Agrarmarketing Tirol bedauert Karten-Fehler

Agrarmarketing verärgerte zahlreiche Osttiroler mit Tirol-Karte ohne Bezirk Lienz.

Ein Dolomitenstadt-Kommentar schlägt seit vergangenen Samstag Wellen bis nach Nordtirol. Nicht ohne Augenzwinkern kritisiert darin Gerhard Pirkner ein aufwändig gestaltetes Magazin der landesnahen Organisation „Agrarmarketing Tirol“ über das Tiroler Almleben, das der Tiroler Tageszeitung beilag. Im Inhaltsverzeichnis der Broschüre sieht man eine Landkarte von Tirol – ohne den Bezirk Lienz.

Die abgedruckte Karte im "Almleben-Magazin" erboste viele Osttiroler.

Dieser Umstand ließ die Wogen hochgehen. Mehr als 200 Mal wurde der Artikel weiter empfohlen, knapp zwei Dutzend Postings trafen binnen weniger Stunden ein.

Wendelin Juen, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol, ist für den Inhalt der Broschüre verantwortlich und bekennt einen bedauerlichen Fehler: „Wir entschuldigen uns, dass bei der Tirol-Karte Osttirol nicht abgebildet wurde“, erklärt Juen. Dabei habe es sich aber weder um Unkenntnis, noch um eine Böswilligkeit gehandelt.

Dies bestätigt auch das Büro von LH-Stv. Anton Steixner, dem Obmann des Vereines. „Die ganze Konzentration galt der Lokalisierung der am Projekt teilnehmenden Almen und da es keine teilnehmenden Almen aus Osttirol gab, kam es zu diesem Missverständnis“, beschwichtigt Wilhelm Mayr.

Wendelin Juen von der Agrarmarketing Tirol bedauert den Fehler.

Juen betont, der Agrarmarketing Tirol sei der Bezirk Lienz und die Vermarktung von Osttiroler Lebensmitteln ein wichtiges Anliegen. „Wir werden auch gemeinsam mit den Verantwortlichen den Osttiroler Schafalmwandertag am 19. August mit dem Osttiroler Berglamm als zentrale Botschaft entsprechend medial bewerben“, verspricht Juen.

Die Agrarmarketing Tirol ist ein Verein in dem neben dem Amt der Landesregierung auch die Landwirtschafts- und Wirtschaftskammer sitzen. Die Vertretung der Osttiroler Landwirte gibt sich gelassen. Martin Diemling von der Bezirkslandwirtschaftskammer Lienz zeigt sogar Verständnis: „Fehler können nun einmal passieren“, so Diemling. „Wir Osttiroler reagieren in dieser Frage manchmal ein wenig übersensibel, aber Fakt ist, dass wir in Wirklichkeit von der Agrarmarketingabteilung immer sehr gut bedient werden.“ Die beteiligten Personen würden daher jetzt zu Unrecht geprügelt.

Für Reinhard Lobenwein, der die Bezirksstelle der Wirtschaftskammer leitet, ist das „Missgeschick“ weniger nachvollziehbar. „Natürlich passieren Fehler, aber wir haben mit den Almen im Gschlöß- und Tauerntal sowie mit den Almen im Villgratental echte Vorzeigealmen, die im Heft bei den Veranstaltungen ja auch erwähnt sind“, so Lobenwein. In Zukunft gelte es, solche Fehler zu vermeiden.

Dies will auch Wendelin Juen, der erklärt: „Im Magazin geht es um ein mehrjähriges Projekt. In der Pilotphase nehmen Tiroler Almen mit Almbutter- und Almkäseproduktion freiwillig teil. Wir wollen das schrittweise auf weitere Almen ausweiten.“

Die Redaktion von Dolomitenstadt bietet sich den Kollegen aus dem Norden gerne als journalistische Quelle an. In der aktuellen Ausgabe unseres Printmagazins „Dolomitenstadt“ findet sich zufällig schon eine passende Story, nämlich jene über den Ziegenbauer Philipp Jans in Kals. In Osttirol gibt es das Magazin an jedem Zeitschriftenkiosk, für Nordtiroler geht's hier zum Online-Abo.

Nicht jeder Käse kommt aus Nordtirol. Ein Beispiel für ein bergbäuerliches Agrarprodukt aus Osttirol ist der Ziegenkäse von Philipp Jans. Foto: Expa/Groder
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3 Postings bisher
hoidanoi vor 5 Jahren

Geschätzter Bernd Lenzer, . derat schnelle Rechercheergebnisse sind begrüßenswert. . Es ist zu hoffen, dass bei der nächsten Agrarmarketingoffensive nicht nur die Grenzen den Bezirks sichtbar werden, sondern auch Nennenswertes innerhalb derselben. Vielleicht ein Anstoß für die Osttiroler Almbauern mit Produkten aufzufallen. . Sonst fällt das Vergessen gar zu leicht.

Bernd Lenzer vor 5 Jahren

Lieber Hoidanoi, wir mussten mit der Klärung dieser Frage ebenfalls bis jetzt warten. Nun haben wir aber von Martin Diemling eine Antwort erhalten: . "Es hat sich zum einen niemand auf die Aufforderung hin gemeldet - manche Almen wurden sogar direkt angesprochen, und zum anderen gibt es in Osttirol keine Butter- und Käseproduzenten, die in solch großen Mengen produzieren, wie dies in Nordtirol der Fall ist."

hoidanoi vor 5 Jahren

Zweiseitigkeit . Das Versehen, in diesem Fall das Übersehen des Bezirks, hat auch sein Gutes. Der ORF berichtet über das Malheur, die Funktionäre fühlen sich bemüßigt, den Fehler auszumerzen und Landespolitkern wird ihre Sorgfaltspflicht im Umgang mit dem sich stiefmütterlich behandelt fühlenden Bezirk bewusst. . Unter geht dabei, dass keine Osttiroler Alm an der Aktion der Agrarmarketing beteiligt ist. Was zwar nicht das Vergessen auf den Bezirk rechtfertigt, es aber erleichtert. Einen weißen Fleck als Landkarte abzubilden ist nicht schön, auch wenn's der geographischen Lage genüge täte. . Warum also findet sich keine Alm, die in der Karte verzeichenbar wäre. Der Leser weiß nicht wieso und fragt nach dem Warum. Wird kein Alm-Käse- und keine Alm-Butter auf Osttiroler Almen produziert? Und wenn doch, warum bedient man sich der Vermarktungsmöglichkeit nicht? Etwa, weil hierfür Kriterien angelegt werden, die im Bezirk nicht erfüllt werden können? Weil die Teilnahme kostenpflichtig wäre? Weil man Fristen versäumt hat? Weil man schlicht nicht gefragt wurde? All das weiß der Leser nicht. All das würde er gerne erfahren. . Der mediale Rummel wird nicht die Formen der Gratiswerbung annehmen, die weiland der Kinigat hatte. Dennoch, die Aufregung kommt gerade recht, um das Augenmerk auf Osttirol zu richten. Auch in der Innensicht, bei der wir uns fragen dürfen, ob wir das, was wir haben, zwar gerne beworben sehen würden, am liebsten gratis, nur möglicherweise selbst die notwendigen Schritte dafür nicht setzen.