Wichtiger Vorentscheid oder Muster ohne Wert?

Nach der Kraftwerksabstimmung analysieren Gegner und Befürworter das Ergebnis.

Naturgemäß unterschiedlich sind die Standpunkte nach der Kraftwerksbefragung, die am 17. Juni in den Iseltaler Gemeinden Virgen und Prägraten durchgeführt wurde. Das Ergebnis fiel mit rund 60 % Pro-Stimmen in Prägraten und sogar 72 % Prozent Zustimmung in Virgen bei insgesamt sehr hoher Wahlbeteiligung eindeutig aus.

Gute Laune herrschte nach der Auszählung bei Gemeinderat Leopold Bstieler und Bgm. Dietmar Ruggenthaler.

Dementsprechend sehen sich die beiden Bürgermeister in ihrer Vorgehensweise bestätigt. „Uns war es von Anfang an wichtig, die Bürger einzubinden und ein sozial verträgliches Projekt zu realisieren. Mit dem Ergebnis ist der Virgentaler Weg bestätigt worden“, erklärten die Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler (Virgen) und Anton Steiner (Prägraten) nach der Auszählung. Sie wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen und sehen im Kraftwerk – wie mehrfach berichtet – eine nachhaltige Absicherung der Zukunft des Virgentales. Das Abstimmungsergebnis sei ein klarer Auftrag, die Planungen „mit voller Kraft weiter zu verfolgen“.

Genau davor warnen die Kraftwerksgegner in ihren Resümees. „Wir fordern, dass die Gemeinden kein Geld ausgeben, bevor nicht endgültig geklärt ist, ob die Isel als Natura 2000 Schutzgebiet ausgewiesen wird oder nicht“, appelliert Regina Köll von der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental an die Vernunft der handelnden Personen, und mahnt an, mit dem Steuergeld sorgsam umzugehen. Köll: „Wir sind uns sicher, dass die Isel bundes- und europaweit im Fokus steht und ihre Zukunft nicht allein in Osttirol entschieden wird.“ Daher erwarte man sich jetzt, vor weiteren Schritten, eine Stellungnahme des Landes.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk akzeptieren das Ergebnis zwar, warnen aber vor übereilten Investitionen. Foto: Miriam Raneburger

Der WWF erwartet sich nach der Abstimmung sogar ein Einschreiten von Umweltminister Nikolaus Berlakovich. „Dorfinterne Abstimmungen sind eine Sache der Gemeinden und werden von uns zur Kenntnis genommen“, so Christoph Litschauer vom WWF. „Das Ergebnis kann aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Kraftwerk ökologisch nicht genehmigungsfähig ist.“

Ein Kraftwerk am letzten frei fließenden Gletscherfluss der Ostalpen würde nicht nur einen gravierenden Einschnitt in das einzigartige und sensible Ökosystem bedeuten, sondern auch dem Tourismus in der Region schaden. Litschauer: „Der Umweltminister muss sich für den Schutz des Flussheiligtums Isel aussprechen und der Tiroler Landesregierung erklären, dass ein Kraftwerksprojekt an einer derart ökologisch hochwertigen Fließstrecke nicht möglich ist. Sowohl im Tiroler Kriterienkatalog als auch im Bundeskriterienkatalog fällt das Kraftwerksprojekt in Sachen Ökologie eindeutig durch.“

Dies sieht auch Wolfgang Retter vom „Netzwerk Wasser Osttirol“ so. Retter merkt an, dass sich die Isel als öffentliches Wassergut im Eigentum aller Österreicher befinde, und nicht im Privatbesitz von Planern, Bürgermeistern oder Gemeinden. Weitere Planungskosten seien somit reine Fehlinvestitionen.

Thomas Haidenberger von den Osttiroler Grünen führt die hohe Zustimmung bei den Wahlen auf die Arbeit der PR-Profis zurück. Doch Grund zum Feiern sieht er bei Kraftwerksbefürwortern keinen, da die endgültige Bewertung als Natura 2000 Schutzgebiet noch ausstehe. Was sich laut Haidenberger durchaus noch als unerwarteter Vorteil für die Gemeinden erweisen könne. „Die Kommission würde damit nicht nur ein Stück unbezahlbarer Naturlandschaft schützen, sondern auch die Bürgermeister von Virgen und Prägraten vor einem finanziellen Abenteuer“, ist sich Haidenberger sicher.

Für entbehrlich halten die Befürworter der Bürgerinitiative „Pro Wasserkraftwerk Obere Isel“ die Zurufe von Außen.

Ganz anders sehen das die Befürworter der Bürgerinitiative „Pro Wasserkraftwerk Obere Isel“. Deren Mitglieder fordern Respekt vor dem Ergebnis der Bürgerbefragung. „Wir nehmen die vielen Wortmeldungen von außerhalb des Tales, die das Ergebnis ignorieren wollen, mit großer Verwunderung zur Kenntnis. Jeder Demokrat sollte den Ausgang der Befragung akzeptieren“, betont Initiativen-Sprecher Fritz Joast. Die hohe Wahlbeteiligung und die breite Zustimmung hätten gezeigt, dass die Demokratie im Virgental funktioniere.

Auch in Zukunft wolle man als Bürgerinitiative weiterarbeiten und versuchen, ein Bindeglied zwischen der Bevölkerung und Planern zu sein. „Unser Ziel ist es, konstruktiv für das Virgental weiterzuarbeiten. Das erwarten wir auch von den Gegnern des Projektes“, meint Joast.

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6 Postings bisher
wolf_c vor 6 Jahren

Lasst endlich m e i n e n Fluß in Ruhe, geht woanders hin spekulieren mit Qualitäten die euch nicht gehören !

StephanTroyer vor 6 Jahren

"für entbehrlich halten die Befürworter der Bürgerinitiative „Pro Wasserkraftwerk Obere Isel“ die Zurufe von Außen": Für entbehrlich halte ich die Meldung dieser Bürgerinitiative, die scheinbar den Hintergrund der meisten der "vielen Wortmeldungen von außerhalb des Tales" nicht verstanden hat: Meistens wird ja eben kritisiert, dass das Kraftwerk nicht "umweltverträglich", wie von den Projektwerbern beworben, ist, sondern dass die Abstimmung (vor allem Dank der Wahl der Formulierung) nur über ein Wunschprojekt war, das mit der Realität nicht viel gemeinsam hat.

G_J_Hahne vor 6 Jahren

„für entbehrlich halten die Befürworter der Bürgerinitiative „Pro Wasserkraftwerk Obere Isel“ die Zurufe von Außen“. Sollten hier auch die Urlauber des Virgentales gemeint sein, keine Stellung zu beziehen, zu dem, was in „ihrem Urlaubstal“ an Frevel gegen die Natur veranstaltet werden soll. Oder ist vor lauter Vorfreude an Geklingel in der Gemeindekasse, sogar gemeint, die Urlauber seien entbehrlich!? Die Verwunderung über das Treiben im Virgental ist ganz auf meiner Seite!

irina vor 6 Jahren

Zu den vielen Wortmeldungen von außerhalb des Tales: Die Isel gehört nicht nur den beiden Abstimmungsgemeinden!

Leonhard vor 6 Jahren

Der Kater nach dem Siegesrausch wird spätestens kommen, wenn das Land Tirol die Isel als Natura 2000-Gebiet nachnominieren muss. Dann wird es Heulen und Wehklagen geben, weil viel Geld unnütz zum Fenster hinausgeworfen wurde. Die Natur gleicht alles aus. Wetten, dass ... ???

everest1 vor 6 Jahren

Der Tag wird kommen, ... an dem die NATUR über uns abstimmt!