„Der Nationalpark Hohe Tauern ist kein Marktplatz“

NP-Direktor Stotter hat für die Tauschpläne von Ruggenthaler und Steiner wenig übrig.

Einen Sturm der Entrüstung lösten die Pläne der Gemeinden Virgen und Prägraten aus, wonach sie für die Errichtung eines Druckstollens für das geplante Kraftwerk Obere Isel, einen Teil der Nationalparkgrenzen neu ziehen lassen wollen.

Dies ist laut Nationalparkgesetz durchaus möglich. Allerdings nur alle zehn Jahre, und die letzte Frist endete Ende Jänner 2013. Deshalb suchten beide Gemeinden um eine Fristverlängerung an, welche auch bis 31. Mai bewilligt wurde.

Nationalparkdirektor Hermann Stotter kann der Idee der beiden Iseltaler Bürgermeister nichts abgewinnen.

Um ihr Ziel zu erreichen bieten die Gemeinden dem Nationalpark Hohe Tauern 60 Hektar Kernzone im Prägratner Dabertal für 20 Hektar Außenzone im Virger Mullitztal an. Für Nationalparkdirektor Hermann Stotter eine Vorgehensweise, die ihn an einen Basar erinnere. „Der Nationalpark eignet sich nicht für etwaige Tauschhandel“, legt sich Stotter fest. Die Grenzen würden nur nach der Zielsetzung des Nationalparkgesetzes evaluiert werden. „Und zwar von der Rechtsabteilung der Abteilung Umweltschutz“, betont der Nationalparkdirektor des Tiroler Anteiles.

Auch bei den Osttiroler Grünen sorgen die Pläne von Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler aus Virgen und seinem Amtskollegen Anton Steiner aus Prägraten für Unverständnis. „Was nicht passt, wird hier offensichtlich passend gemacht“, ist Thomas Haidenberger, Bezirkssprecher der Osttiroler Grünen, entrüstet. Der geordnete Schutz der heimischen Naturjuwele dürfe nicht der Willkür einiger „Bauwütiger“ ausgeliefert werden, da ansonsten bald die Natur fehlen würde, die es zu schützen gelte.

Die Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler (l.) und Anton Steiner (r.) können die Aufregung nicht nachvollziehen. Foto: Expa/Groder

Ruggenthaler und Steiner können die Aufregung nicht nachvollziehen. „Unser Einreichprojekt liegt außerhalb des Nationalparks“, erklärt Ruggenthaler. Dem Antrag auf Verschiebung der Nationalparkgrenzen lägen rein technische Überlegungen zugrunde. „Man könnte dadurch den Stollen auf direkterem Weg bauen und damit einen Düker einsparen“, erklärt Steiner.

Notwendig sei die Grenzverschiebung nicht, weil das Kraftwerk auch mit Düker, also einer Unterführung eines Rohres, wirtschaftlich sei. Ob dem Antrag stattgegeben wird, habe folglich auch keine Auswirkungen auf den Projektverlauf.

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2 Postings bisher
iseline vor 5 Jahren

Gut, dass sich Hermann Stotter zu Wort meldet - endlich. Das wäre öfters angebracht, vor allem wenn die betroffenen Bürgermeister immer wieder öffentlich den Nationalpark "klein reden" , von dem sie Förderungen und Wertschöpfung beziehen. Es ist schon ein starkes Stück, weil damit auch die Arbeit der Tourisitiker, die mit der Marke Nationalpark werben, einfach abgewertet wird. Bei dieser Einstellung verwundert es nicht, dass man versucht, die Grenzziehung des NP einfach zu verändern, um ein Megawasserkraftwerk durchzubringen, indem die Gemeinden zurzeit gar nicht beteiligt sind und die Nachnominierung in ein Natura 2000 Gebiet ins Haus steht. Dass sich LR Pupp zum Handlanger dieser Interessen macht, reiht ihn in die Reihe der Naturschutzlandesräte (Anna Hosp, H. Geschwentner) vor denen sich die Natur fürchten muss.

Thomas Haidenberger vor 5 Jahren

Die vorgeschlagenen „Tauschgeschäfte“, sind bemerkenswert.

Dass Tunnelbauer erkennbaren Problemen lieber aus dem Weg gehen, ist nachvollziehbar. Die Südvariante und der damit notwendige Düker, der Unterquerung eines Hindernisses, (hier des tief eingeschnittenen Mullitztales) mit der Gefahr der Verstopfung durch Ablagerungen, war allerdings ein unumgängliches Zugeständnis an die „Volksmeinung“ vor der Befragung im Juni 2012. Die „von den Ingenieuren bevorzugte Nordvariante“ (Zitat aus einer Broschüre der INFRA vom Mai 2012) wäre damals aus der Sicht vieler BürgerInnen des Virgentales wegen einer Gefährdung der Wasserversorgung nicht zu argumentieren gewesen und hätte sicher auch das Ergebnis maßgeblich beeinflusst.

Also wurden andere Möglichkeiten gesucht, um das Hindernis zu umgehen, und man wurde auch fündig: Wenn der Stollen nach Süden verlegt werden könnte (was aber wegen der aktuellen Grenzen des Nationalparks nicht möglich ist) wäre das nach Südwesten ansteigende Mullitztal mit einem geringfügig längeren Stollen, aber ohne Düker, kein Hindernis mehr!

Für interessierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Düker#Vermeidung_von_Ablagerungen

Besonderer Dank der Projektwerber und „ihrer“ Bürgermeister wird vermutlich Naturschutzlandesrat Mag. Thomas Pupp zuteil werden. In seinem kämpferischen Einsatz für die Natur hat er, trotz Ablauf einer (seit Jahren!) bekannten Frist - unter Wahrung der Chancengleichheit für alle Tiroler Nationalparkgemeinden - eine großzügige Fristerstreckung gewährt. Vielleicht tauchen ja auch sonst noch irgendwo Projekte auf, die durch eine „Anpassung“ der Nationalparkgrenzen vereinfacht werden könnten?