Osttirol: Kein „Ziegendrama“ im Hochgebirge?

Jäger haben Futter ausgelegt und wollen die Tiere ins Tal locken.

Ziegen in Schnee und Eis. Für Bergretter und Rettungshubschrauber wäre eine Tierbergung in dieser exponierten Lage gefährlich. Fotos: Vier Pfoten
Ziegen in Schnee und Eis. Für Bergretter und Rettungshubschrauber wäre eine Tierbergung in dieser exponierten Lage gefährlich. Fotos: Vier Pfoten

Mitte der Woche wurden auf rund 1800 Metern Seehöhe im unwegsamen Gelände der Bretterwand in den Hohen Tauern in Matrei in Osttirol neun Ziegen und ein Schaf entdeckt. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ schlug daraufhin Alarm. Polizei, Amtstierarzt und Bergretter machten sich ein Bild von der Lage, unterschiedliche Rettungsmaßnahmen wurden andiskutiert, auch eine Hubschrauberbergung der Tiere. Allerdings hätten die Vierbeiner dafür zunächst betäubt werden müssen, ein schwieriges und gefährliches Unterfangen für alle Beteiligten. Jetzt gibt die zuständige Behörde offiziell Entwarnung.

„Um ihre Versorgung zu gewährleisten, haben der Tierbesitzer und der Jagdleiter in unmittelbarer Nähe der Tiere Futter ausgelegt“, berichtet die Osttiroler Bezirkshauptfrau Olga Reisner. Damit will man die Tiere aus dem Bereich der Bretterwand in den darunter liegenden Wald locken.

Osttiroler Ziegen sind durchaus hochgebirgs- und wintertauglich. Sie könnten – einigermaßen gute Witterung vorausgesetzt – auch selbst den Weg nach unten finden. Foto: Expa/Groder
Osttiroler Ziegen sind durchaus hochgebirgs- und wintertauglich. Sie könnten – einigermaßen gute Witterung vorausgesetzt – auch selbst den Weg nach unten finden. Foto: Expa/Groder

Zu dieser Maßnahme haben sich die Fachleute nach eingehenden Beratungen entschieden. Von einem „Tierdrama am Berg“ will der Osttiroler Amtstierarzt Vinzenz Guggenberger nicht sprechen: „Die Tiere haben derzeit Wasser in Form von Schnee und ausreichend Futter. Damit ist die Grundversorgung sichergestellt.“  Die Tiere hätten am derzeitigen Standort an schneefreien Stellen Zugang zu Futter. „Wenn sich das Wetter stabilisiert, und sich die Schneedecke festigt, können die Tiere den Bereich Bretterwand selbständig in Richtung des darunter liegenden Waldes verlassen“, so die Einschätzung des Amtstierarztes.

Von einer Hubschrauberbergung der Tiere habe man Abstand genommen, da die Tiere durch den Fluglärm in steileres und lawinengefährlicheres Gebiet flüchten könnten. Eine Bergung auf dem Landweg sei am momentanen Standort der Tiere ebenfalls nicht möglich. Sie wäre laut fachlicher Expertise der Bergrettung und der Alpinpolizei für die Menschen zu gefährlich. „Wir werden die Situation weiter beobachten und die notwendigen Maßnahmen treffen“, so Bezirkshauptfrau Olga Reisner.

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