WWF an Felipe: Natura 2000 ist ausdiskutiert

Die grüne Landesrätin will keine „Huschpfusch“-Nominierung.

Astrid Rössler, Ingrid Felipe und Rolf Holub sind für den Umweltschutz in Salzburg, Tirol und Kärnten zuständig – und damit auch für Natura 2000. Foto: Landesmedienzentrum Salzburg
Astrid Rössler, Ingrid Felipe und Rolf Holub sind für den Umweltschutz in Salzburg, Tirol und Kärnten zuständig – und damit auch für Natura 2000. Foto: Landesmedienzentrum Salzburg

Der WWF kritisiert den Standpunkt der Tiroler Umweltlandesrätin Ingrid Felipe, die in einer Aussendung an die Medien von einer „raschen Erarbeitung zusätzlicher Studien“ in Sachen Natura 2000 spricht und sich gegen „Huschpfusch“ im Nachnominierungsprozedere wendet. Hintergrund ist ein Mahnschreiben der Kommission vom 30. Mai dieses Jahres. Darin wird unter anderem die Nachnominierung der Isel als Natura 2000 Gebiet eingefordert.

Felipe traf sich diese Woche mit ihrer Salzburger Amtskollegin Astrid Rössler, ebenfalls Grünpolitikerin, und dem Kärntner Umweltlandesrat Rolf Holub. „Wir sind einen großen Schritt weiter als noch vor dem Sommer“, resümiert sie nach diesem Treffen, relativiert aber gleichzeitig den Status der wissenschaftlichen Absicherung von Natura 2000 Zonen: „Ich will, dass unsere Gutachten unumstritten sind und stehe für einen konstruktiven, sachlichen Zugang.“

Dem WWF stößt das auch deshalb sauer auf, weil einige Osttiroler Bürgermeister derzeit eine eigene Natura-2000-Studie aus der Schublade holen wollen und sich offen gegen die bisher vorgelegten wissenschaftlichen Erkenntnisse wenden. Es geht letztlich darum, ob Natura 2000 von regionalen oder übergeordneten Instanzen definiert und vorgegeben wird. Für die Umweltorganisation ist dieses Thema zumindest an der Isel gegessen: „Die Fakten liegen längst auf dem Tisch“, stellt Gebhard Tschavoll vom WWF klar. „Das Natura 2000-Gebiet muss fachlich korrekt ausgewiesen werden. Wir haben entlang der gesamten Isel und ihren Zubringern Bestände der Deutschen Tamariske gefunden.“

Die Abgrenzung eines Schutzgebietes für die Tamariske müsse das gesamte Flusssystem umfassen, da diese Pflanzenart sehr sensibel auf Veränderungen im Wasser- und Geschiebehaushalt reagiert. „Es sind keine weiteren kostspieligen Gutachten mehr nötig, um die Schutzwürdigkeit der Isel zu beweisen und eine korrekte Natura-2000-Ausweisung vorzunehmen“, so Tschavoll.

Bereits im Mai 2013 haben unter der Federführung von Professor Georg Grabherr 31 Wissenschaftler aus Österreich und Deutschland einen entsprechenden Abgrenzungsvorschlag an die Tiroler Landesregierung übersandt. Der WWF appelliert daher an die Naturschutzlandesrätin, die Ausweisung ausschließlich dieser gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu stützen und nicht zuzulassen, dass Natura 2000 von Privatinteressen beeinträchtigt wird.

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2 Postings bisher
bergfex vor 4 Jahren

Die grüne Landesrätin will keine “Huschpfusch”-Nominierung.....

Das müsst ihr alle verstehen, nun sind die Grünen in der Landesregierung. Nun weht ein anderer Wind aus der Richtung der ÖVP-Bürgermeister und des Bundesrates. Nun heißt es Hand in die Höhe und Pappn haltn.

iseline vor 4 Jahren

Nachdem die Geschichte der Nominierung der Isel bereits in das 13(!) Jahr geht, kann von einer Husch-Pfusch-Nominierung keine Rede sein und Gutachten dazu gibt es ausreichend. Umso unverständlicher ist deshalb die Haltung der grünen Umweltlandesrätin, die sich nicht klar zur Isel bekennt. Weder sie noch die zwei Bgm. Ruggenthaler und Köll (wo bleibt eigentlich Bgm. Steiner?) nehmen die Ansage der EU-Kommission ernst, die die Isel als "klaren Fall" sieht und für eine Klage auf dem Rechtsweg bestens gerüstet ist. Sollte das Bgm. Gutachten, aus öffentlichen Mitteln bezahlt, doch bald veröffentlicht werden - vielleicht muss eine der PR-Agenturen noch an der Präsentation arbeiten - braucht niemand gespannt sein. Denn etwas anderes als die Untermauerung der Interessen der Kraftwerksbefürworter, die Isel nur in wenigen Bereichen zu schützen - wird nicht drinnen stehen. Da hat Bgm. E. Blanik doch mehr Weitblick und bekennt sich zu einer freien Isel. Wenn das eindlich einmal geklärt wäre, könnte konstruktiv an einer sanften Wertschöpfung durch die Isel, mit ihrem europaweiten Alleinstellungsmerkmal, gearbeitet werden.