Kölls Wahlkampfzuckerl: Natura 2000!

Gemeinsames Iselkraftwerk soll in Matrei für Einnahmen sorgen.

Mit einer Überraschung wartete Andreas Köll am Donnerstag, 25. April, beim Abschluss seiner Wahlkampagne für die Landtagswahl am 28. April auf. „Ich glaube nicht, dass wir unsere Blockadehaltung gegenüber Natura 2000 weiter aufrecherthalten sollen“, so Köll. „Es ist an der Zeit einen Konsens zu finden.“

Aus diesem Grund sollen die Bürgermeister des Talschaftsverbandes Iseltal, bestehend aus Prägraten, Virgen, Matrei, St. Jakob, St. Veit, Hopfgarten, Kals und St. Johann, gemeinsam mit ihren Amtskollegen aus Ainet, Schlaiten und Oberlienz eine Bestandsaufnahme rund um die Isel durchführen und aus den Ergebnissen konstruktive Vorschläge erarbeiten.

Danach sollen die Sachbearbeiter aus Brüssel eingeladen werden, um ihnen vor Ort den Entwurf für einen Konsens zu präsentieren. Köll: „Dabei geht es weniger um Kraftwerke, sondern mehr um die Frage, ob durch Natura 2000 Beeinträchtigungen bei der Ansiedelung von Betrieben, dem Bau von Sicherheitsmaßnahmen oder dem Anlegen eines befestigten Radweges zu erwarten sind.“

Andreas Köll will mit den Iseltaler Gemeinden einen Konsens für Natura 2000 finden.

Das plötzliche Umdenken habe auch nichts mit der anstehenden Wahl zu tun, sondern mehr mit der Sorge vor einer Entscheidung des EU-Gerichtshofs. „Bis das Urteil fertig ist, können sechs bis acht Jahre vergehen, und wer weiß, wie streng die Auflagen dann erst sind“, so Köll.

Völlig ungenutzt soll die Kraft der Isel aber trotzdem nicht durch Osttirol fließen. „Gemeinsam mit heimischen Investoren könnten wir, unter Beteiligung aller Osttiroler Gemeinden, im Bereich Matrei/Brühl – Huben, ein 3,9 Kilometer langes Iselprojekt realisieren, von dem nur ein kurzer Teil des Baches betroffen ist“, erklärt Köll. Ein Iselkraftwerk in Virgen sei im neben jenem in Matrei aber nicht ausgeschlossen, „im Gegenteil, die Obere Isel ist nahezu frei von Tamarisken“.

Da beim Projekt in Huben auf auswärtige Energieversorger verzichtet werden könnte, käme der erwirtschaftete Erlös allen Osttiroler Gemeinden zugute. Köll: „Sofern die EU-Behörde entscheidet, dass der Schutz der deutschen Tamariske dadurch nicht beeinträchtigt ist, wäre dies in jedem Fall sinnvoller, als jeden Bach anzupatzen.“

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11 Postings bisher
Marlies74 vor 5 Jahren

Hr. Köll hat ziemliche Angst ausgestochen und abgestempelt zu werden! Die ganzen letzten Jahre war er gegen das Projekt und nun, kurz vor der Wahl kommt plötzlich ein gaaaanz anderer Mensch zum Vorschein! Gute Nacht Herr Köll und Gute Nacht ÖVP!!!!

Thomas Haidenberger vor 5 Jahren

Hallo Wurzel!

"Meine" 160% sind nicht auf das Solarpotential Osttirols bezogen, sondern auf die schon vorhandene Stromproduktion aus Wasserkraft im Bezirk.

Der Hinweis auf den "Haken" ist trotzdem berechtigt. Der liegt wie so oft auf politischer Ebene: Leider muss man den Eindruck gewinnen, dass in Österreich "bewusst" gebremst wird bei der "Demokratisierung der Stromproduktion". Zuest gab es über Jahre nur winzige "Fördertöpfe" und eine mehr als fragwürdige Vergabepraxis bei Förderungen. Jetzt, wo die Produktionskosten für PV-Strom sehr nahe an den Marktpreis heranrücken und damit das Interesse und die Bereitschaft zum Investieren rasch wachsen, werden über Bauordnung, Leistungsbeschränkungen, Netzzugangskosten usw. wieder neue Hürden aufgestellt. Energiepolitik sollte nicht länger mit "Aufrechterhaltungspolitik" verwechselt werden.

