Osttirols Almbauern müssen auf Fördergelder warten

Nur ein Drittel der Osttiroler Almbauern erhält am 15. November die volle Förderprämie.

Wenn die Agrarmarkt Austria (AMA) am 15. November einen Teil der Fördermittel an die heimischen Bauern ausschüttet, wartet auf zwei Drittel der Osttiroler Bauern, die ihr Vieh im Sommer auf der Alm gehalten haben, eine unangenehme Überraschung: ein Teil der Abgeltungen, nämlich jene der Almauftriebsprämie, wird nicht ausbezahlt.

Ausschlaggebend dafür ist, dass der Europäische Rechnungshof das österreichische Fördersystem vielfachen Überprüfungen unterzogen hat. „Dabei wurden auf Almen Abweichungen, in den von Almbewirtschaftern beantragten, und den vor Ort von den EU-Prüfern erhobenen Flächen festgestellt“, erklärt Martin Diemling, Osttiroler Bezirksstellenleiter der Landwirtschaftskammer Tirol.

Um die Zuverlässigkeit des heimischen Flächensystems in Bezug auf die Almflächen zu gewährleisten, beschloss man, in Absprache mit dem Europäischen Rechnungshof und der Europäischen Kommission, die Prüfquote auf Almen von rund 5 % pro Jahr auf 15 % im Jahr 2011 und 30 % im Jahr 2012 zu erhöhen. Zudem will die AMA bis zum Frühjahr 2013 anhand von Luftbildern eine sogenannte „amtliche Flächenreferenz“ schaffen.

Obwohl bereits 45 % der heimischen Almflächen von den Prüfern erhoben wurden, erhält nur ein Drittel der heimischen Almbauern am 15. November die volle Förderung. Foto: Expa

Bis dahin heißt es für viele Almbauern jedoch: Bitte warten. „Es erhalten ausschließlich jene Almen am 15. Oktober die aktuellen Förderungen, deren Prüfberichte bis zum Berechnungsstichtag am 28. September 2012 in das System eingearbeitet wurden“, weiß Diemling, der aber betont, dass die nichtberücksichtigten Förderwerber nach Prüfung ihrer Almflächen die Gelder nachgezahlt bekommen.

Insgesamt stellten im Bezirk Lienz heuer 1.675 landwirtschaftliche Betriebe und 235 Agrargemeinschaften bei der AMA im Rahmen des sogenannten „Mehrfachantrages Flächen“ Anträge auf diverse Leistungsabgeltungen. „Laut Kataster gibt es in Osttirol 78.286 Hektar Almfläche, von denen 31.515 Hektar als Futterfläche ausgewertet wurden“, erklärt Diemling. Die Differenz ergibt sich daraus, dass Wege, Waldstücke, Geröllfelder oder Strauchgebiete nicht dazu gehören.

Glücklich ist der Leiter der Tiroler Landwirtschaftskammer in Lienz mit der derzeitigen Situation aber nicht. „Ich kann nachvollziehen, dass dieser vorübergehende Stopp der almrelevanten Zahlungen von den betroffenen Bauern als ungerecht empfunden wird. Almgemeinschaften können mit dieser Vorgangsweise massive finanzielle Probleme entstehen, da sich die Auszahlungen trotz korrekter Angaben mehrere Monate verzögern“, so Diemling.

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