Neues Lernen im „Klassenzimmer der Zukunft“

Mit Smartphone und Tablet interaktiv und gerne Wissen erwerben.

„Leg endlich das Handy weg!“, „Lerne erst Mathematik, dann darfst du mit dem iPad spielen!“ – Man kennt das. Die digitalen Werkzeuge des Internet-Zeitalters werden von Kindern und Jugendlichen genutzt und geliebt, von Eltern und Lehrern bislang aber eher als Verhinderer schulischer Leistungen betrachtet und nicht unbedingt als ernstzunehmender Lernbehelf. Dabei sind vor allem Tablets wie das iPad von Apple und seine Gegenstücke mit Android-Betriebssystemen und Windows-Surface wahre Zaubertafeln einer digitalen Wunderwelt, die Schülern sehr viel Wissenswertes bringt, aufbereitet in einer Form, die sie kennen und lieben.

Erich Pitterl fungiert auch als "E-Buddy" für Lehrerkollegen. Fotos: Gerhard Pirkner
Erich Pitterl fungiert auch als „E-Buddy“ für Lehrerkollegen. Fotos: Gerhard Pirkner

Der österreichweite Schulversuch „Klassenzimmer der Zukunft“ soll dieses Potenzial erschließen und kanalisieren. In Tirol sind sechs Schulen dabei, darunter mit dem Gymnasium Lienz und der Neuen Mittelschule Nußdorf-Debant auch zwei Schulen aus dem Bezirk Osttirol. Am 14. November lud der Debanter Schuldirektor Thomas Greuter zu einer Live-Präsentation, bei der Erstklassler seiner Schule nach kurzer Anleitung durch Trainer Paul Kral bewiesen, wie intuitiv und lustvoll das Lernen auf iPad & Co. sein kann.

Da entstanden selbstgemachte Bücher vor den Augen staunender Eltern und Journalisten, Texte wurden verfasst, Bilder gezeigt und Videos gedreht, alles flink und intuitiv, mit sichtbarem Spaß umgesetzt von den Kids unserer Tage, die Bewegungen wie „Swipen“ und Pinchen“ aus dem Handgelenk beherrschen. Gebrauchsanweisung? Überflüssig.

Erich Pitterl, der an der NMS Nußdorf-Debant Musik unterrichtet und federführend an der Umsetzung digitaler Unterrichtseinheiten beteiligt ist, spricht bereits aus Erfahrung: „Die Kinder fürchten sich nicht vor der Technik und haben in zehn Minuten das gelernt, wofür wir Lehrer eine Stunde brauchen.“ Dort wo die Schule bereits auf E-Learning setzt, etwa beim Cyber-Homework in Englisch, sind die Erfahrungen sehr positiv. Direktor Greuter: „Es gibt da nie das Problem, dass jemand die Hausübung nicht macht.“

71 SchülerInnen der insgesamt 257 SchülerInnen der NMS sind in das Projekt integriert, elf der 36 Lehrer arbeiten aktiv daran mit. Lehrer mit Know-how wie Pitterl fungieren als „E-Buddy“ für Kollegen, die Unterstützung brauchen. Man ist auch mit den anderen Schulen im Pilotprojekt vernetzt, das bis 2018 laufen soll.

Die Kinder müssen für die Teilnahme am „Klassenzimmer der Zukunft“ keine Geräte mitbringen. Smartphones haben ohnehin fast alle, man „schaut zusammen“ und fünf Tablets hat die Schule angeschafft, finanziert vom Schulsprengel. Verbandsobmann Andreas Pfurner, zugleich Bürgermeister der Talbodengemeinde Nußdorf-Debant, verweist auf die Herausforderungen, die auch auf die Schulerhalter zukommen: „Wir investieren bis zum kommenden Jahr 50.000 Euro für die EDV-Aufrüstung der Klassen.“

Für Erich Pitterl und die SchülerInnen der ehemaligen Hauptschule die sich jetzt NMS nennt, brechen in jedem Fall spannende Zeiten an: „Noch sind wir steinzeitlich unterwegs“, meint der engagierte Lehrer, „wir müssen die Technologien der realen Welt in die Schule hereinholen und den Kindern nicht über Verbote sondern über Motivation denn sinnvollen Umgang damit beibringen.“

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