wurzel vor 5 Jahren

@karli8: Das Leistungsvermögen von den erneuerbaren Energiequellen sollte man nicht unterschätzen, der umgang mit ihnen allerdings muss erst erlernt werden bzw. mit den schon vorhandenen Strukturen sinnvoll in Verbund gebracht werden. Sicherlich kein Ding der Unmöglichkeit, wenn wir es politisch nur wollen. (http://www.volker-quaschning.de/klima2000/Kapitel7.html) ...umgerechnet auf Osttirol würde es reichen, wenn nur die als günstig geltenden Dachflächen genutzt werden könnten. @Thomas Haidenberger: dANKe für deinen Beitrag! und die Relativierung :-)) Nur die Sache hat schon einen Haken; Lt. Tiroler Raumordnung darf ein privater Investor - Haushalt, Landwirt, Unternehmer - nur in etwa soviel Strom auf seinem Dach produzieren, wie er im Schnitt auch selber verbrauchen kann. Dafür muss der Nachweis erbracht, umgewidmet (falls dies überhaupt möglich ist) oder eben die Leistung reduziert werden. Die angesprochenen 160% sind für so relativ kleine, dezentrale, smarte Anlagenleistungen auf Gebäuden zwar möglich, aber nicht so ohne weiteres umsetzbar ;-))

Thomas Haidenberger vor 5 Jahren

Hallo Karli8!

Danke für Ihr Interesse!

Bei der Solarenergie (thermisch und photovoltaisch) geht es nicht um Almen, Wiesen oder Wälder, sondern um bestehende und zukünftige Gebäude. Dabei wird kein zusätzlicher Platz gebraucht. Den Strombedarf eines durchschnittlichen Gebäudes kann man - über´s Jahr gerechnet - leicht auf dem Dach oder an Fassade und Balkon aus Sonnenlicht erzeugen.

Wälder haben sowieso ein weit unterschätztes energetisches Potential. Schließlich steckt in knapp 12 kg trockenem Holz (etwa ein Bananenkarton voll) dieselbe Wärmemenge wie in einem 5-Liter Kanister Heizöl oder in 50 kWh Strom aus dem Netz - und das bei regionaler Wertschöpfung und weit geringeren Kosten für den Konsumenten. Link zu den Energiepreisen:

https://www.energie-tirol.at/fileadmin/static/sonstiges/Energiepreismonitor_Stand_Maerz_2013.pdf

Dass die Windkraft in Tirol nicht ganz "unproblematisch" gesehen wird, ist eine Tatsache. Aber im "Land der Gipfelkreuz" (© Günther Platter) wäre nach dem seit Jänner vorliegenden, von der Landesregierung aber unter Verschluss gehaltenen "Kriterienkatalog Windkraft" einiges möglich: An geeigneten Standorten (Naturschutzgebiete usw. sind da schon berücksichtigt!) könnten nach den Fachleuten beim Amt der Tiroler Landesregierung 5% des Tiroler Strombedarfs gedeckt werden. Die optische Komponente ist eine Geschmacksfrage. (Mir persönlich gefallen Windräder besser, als Hochspannungsmasten oder Seilbahnstützen)

Und eines sollte bei der ganzen Diskussion um die Nutzung der Wasserkraft in Osttirol auch nicht vergessen werden: In unserem Bezirk werden schon derzeit über 160% des regionalen Jahresbedarfs an elektrischem Strom erzeugt!

Für alle, die nachrechnen wollen, ein Zitat aus dem 2010 ergangenen negativen Wasserrechtsbescheid zu einem Kraftwerksprojekt am Debantbach:

"Die im gesamten Bezirk Lienz in den Jahren 2007 und 2008 nachgefragte elektrische Energie betrug ca. 330 GWh. Die Erzeugung aus Wasserkraft beträgt im Regeljahr etwa 540 GWh. Der Bezirk Lienz weist somit einen deutlichen Überhang aus Wasserkraftstromerzeugung gegenüber dem elektrischen Bedarf aus."

karli8 vor 5 Jahren

Also kann ich aus ihren Ausführungen herauslesen, dass sie zwar gegen ein Iselkraftwerk (aus finanziellen wie touristischen wie ökologischen Gründen) sind, aber für die Nutzung von Sonnenenergie eintreten, was bedeuten würde günstiggelegene (vermutlich südausgerichtete) Wiesen/Wälder/Almen mit einem Solarkraftwerk zu bebauen. Oder die Alternative Windenergie, wäre mal gespannt wie die Touristiker unseren Bezirk bewerben wenn ein Windpark errichtet wurde. Wäre gespannt was den Blick auf unser schönes Land mehr verdirbt.

