Land soll Osttirols Kraftwerkprojekte prüfen

Der WWF kritisiert die Vogel Strauss-Politik der Tiroler Landesregierung in Kraftwerksfragen. 

Die WWF-Wasserkraftexperten Christoph Litschauer und Thomas Diem machten sich vor dem Tiroler Landhaus für eine Prüfung der geplanten Wasserkraftwerke stark. Foto: WWF/Anton Vorauer

Mit einer ungewöhnlichen Aktion machte der WWF heute Mittwoch, 30. Jänner, auf die „Vogelstrauß-Politik“ der Tiroler Landespolitiker beim Wasserkraftaufbau aufmerksam: Sie stellten exemplarisch fünf Sträuße für fünf umstrittene Wasserkraftprojekte vor dem Innsbrucker Landhaus auf. Diese sollten verdeutlichen, dass die Landesregierung in dieser Frage „den Kopf in den Sand stecke“.

Gemeint sind die Kraftwerke Obere Isel, Tauernbach, Kaunertal, Kühtai II und das Regionalkraftwerk Mittlerer Inn. Sie alle müssten laut „Tiroler Kriterienkatalog Wasserkraftnutzung“ beurteilt werden – und zwar „frühzeitig“, um einen „maßvollen, integrativ sinnvollen Ausbau der Wasserkraft“ zu ermöglichen.

„Die Vorgaben sind eindeutig. Trotzdem ist keines der ökologisch bedenklichen Kraftwerke bislang auf Sinnhaftigkeit und Machbarkeit geprüft worden. Das fordern wir jetzt ein“, so WWF-Wasserkraftexperte Christoph Litschauer, zum Hintergrund der Aktion.

Immerhin sei der Kriterienkatalog von Landtag und Landesregierung verbindlich verabschiedet worden und sehe eine Prüfung aller Kraftwerksprojekte vor. Vor allem im Hinblick auf die kommenden Landtagswahlen sei es wichtig, dafür zu sorgen, dass mit den Tiroler Naturschätzen viel sorgsamer umgegangen wird als bisher. „Dass die Landesregierung ausgerechnet bei Ökoskandalen wie der Zerstörung der Isel wegschaut, ist inakzeptabel!“ ärgert sich WWF Kampagnenleiter Thomas Diem.

„Wenn der Kriterienkatalog mehr wert sein soll als das Papier, auf dem er steht, muss er auch für Projekte gelten, die mit massiven Eingriffen in die Ökologie einhergehen“, so der WWF. Gletscherbäche wie die Isel seien naturschutzfachlich und ästhetisch einzigartig. Sie müssten daher vor allen Eingriffen geschützt und für nachfolgende Generationen gesichert werden.

„Eine detaillierte Prüfung laut Kriterienkatalog würde für einige Projekte negativ ausgehen“, sind sich Litschauer und Diem sicher. Von rund 50 in Tirol geplanten Wasserkraftwerken wurde bis dato nur ein geringer Teil beurteilt. Durchleuchtet wurden vor allem kleine Anlagen privater Betreiber. „Würde man allerdings die Kraftwerke Obere Isel oder Kaunertal genauer unter die Lupe nehmen, würden sie wohl durch den Kriterienkatalog fallen. Also lässt man sie lieber ungeprüft“, mutmaßen die Naturschützer.

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