Virgen und Prägraten zahlen für KW-Beteiligung

Je 50.000 Euro für Anteile an der Kraftwerksgesellschaft. 

Leiten sie künftig die Kraftwerksgesellschaft? INFRA-Geschäftsführer Wolfgang Widman und die Bürgermeister Anton Steiner (Prägraten) und Dietmar Ruggenthaler (Virgen). Foto: Brunner Images

In Virgen und Prägraten wird es in den nächsten Tagen in Sachen Isel-Kraftwerk ernst. Bislang hat die Zustimmung zu einem geplanten Großkraftwerk an der Oberen Isel nichts gekostet, doch jetzt fließt erstmals Geld, wenn die Gemeinderäte beider Iselgemeinden eine Beteiligung an der Wasserkraft Obere Isel GmbH zustimmen. Die Gesellschaft gehört derzeit zu 100% dem Projektentwickler INFRA und hat ein Stammkapital von 200.000 Euro. Die Gemeindeabteilung des Landes habe grünes Licht für den Einstieg „signalisiert“.

Der Virger Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler und der Prägratener Bürgermeister Anton Steiner sollen neben Wolfgang Widmann von der INFRA zu Geschäftsführern der Gesellschaft werden, in der die Gemeinden eine Sperrminorität erhalten sollen. Einen neuen Zeitplan gebe es für den Einstieg eines Energieversorgungsunternehmens, erklärt Ruggenthaler: „Derzeit sind die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen äußerst schwierig. Zuerst muss der Einstieg der Gemeinden geklärt sein. Danach verkaufen wir erst, wenn vernünftige Erlöse zu erzielen sind.“

Ausgesendet wurde die frohe Kunde aus der Sicht der Kraftwerksplaner über deren Innsbrucker PR-Agentur Wiko. Dolomitenstadt.at hat nachgefragt und erkundigte sich nach den Details des geplanten Beteiligungsmodells. Wiko-Chef Ulrich Müller übermittelte uns die Antworten:

Bedeutet das, dass Virgen und Prägraten je 50.000 Euro einlegen?
Ja, Prägraten und Virgen legen jeweils 50.000 Euro Stammkapital in die Wasserkraft Obere Isel GmbH ein, wenn die Gemeinderäte am Mittwoch dem Einstieg zustimmen.

Gesetzt den Fall, es wären für Vorarbeiten am KW eine Million Euro zu investieren, müssten die Hälfte-Eigentümer dann auch die Hälfte hinblättern?
In der jetzigen Phase trägt INFRA die Kosten für alle Vorarbeiten. Bis auf das Stammkapital entstehen den Gemeinden bis zur Genehmigung auch keine Kosten, das ist vertraglich vereinbart.

Wie hoch sind die bisher aufgelaufenen Kosten?
Die Kosten bis zur Genehmigung belaufen sich auf 7,2 Millionen Euro.

Was wurde aus der ursprünglich angedachten Optionenlösung? 
Die Gemeinden haben bis dato eine notariell hinterlegte Option auf 50 Prozent gehalten. Da die Gemeindeaufsichtsbehörde mit dem Vertragsentwurf jetzt einverstanden ist, haben die Gemeinden wie geplant die Option gezogen und beteiligen sich an der GmbH.

Ein Viertel von 147 Mio Euro ist 37,75 Mio Euro. Als 25%-Eigentümer am Ende des Tages wär das somit der Kostenanteil, den Virgen und Prägraten übernehmen müssten. Korrekt?
Es wurde vereinbart, dass den Gemeinden außer dem anteiligen Stammkapital keine Kosten entstehen, wenn das Kraftwerk nicht genehmigt wird. Die Ausfallshaftung bis zur Genehmigung trägt INFRA. Um die Investitionssumme bei positiver Genehmigung aufzubringen, verkaufen die Gemeinden Anteile an einen oder mehrere Energieversorger. Zusätzlich zahlen die EVU-Partner für die regionale Akzeptanz des Kraftwerks. Der Rest wird über Darlehen finanziert.

Werden die Geschäftsführer für diese Tätigkeit bezahlt?
Nein, die Geschäftsführer werden nicht bezahlt.