Interesannt wäre mal ein Vergleich der Leistungsvermögen, quasi welche Fläche für ein entsprechende Solaranlage bzw die Anzahl/Größe der Windräder.

Thomas Haidenberger vor 5 Jahren

Gesinnungswandel, 3 Tage vor der Wahl? – Der wahre Grund: Die Rute im Fenster wird immer deutlicher sichtbar. Nachdem Österreich auf das EU-Pilotverfahren dem Vernehmen nach wenig diplomatisch reagiert und die EU-Kommission um Beibringung wissenschaftlicher Begründungen für die Notwendigkeit einer Nominierung von Natura 2000 – Gebieten ersucht hat (!), verdichten sich die Gerüchte, dass schneller als erwartet ein Mahnverfahren eingeleitet werden könnte.

LA Dr. Köll war jetzt mehr als ein Jahrzehnt federführend bei der Kampagne gegen Natura 2000 im Bezirk tätig. Alle möglichen und unmöglichen Gründe wurden ins Treffen geführt und mehr oder weniger Ängste geschürt: Die EU wolle einen Glassturz über unser Land stellen, mit Natura 2000 könnten links und rechts der Isel keine Betriebe angesiedelt werden, die Radwege dürften nicht mehr benutzt werden, die Grundbesitzer wären nicht mehr Herren über ihr eigenes Land …, alles Argumente, die in der Zwischenzeit entkräftet und ins Reich der Schauermärchen eingeordnet wurden. Es besteht kein Zweifel, dass die Reise der Osttiroler Bürgermeister im vergangenen Herbst genau dieselben „Ergebnisse“ erbracht hat, waren doch dieselben Kommissionsbeamten Ansprechpartner wie für die jüngst in Brüssel weilende Osttiroler Delegation. Nur: veröffentlicht wurde das damals nicht, dafür dann aber im Dezember von der EU „sinngemäß“ nachgeholt: Österreich sei seit mehr als 10 Jahren säumig bei der Nominierung von schutzwürdigen Gebieten, bei der es keinen Ermessensspielraum gebe, sondern rein wissenschaftlich und rechtskonform zu entscheiden sei.”

Dass dies in den Köpfen einer Reihe von Entscheidungsträgern noch immer nicht präsent ist, wird z.B. dadurch untermauert, dass Dr. Köll immer noch eine Teilstrecke (Brühl – Huben) der Isel aus dem Kernbereich des Tamariskenvorkommens zwischen Matrei und Lienz zur Ausleitungsstrecke machen will. Dabei wird vermutlich übersehen, dass die Tiroler Seilschaften zwar in große Höhen reichen, aber Brüssel doch noch „ein bisschen darüber“ liegt.

Ganz abgesehen davon wäre es an der Zeit, die neuen Gegebenheiten am europäischen Strommarkt zur Kenntnis zu nehmen. Dass sich diese noch nicht wirklich herumgesprochen haben ist wenig verwunderlich, haben sie doch sogar langgediente Spezialisten in den Führungsetagen von Stromgesellschaften überrascht: Über Jahrzehnte konstante Marktverhältnisse haben sich innerhalb einzelner Jahre gravierend verändert und darauf abgestimmte Geschäftsmodelle treiben den Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn: Große Pumpspeicherprojekte in der Schweiz (Grimsel III) und in Österreich (Limberg III) liegen auf Eis, sogar schon genehmigte Vorhaben wie das Salzachkraftwerk in Gries/Pzg. werden wegen wirtschaftlicher Unabwägbarkeiten in die Warteschleife geschickt.

Sonne und Wind liefern im Sommerhalbjahr beachtliche Anteile des Gesamtverbrauchs, was zu stark sinkenden Preisen an der für Österreich zuständigen Strombörse in Leipzig führt. Falls es interessiert: unter http://www.eex.com/de/Marktdaten kann jedermann jeden beliebigen Tag seit Oktober 2010 aufrufen und die Stundenpreise und Tagespreise vergleichen. Die Tendenz ist klar zu erkennen! Das Osttirol–relevante daran? Nur zwei Aspekte: Die klimatischen Gegebenheiten wären in vielen Orten des Bezirks für die Sonnennutzung ideal, die Ausbeute – inzwischen klar mit Messwerten dokumentiert – mindestens 20% über dem Österreich – Schnitt, was sich natürlich auch in den Amortisationszeiten positiv niederschlägt Die Osttiroler Gletscherflüsse würden genau zeitgleich mit den Solarkraftwerken ihr Produktionsmaximum liefern. Wer da als Stromproduzent keine eigene Möglichkeit hat, den Sommerstrom langfristig zu speichern, wird nicht reich werden, sondern einen „ökonomischen Bauchfleck“ landen.

