Keine Kraftwerksanteile für Virgentaler Gemeinden

Optionen statt Beteiligung und wenig Schwung im Iselrat.

„Die winterliche Isel“ fotografiert im Vorjahr von Wolfgang C. Retter.

Gravierende Änderungen gibt es bei der ursprünglich angedachten Beteiligung der beiden Gemeinden Virgen und Prägraten am 144-Millionen-Kraftwerksprojekt an der Isel. Über die Innsbrucker PR-Agentur Wiko teilen die Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler und Anton Steiner sowie die Projektgesellschaft INFRA mit, dass zwar demnächst die Wasserkraft Obere Isel GmbH mit einem Stammkapital von 200.000 Euro gegründet werde, die INFRA aber vorerst 100% der Anteile halten wird.

„Die Gemeinden Virgen und Prägraten bekommen eine notariell hinterlegte Option auf 50 Prozent an der Gesellschaft“, erklärt INFRA-Geschäftsführer Wolfgang Widmann. Sitz der Gesellschaft werde Virgen sein.

Ursprünglich war geplant, dass Virgen und Prägraten 50 Prozent an der Projektgesellschaft besitzen und ihre Anteile teilweise an ein noch zu bestimmendes Energieversorgungsunternehmen (EVU) verkaufen. In einer Vorprüfung hat die Bezirkshauptmannschaft Lienz nach Einholung einer Fachmeinung des Landes allerdings Nachbesserungen eingefordert.

„Offensichtlich gibt es hier noch Klärungsbedarf mit der Behörde. Wir sind aber zuversichtlich, in den nächsten Wochen alle Details mit dem Land abgestimmt zu haben“, sagt Virgens Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler.

Um die Projektentwicklung nicht weiter zu verzögern, werde INFRA die GmbH vorerst alleine gründen. Ruggenthaler: „Anstatt der Anteile an der Projektgesellschaft werden wir Gemeinden Optionen in Höhe von 25% Prozent an das EVU verkaufen, sodass wir die restlichen Optionen in der Höhe von 25% selbst ziehen können.“ Das soll beim Einstieg des Energieversorgers im nächsten Jahr erfolgen. Die Wien Energie wurde in den Medien zuletzt als Kaufinteressent kolportiert, gibt sich aber zurückhaltend.

Eher unterschwellig agiert auch der von den Projektanten ins Leben gerufene „Iselrat“. Dieses Gremium sollte die Mitsprache der Bevölkerung sichern und soziale Akzeptanz schaffen, ein wichtiges Kriterium bei der anstehenden Umweltverträglichkeitsprüfung.

Den Bürgermeistern Ruggenthaler und Steiner, INFRA-Boss Widmann und Moderatorin Sabine Vollger von der Innsbrucker PR-Firma SVWP saßen Ende September nur noch drei Teilnehmer gegenüber, die Virger Siegfried Hupf und Martina Assmair sowie der Prägratener Anton Hatzer.

Besprochen wurde laut Protokoll vorwiegend der schwache Besuch bei Veranstaltungen der „Gegner“ und Details des UVP-Verfahrens. Der WWF werde Berufung einlegen, erklärte laut Mitschrift Wolfgang Widmann und erläuterte: „Das Kraftwerk wird sicher manche Beeinträchtigung mit sich bringen, aber dafür müssen Ausgleichsmaßnahmen angeboten werden.“ Noch zwei Jahre werde die Umweltverträglichkeit ein Thema sein, Änderungen des Projekts seien im Zuge des Verfahrens möglich.

Eine Änderung wird es in jedem Fall geben. Die mit geologischen Probebohrungen für das Kraftwerk beauftragte Bohrfirma Plankel aus Paternion ging vor einigen Wochen mit 2,7 Millionen Euro Schulden in Konkurs. 150 Gläubiger sind betroffen.

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5 Postings bisher
iseline vor 5 Jahren

