Kinderbetreuung wird für Osttirols Kommunen teurer

Das Osttiroler Kinderbetreuungszentrum erhöht die Gemeindetarife.

Der Bedarf an Kinderbetreuung in Osttirol steigt und mit ihm die Kosten für die öffentliche Hand. Foto: Ramona Waldner

Bis zum Jahresende 2012 zahlten alle Osttiroler Gemeinden dem Osttiroler Kinderbetreuungszentrum 0,60 Euro pro Einwohner als Kostenbeitrag für Serviceleistungen rund um die flexible private Kinderbetreuung. Ab 2013 wird sich dieser Betrag auf 2,40 erhöhen. Für jede Betreuungsstunde zahlen die Gemeinden zusätzlich 0,50 Euro statt bisher 0,20 Euro.

Bei ihrer turnusmäßigen Pressekonferenz nach dem Stadtrat rechnete die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik am 20. Februar vor, was das aus der Sicht des größten Beitragszahlers bedeutet. Die Stadt Lienz hat 11.960 Einwohner. Der OKZ-Beitrag nach dem Kopfschlüssel steigt von jährlich 7.176 Euro auf 28.704 Euro. Pro Monat fallen in Lienz zudem rund 3500 bis 4000 Betreuungsstunden an. Dazu kommt ein Beitrag für die Beförderung von Kindern, die das OKZ-Team von zu Hause abholt bzw. heimbringt. Insgesamt muss die Stadt mit gut 60.000 Euro für 2013 kalkulieren, mehr als das Doppelte im Vergleich zu den Vorjahren.

Dennoch sprachen sich Stadtrat und Bürgermeisterin für die Beibehaltung der Partnerschaft mit dem OKZ aus. Blanik: „Obwohl wir mit dem Ganztageskindergarten seit September ein städtisches Angebot haben und auch die schulische Nachmittagsbetreuung eingeführt wurde, bleibt der Bedarf an den Leistungen des OKZ hoch. Die Einrichtung ist im Prinzip unverzichtbar. Das werden wohl auch die anderen Gemeinden so sehen.“

Zudem sei nachvollziehbar, warum das neue OKZ-Management eine derart drastische Erhöhung der Tarife vornehmen müsse. Im September 2012 trat der Tristacher Marco Linder als Geschäftsführer die Nachfolge der langjährigen OKZ-Leiterin Mathilde Köffler an. Vor Weihnachten eröffnete er Osttirols Bürgermeistern bei einer Verbandskonferenz, dass sich bei gleichbleibender Kostenstruktur nach seinen Berechnungen für 2013 eine „Unterdeckung“ von 240.000 Euro ergeben würde, weshalb das OKZ einschneidende Einsparungen umsetzen werde, aber auch mehr Gemeindebeitrag brauche.

OKZ-Geschäftsführer Marco Linder erstellte nach seinem Start im September 2012 einen Finanzierungsplan für 2013 und ortete eine Finanzierungslücke von 240.000 Euro. Foto: Tobias Tschurtschenthaler

Begründet wird die Kostenexplosion vor allem mit neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das Tiroler Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz verpflichtet Vereine wie das OKZ etwa zu ähnlichen Beschäftigungsstandards wie öffentliche Einrichtungen. Aus „Stützkräften“ werden vollwertige Assistenzkräfte, die Personalkosten steigen und zugleich werden die Förderrichtlinien strenger. So fördert das Land nur noch Betreuung innerhalb der üblichen Öffnungszeiten. Das OKZ bietet berufstätigen Eltern aber auch in den Morgen- und Abendstunden Betreuung an.

Matrei und Nussdorf-Debant würden nach dem neuen Berechnungsmodell rund 17.000 Euro an das OKZ bezahlen, wenn man die Betreuungsstunden früherer Jahre als Maßstab nimmt. In beiden Gemeinden  kümmert sich das OKZ mehr als 10.000 Stunden pro Jahr um kleine und größere Kinder. Dölsach mit ca. 9.700 Euro und Sillian mit ca. 7.500 Euro folgen auf den Plätzen. Insgesamt rechnet die OKZ-Führung für 2013 mit 195.000 Euro an Gemeindebeiträgen.

Fast 300.000 Euro bezahlen die Eltern der betreuten Kinder, 474.000 Euro sollen vom Land kommen. In Summe halten sich Ausgaben und Einnahmen im Jahr 2013 nach dem neuen Finanzierungskonzept von Geschäftsführer Marco Linder mit rund 965.000 Euro die Waage.

Mehr als 30 MitarbeiterInnen des OKZ betreuen rund 830 Kinder pro Jahr in ganz Osttirol, mehr als 500 von ihnen sind jünger als vier Jahre.

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

1 Posting bisher
hubert vor 5 Jahren

... ich verstehe die Welt nicht mehr! Da macht die Tiroler Landesregierung ein neues Gesetz, erhöht den Etat für Kinderbetreuung immens und plötzlich müssen wir und die Gemeinden für die Kinderbetreuung wesentlich mehr bezahlen. Wer kann mir das erklären? Warum lässt man es nicht, wie es war, es hat super funktioniert? Wohin geht das zusätzliche Geld?