Detektor vor 5 Jahren

Wieder eine Köll´sche Fata Morgana

Die Isel als nunmehrige Geldquelle erinnert frappant daran, wie A.Köll Anfang 2010 das Öl als große Hoffnung für Matrei entdeckte: Die Ölleitung sollte als sprudelnde Geldquelle angezapft werden. Weitere Anrainer-Gemeinden der TAL wurden für den „gemeinsamen Kampf gegen die Ölmultis“ hinter die Sturmfahne Kölls geholt, in anderen Bundesländern Verbündete gesucht, ein Landtagsantrag vorgelegt, ein Talschaftsvertrag versprochen ……

Unvergessen bleiben wird auch die berühmte Kulturreise nach China im Juli 2010. Deren Kosten und Kostenträger sind zwar bis heute der Öffentlichkeit verborgen geblieben, dafür aber brachte Köll grandiose Aussichten mit. Über das Schloss Weißenstein werde die EU mit dem Reich der Mitte in Verbindung treten: eine Diplomatenschule, ein Konfuzius-Institut und ein Zentrum für traditionelle chinesische Medizin würden eingerichtet; die Matreier sahen sich schon für die zuströmenden Gäste Chinesisch lernen ….

Seifenblasen haben es an sich, dass sie sehr kurzlebig sind.

neofexy vor 5 Jahren

Wahlzuckerln verteilen kann A.K. ja mindestens gleich gut wie Schulden machen. Nur leider wird nichts von dem eingehalten, was er vor der Wahl verspricht. Im Matreier Ortsteil Bichl beispielsweise kam diese Woche ein Schreiben, dass jetzt sofort die längst fällige Sanierung der Brücke erledigt wird. Tolles Versprechen, nur war es bei der letzten und vorletzten Wahl auch schon knapp vor der Wahl angekündigt worden, nur passiert ist immer noch nichts. Der Wähler lässt sich nicht mehr für dumm verkaufen. Es braucht neue Gesichter in der Osttiroler Volkspartei!

Anna Maria Kerber vor 5 Jahren

Nun wird es mit Natura 2000 wirklich ernst, wenn sogar Andreas Köll überlegt, die Blockadepolitik gegenüber diesem Schutzstatus aufzugeben. Die EU wird die Nachnominierung der Isel - laut gemeinsam beschlossenem Recht durchsetzen - und zwar ganz unabhängig vom Willen und dem „Konsens“ der Bürgermeister vor Ort. Diese Auskunft bekam der Umweltdachverband, der Alpenverein, vermutlich auch die Bürgermeisterdelegation (die sich nach ihrer Brüsselreise in großes Schweigen hüllte) und letzthin auch die Iselfrauen. Es wird auch kein EU Beamter aus Brüssel anreisen, um den Osttirolern zu sagen, dass sie auch weiterhin keine Betriebe an das Iselufer bauen dürfen und auch ein Radweg wird das „Schutzgut Tamariske“ nicht wirklich stören. Aber das weiß Dr. Köll, als Jurist, natürlich. Dass dann ausgerechnet neben dem Kraftwerk im Virgental ein weiteres in Matrei/Brühl – Huben möglich sein soll, wer wird das glauben? Also mit diesem Wahlzuckerl wird es wohl eher nichts. Zu fragen wäre allerdings, warum man bis jetzt – 10 Jahre lang – auf mögliche Förderungen über Natura 2000 verzichten konnte.

Su vor 5 Jahren

Da ist dem Herrn Köll ja doch noch ein Licht aufgegangen...

Dass davon besonders auch die Gemeinden entsprechend profitieren müssen, ist wohl mehr als notwendig!!!

Na dann: auf geht`s, anpacken!

RSMRB vor 5 Jahren

...und der Rattenfänger spielt sein Lied. Doch kennen die Ratten diese Masche nicht langsam?