Nachdem es mir, ob der "Geschäftstüchtigkeit" der zwei Virgentaler Bürgermeister einige Tage die Sprache verschlagen hat, tauchen langsam einige Fragen auf. Muß man annehmen, dass Bgm. Ruggenthaler und Bgm. Steiner der Firma Infra wissentlich den Zugriff auf "unser Iselwasser" ermöglichen? ("unser", weil die Isel ja bekannterweise nicht zwei Gemeinden gehört) Dass die Gemeinden ein finanzielles Leichtgewicht, wenn nicht gar ein Fliegengewicht sind, war schon vorher bekannt. Die jetzigen "Optionen" statt Kraftwerksanteile, kann man ja auch nur mit Geld in wirkliche Anteile verwandeln. Warum verhalten sich die Drahtzieher im Land, vor allem LH Platter und Landesrat Steixner so ruhig? Sie waren es doch, die gemeinsam mit der SPÖ (jetzt wäre wohl auch Herr Hauser mit dabei) den Gemeinden empfahlen, Wasserkraftwerke zu bauen? Die Ausleitung der Isel ist von der Landesregierung gewollt. Letzter ökologisch intakter Gletscherfluss hin oder her. Dass die Firma Infra, bei der Erstellung des kraftwerksfreundlich adaptierten Kriterienkataloges, jetzt alle Fäden in der Hand hat, belegt die starken Vernetzungen. Die große Frage aber ist? Mit welchem Recht werden hier von Landesseite, von den Bürgermeistern, gecoacht von zwei hochbezahlten Werbeagenturen, Wasser und Wasserrechte vom Hauptfluss Osttirols, in Zeiten des Klimawandels, verscherbelt? Bitte liebe Gemeinderäte von Virgen und Prägraten, die für das Kraftwerk stimmten, formiert Euch und sagt jetzt: "Stopp". Bitte"

max24 vor 5 Jahren

Ruggenthaler und Steiner müssen mittlerweile auf ein nein aus Brüssel hoffen ,so verfahren ist ihre Situation jetzt . Politisch können sie bei diesem Projekt keinen Rückzieher mehr machen. Sie würden ihr Gesicht ,vor allem aus Rücksicht auf die Kraftwerksbefürworter in den eigenen Gemeinden ,verlieren. Obwohl sehr viele Argumente gegen dieses Mammutprojekt sprechen, der Schaden für die Gemeinden weitaus größer als der Nutzen ist ,bleibt den armen Gemeindeoberhäuptern nur die Flucht nach vorne. Umso wichtiger werden die lokalen , aber auch internationalen Behörden hier die Notbremse zu ziehen um eine unwiederbringliche Zerstörung eines in Europa einzigartigen Naturraumes zu verhindern. Ich bin mir sicher, dass sich die Behörden dieser Verantwortung bewusst sind , es dauert mir nur zu lange. Es müssen nun rasch Entscheidungen getroffen werden . Der Schaden für die ganze Region wird sonst nur noch größer . Irrwege zu beschreiten ist nicht verboten , sie einzugestehen oft schwer. Menschliche Größe haben diejenigen die aus Fehlern lernen und neue Wege gehen. Den Verantwortlichen wünsche ich diese menschliche Einsicht zum Wohle aller.

sonnenstadtler vor 5 Jahren

...denke, dass die anteile am kw-obere isel noch recht günstig werden könnten?! ...das kw wird dann wirklich viel strom produzieren, wenn ihn niemand braucht, durch die verzögerung werden die kosten eher im steigen begriffen sein und wenn der strompreis noch weiter sinkt und die netzkosten steigen (> siehe eex-bericht von letzter woche), dann wird es wohl eine neue formel brauchen für die künftigen betreiber ...in einem sind sich aber die meisten blogger einig: die projektgesellschaft wird am schnellsten den weg aus dem tal finden und auch am sichersten die kohle mitnehmen...wär auch ein schönes geld gewesen für kleine, regional verträgliche, jedoch wohl weniger spektakuläre projektchen ?!!!

G_J_Hahne vor 5 Jahren

So so, keine Anteile an der Projektgesellschaft! Seitens der Finanzaufsicht vielleicht gar eine Verweigerung der Beteiligung der Gemeinden am kompletten Kraftwerksprojekt? Begründung: Wegen zu großer finanzieller Risiken für die Gemeinden! Was dann? Gibt es dann nur eine INFRA, die dann die EVU´s ins Spiel bringen? Von wegen, die da oben und INFRA „die werden es schon gut machen!“ Es wird höchste Zeit aufzuwachen! Mir wäre es lieb, hier würde ein Sturm der Entrüstung gegen das Kraftwerksprojekt obere Isel blasen, und die BM und Gemeinderäte zum Umdenken veranlassen, angesichts dessen was sich abzeichnet! Ist das, auch hier im Moment, Schockstarre, Lethargie oder die Ruhe vor dem Sturm? Es wird höchste Zeit beim Projekt den Stecker zu ziehen!!!

wolf_c vor 5 Jahren

Infra gründet Projekt-GmbH vorerst ohne Gemeindebeteiligung, um KW Obere Isel zur UVP einzureichen ???

... also haben doch die 'Ausländer' das Sagen ... Bach weg, Strom weg, und wo bleibt wohl das Geld?