Kürzt Land Osttiroler Therapiezentrum zu Tode?

Elf Mitarbeiter der Lienzer „Eule“ wurden zur Kündigung angemeldet. 110 Kinder betroffen.

Im Therapie- und Förderzentrum „Die Eule“ finden unter anderem Kinder und Jugendliche mit Sprachstörungen eine ideale Anlaufstelle.

Seit 20 Jahren gilt das Therapie- und Förderzentrum „Die Eule“ als eines der Vorzeigemodelle der Lebenshilfe Tirol. 81 Mitarbeiter begleiten jährlich 700 Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen sowie Entwicklungsverzögerungen, Verhaltens-, Sprach- und motorischen Auffälligkeiten therapeutisch mit. In Osttirol betreuen derzeit elf Mitarbeiter 110 Kinder.

Doch nun droht der „Eule“ das Aus. Das Sozialreferat des Landes Tirol hat nämlich den Fördersatz mit 1. Jänner 2013 von 55 Euro auf 44 Euro pro Stunde gesenkt. Und das, obwohl 2008 noch ein kostendeckender Tarif von 60 Euro vereinbart wurde. Durch die Indexanpassung müsste dieser inzwischen bei 70 Euro liegen.

Die daraus resultierenden Mehrkosten müssen die Familien seitdem in Form von Selbstbehalten tragen. Bei 40 bis 80 Stunden im Jahr ein finanzieller Kraftakt, denn 80 % der Betroffenen stammen aus sozial schwachen Familien. „Das hat zur Folge, dass die Kinder ihre förderliche Therapie beenden, und die Eule womöglich bald zusperren muss“, befürchtet Pia Schlichenmaier, Obfrau des Osttiroler Vereins „Hand in Hand“. Dies bestätigt auch Wilfrid Pleger von der Lebenshilfe Tirol. „Uns bleibt derzeit auch gar keine Wahl, da die Eule ohne die Förderungen des Landes nicht mehr kostendeckend arbeiten kann“, so Pleger.

Neben den elf Mitarbeitern wären auch 110 Kinder von der Schließung der „Eule“ in Lienz betroffen.

Dabei sei der Erhalt der „Eule“ im Bezirk Lienz enorm wichtig. „Eine gute Therapie kann für ein Kind den Unterschied zwischen einem selbstständigen oder unselbstständigen Leben bedeuten“, erklärt Schlichenmaier.

Barbara Amadori, Leiterin der „Eule“ in Lienz sieht das genauso und betont, dass das Therapie- und Förderzentrum dafür die besten Voraussetzungen schaffe: „Das interdisziplinäre Therapieangebot, bei dem Ergotherapeuten, Logopäden und Psychologen zusammenarbeiten, ist in dieser Form einmalig.“

Neben dem Standort Lienz betreuen die Therapeuten zusätzlich noch Kinder in den Sonderpädagogischen Zentren in Matrei und Sillian. Dennoch scheint es unwahrscheinlich, dass mit dem Land eine Einigung erzielt werden kann. Und das, obwohl das Land laut Rehabilitationsgesetz, für Kinder mit einer dauerhaften Behinderung aufkommen muss.

Der Unterricht in der „Eule“ macht bei vielen Kindern den Unterschied zwischen einem selbstständigen oder unselbstständigen Leben aus.

Trotzdem will man der „Eule“ nicht mehr zahlen, als jene Summe, die auch die Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) den niedergelassenen, freiberuflichen Therapeuten zahlt. Der „Eule“ zahlt die TGKK ebenfalls 44 Euro pro Stunde. Allerdings nur für Kinder mit vorübergehenden Entwicklungsstörungen.

In jedem Fall ist man über die Vorgehensweise der Sozialabteilung des Landes enttäuscht. „Andere Bundesländer bauen derzeit solche Therapiezentren auf und finanzieren diese, durch die öffentliche Hand, mit bis zu 110 Euro pro Leistungsstunde“, schreibt Eulen-Geschäftsführerin Dagmar Fischnaller in einer Aussendung.

In Tirol gäbe es mit der „Eule“ bereits eine solche Einrichtung. „Doch im Gegensatz dazu, haben wir unsere 81 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung anmelden müssen. Auch jene elf im Bezirk Lienz“, so Pleger. Noch gibt es aber Hoffnung. Pleger: „Am Freitag, 25. Jänner, findet eine weitere Sitzung mit dem Land statt.“

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2 Postings bisher
e ist mc2 vor 5 Jahren

Ich finde es sehr gut, dass solche Kürzungen durch die Medien auch an die Öffentlichkeit gelangen, denn sonst würden diese Politiker, die solche Entscheidungen treffen, wohl noch mehr solchen Unsinn verzapfen...ich weiß echt nicht, was in einem Landeshauptmann vorgeht, wenn er Kürzungen bei sowieso schon schwer benachteiligten Menschen zustimmt, nur um ein paar Euro einzusparen, bei Menschen die sich nicht wirklich wehren können...wenn man sieht, wo hin überall Geld verschoben und verschleudert wird, ist das ein absolutes Armutzeugnis dieser Landesregierung...ist somit auch nicht mehr wählbar, denn wenn man Strukturen zerstört, die einen Sinn machen und wirklich helfen können, dann gehören auch diese Verantwortlichen so schnell als möglich weg von der Macht... Lieber Herr Landeshauptmann, schreiben Sie es sich hinter die Ohren, wenn sie solche Entwicklungen nicht sofort ändern, werden Sie meine Stimme sicher nie mehr bekommen!!!

sonnenstadtler vor 5 Jahren

...nun ja, das ist dann wohl "regionen stärken" auf tirolerisch :-( vll baut man in innsbruck ein größeres zentrum für die kinder und bieten allen aus den bezirken dort noch bessere bedingungen an... :-( bezirksgerichte weg, rettungszentrale weg, ... ...weiß jemand was man noch tun könnte um noch ein bisschen effizienter, billiger, zentral abwickeln zu können? ...ein bisschen spielraum für "unvorhersehbare finanzlöcher oder bankenrettung" wär schon nicht schlecht ???