Osttirols Jäger sollen bald bleifrei schießen

Durch Bleirückstände im erlegten Wild droht Mensch und Tier Gefahr.

Die Verantwortlichen des Nationalparks Hohe Tauern appellieren an die Osttiroler Jägerschaft, aus gesundheitlichen Gründen auf bleihaltige Munition zu verzichten. Foto: Bergringfoto – Fotolia.com

Osttirols Jagd soll bleifrei werden! Dieser Meinung ist man zumindest im Nationalpark Hohe Tauern. Dort müssen die Jäger in den vier Jagden des Schutzgebietes bereits seit 2012 auf bleihaltige Munition verzichten. „Und zwar deshalb, weil Bleimunition insofern problematisch ist, da sich im Lebensmittel Wildbret kleinste Bleisplitter oder Bleiabrieb finden können“, erklärt Gunther Greßmann, Wildbiologe des Nationalparks Hohe Tauern.

Mittlerweile vertritt auch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit die Ansicht, dass es keine Aufnahmemenge für Blei gibt, die als unbedenklich einzustufen ist. Aus diesem Grund rät das Bundesinstitut für Risikobewertung in Deutschland Kindern, Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch möglichst davon ab, Wild zu konsumieren, das mit Bleimunition erlegt wurde.

Blei reichert sich nämlich im Körper an und schädigt im Lauf der Zeit innere Organe und das zentrale Nervensystem. Weiters kann es zu Störungen der Hirnfunktionen und einer Beeinträchtigung der Intelligenz führen.

Eine Gefahr, die auch wildlebenden Tieren droht. Viele Jäger überlassen den Aufbruch, also die nicht verwertbaren Innereien der erlegten Tiere, in der Natur den Aasfressern. Mit fatalen Folgen: Anfang 2012 wurde südlich von Matrei der Bartgeier Nicola tot aufgefunden. „Die Diagnose ergab eine chronische Bleivergiftung“, so Greßmann.

Für Wildbiologe Gunther Greßmann besteht beim Lebensmittel Wildbret kein Grund zur Panikmache. Im Bezug auf die Wildtiere sieht er jedoch Eile geboten.

Zwei andere Geier kamen im gleichen Jahr zwar mit dem Leben davon, allerdings mit so schweren körperlichen Schäden, dass, wenn überhaupt, nur mehr einer davon wieder freigelassen werden kann. Greßmann: „Von dieser Gefahr sind aber auch viele andere Aasfresser betroffen. Leider werden die meisten verendeten Tiere, wenn überhaupt gefunden, nicht darauf untersucht.“

Grund zur Panik bestehe in Osttirol durch bleihaltige Munition aber nicht. „In Bezug auf das Lebensmittel Wildbret grundlos Panik zu verursachen, wäre fehl am Platz“, beruhigt Greßmann. Manche Jäger hätten bereits auf bleifreie Munition umgestellt, andere würden das Fleisch rund um den Schusskanal sehr großzügig entfernen. „Für viele Wildtiere kann eine Umstellung auf bleifreie Munition aber nicht schnell genug gehen.“

Daher ist man weiterhin bestrebt, die Osttiroler Jägerschaft zum Umdenken zu bewegen. „Es macht nur bedingt Sinn, wenn nur wir im Nationalpark bleifrei jagen, ein Bartgeier am Tag aber bis zu 600 Kilometer weit fliegt“, so der Wildbiologe.

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