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4 Postings bisher
wolf_c vor 5 Jahren

Die V e r s p r e c h u n g e n des 'Virgentaler Weges' als Grundlage der Gemeindevolksabstimmung sind vielfältig :

.... wer würde nicht mit ja gestimmt haben zu -Sanierungsmaßnahmen für private Haushalte-, kWh werden in € umgeformt und landen auf dem privaten Konto, darf ich mir diese Chance entgehen lassen?, dass ist doch wie ein Lottogewinn!

... oder wer wäre schon gegen -Investitionen in touristische Infrastruktur- gewesen?(der Bach zählt da scheinbar nicht dazu) ...

... oder gegen -Energiesparprogramme-?, ein klitzekleiner Widerspruch meiner Meinung nach, wozu 'Energie' sparen und gleichzeitig ein neues Kraftwerk bauen??? handelt sich wohl eher um einen Marketinggag ...

... oder welcher vernünftige Gemeindebürger wehrt sich schon gegen Forschung bzw. Projekte wie -Schutzwald- und -Virgener Feldflur-, es sind doch die meisten stolz auf das wunderschöne Tal!

... und schlussendlich nimmt das Werk auch noch etwaige Zukunftsängste hinweg, verspricht der Virgentaler Weg doch -Investitionen in Daseinsvorsorge-, dies klingt gleich lebenslänglicher Pension, bravo, die Grundsicherung für alle ist nicht mehr weit ...

... ob dies der arme kleine Fluß alles derpackt? vor allem weil ja doch Kredite im Spiel sein werden. und da bleibt beim Zurückzahlen wahrscheinlich nicht so viel über, daß... siehe 'Virgentaler Weg' ...;

karli8 vor 5 Jahren

Also nach dem es ja positive Bürgerbefragungen in beiden Gemeinden gegeben hat ist es ja nicht ein reines Bürgermeisteranliegen, immerhin entscheidet eigentlich in einem demokratischen Prozess die Mehrheit. Und wieviel die "Naturisel" zum Virger Tourismus beiträgt, naja das wird alles ziemlich hochgespielt. Wenn man betrachet in welchem Bereich sort die Isel überhaupt touristisch genutzt bzw. nutzbar ist bezweifel ich das jetzt frei mal.

Und das Zitat des Bürgermeisters würd ich eher als gesunde Einschätzung der Lage sehen und im Verhältnis sind die derzeigen Kosten für die Gemeinden sehr gering sollte der von dir herbeigesehnte Effekt nicht eintreten (dh. UVP doch bekommen).

G_J_Hahne vor 5 Jahren

Stell Dir vor Virgen und Prägraten zahlen nicht für eine KW-Beteiligung, sie sparen 50.000€ auch dann, wenn das Kraftwerk die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht besteht! Heute Abend haben es die Gemeinderäte in den Händen, die Pläne ihrer Bürgermeister, eine KW-Beteiligung zu bewerkstelligen, ganz einfach scheitern zu lassen. Bei der Stimmabgabe im Gemeinderat muss einfach gegen eine Beteiligung der Gemeinden gestimmt werden. Man muss sich nur vor Augen führen, welch Unfrieden durch die Kraftwerksidee ins Tal gekehrt ist, bis in die Familien, z.B. Bäckermeister Senior gegen Bäckermeister Junior! Die Zerstörung eines Naturjuwels, die mit dem Kraftwerksbau einhergehen würde, kann nicht kompensiert werden durch riskante finanzielle Bürgermeisterträume und Unternehmergewinne nach außerhalb des Virgentales. Die (Natur) Isel ist für den Virgentaler Tourismus unverzichtbar, ein Kraftwerksbau wäre eine nicht zu unterschätzende touristische Selbstzerstörung.

Mit wie viel Skepsis die BM ihr Projekt sehen, sagt folgende Aussage „Derzeit sind die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen äußerst schwierig. Zuerst muss der Einstieg der Gemeinden geklärt sein. Danach verkaufen wir erst, wenn vernünftige Erlöse zu erzielen sind.“

Was hält die BM noch an ihren Träumen fest? Diese Skepsis könnte man mit einem Nein durch die Gemeinderäte bei der Abstimmung weiter befördern!

Als Urlaubsgast setze ich auf die Vernunft der Gemeinderäte!

spitzeFeder vor 5 Jahren

Super, da sind schnell einmal 50tausend zur Hand. Für "Kleinigkeiten" - hier 5hundert, dort 7hundert -ist kein Geld vorhanden. Weder in der einen, noch in der anderen Gemeinde. Irgendetwas stimmt da nicht, meint

spitzeFeder