderbetreuung und im sozialen Wohnbau. „Das Alleinverdienermodell von früher hat ausgedient. Frauen wollen und müssen zum Teil arbeiten gehen“, erklärt Unterweger.

Eine weitere Chance für die regionale Entwicklung sei der Ausbau eines qualitativ hochwertigen Tourismus. Allein durch die Tourismusbauten in Kals entstehen rund 90 neue Arbeitsplätze. „Wir müssen alle Möglichkeiten der regionalen Wertschöpfung nutzen. Das geht aber nur, wenn wir alle mit gutem Beispiel voran gehen“, appelliert Unterweger, der dabei jedoch betonte, dass Regionalität nicht mit hohem Gewinn gleichzusetzen ist. Man habe in der Region andere Stärken, auf die man aufbauen könne. So zum Beispiel die ehrenamtliche Arbeit. „Die Freiwilligkeit ist ein hohes Gut und sichert  in den Dörfern vieles ab“, so Unterweger.

Gestärkt werden sollen vor allem auch die sozialen Dienste. „Wir müssen die mobilen Dienste stärken und die Leute so lange wie möglich zu Hause pflegen. Nicht überall können wir betreutes Wohnen installieren oder gar ein Altenheim errichten. Das ist nicht wirtschaftlich zu führen“, glaubt der Kalser Bürgermeister.

„Für Änderungen sind wir selbst verantwortlich“, betont Bezirksbauernbundobmann Martin Mayerl.

Bezirksbauernbundobmann Martin Mayerl erwartet sich für die Zukunft mehr politische Verantwortung. „Es darf nicht alles vom Schreibtisch aus entschieden werden, sondern muss für die Region und die Menschen vor Ort praktikabel bleiben“, mahnt Mayerl an. „Von oben herab befohlen, wird es nicht funktionieren.“

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass man die meisten Chancen im Tourismus sieht. Dies gehöre dann aber auch genau so vermarktet. „Osttirol ist eine Region und als solche müssen wir uns auch verkaufen. Wir müssen mit unseren Besonderheiten punkten und der Nationalpark Hohe Tauern ist so ein Alleinstellungsmerkmal“, betonte ein Diskussionsteilnehmer.

Gefordert wurde auch ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Region brauche gut funktionierende „Öffis“, die mit dem Zentralraum Lienz perfekt „vertaktet“ seien.

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