Schloss Bruck: Vom „letzten Aufgebot“ zum „Totentanz“

Ab 15. Juni ist die Ausstellung „Totentanz: Egger Lienz und der Krieg“ zu sehen.

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Franz von Defregger „Das letzte Aufgebot“, 1874. Leihgeber: Belvedere, Wien. Foto: Belvedere

Fünfzehn Mal malte Albin Egger zwischen 1906 und 1921 den „Totentanz“, sechs dieser Bilder gelten als eigenständige „Fassungen“ – sie lassen sich farblich und formal wesentlich untereinander differenzieren. Fünf dieser Exemplare sind ab Sonntag, 15. Juni, auf Schloss Bruck zu sehen, und noch mehr: Im Rahmen der Ausstellung „Totentanz: Egger Lienz und der Krieg“ werden neben den Werken Eggers auch die des Malers Franz von Defregger gezeigt.

„Wir sind davon überzeugt, dass dieses Ausstellungsprojekt im Reigen der zahlreichen Weltkriegsausstellungen in Europa einen ganz besonderen Stellenwert einnehmen wird“, erklärt Museumsleiterin Silvia Ebner in einer Pressekonferenz in der Liebburg. Wesentlich beigetragen zur Entstehung der Ausstellung hat Helena Pereña, die als „Curator in Residence“ am Wiener Belvedere tätig war. Denn bevor die Bilder ab 15. Juni in Lienz zu sehen sind, werden sie vom 7. März bis 9. Juni mit einem fast identischen Repertoire in der Orangerie des Unteren Belvedere in Wien präsentiert.

Um Eggers malerische Entwicklung, seine Auseinandersetzung mit dem Krieg, aber auch die widersprüchliche Rezeptionsgeschichte seines Totentanzes nachzuzeichnen, werden neben den Bildern Studien und Teilwiederholungen einzelner Figuren oder Figurenpaare nebeneinander gezeigt. Besonders stolz sind die Verantwortlichen dabei auf die Leihgabe von Rupert Heinrich Staller, der den „Totentanz 1809. Fünfte Fassung 1921“ zum letzten Mal für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung stellt.

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Albin Egger-Lienz „Totentanz 1809, Fünfte Fassung“, 1921. Leihgeber: Privat. Foto: Museum Schloss Bruck

„Das Bild gehörte jahrelang zum Kernbestand des Osttiroler Heimatmuseum Schloss Bruck und kann aufgrund der damals vorbildhaften Restitution durch den Lienzer Gemeinderat den problematischen Verlauf der Egger-Lienz-Rezeption bis heute am besten verdeutlichen. Daher möge es auch so etwas wie ein Sinnbild für Wiedergutmachung sein, für selbige es niemals zu spät sein darf“, schrieb Staller in Bezug auf seine Leihgabe.

Gezeigt wird der Totentanz in den Fassungen „von Anno Neun“, „1809. Zweite Fassung“, „Dritte Fassung“, „Wiederholung der vierten Fassung“ und „1809. Fünfte Fassung“. Wie sehr sich die einzelnen Werke voneinander unterscheiden, kann sich jeder bis Sonntag, 26. Oktober überzeugen. Wer es nicht zur Ausstellung schafft, hat die Chance, alle Werke in einem 250-seitigen Katalog zu begutachten, der pünktlich zur Ausstellung in deutsch und englisch erscheint.

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Albin Egger-Lienz „Kriegsfrauen“, 1918 – 1922. Museum Schloss Bruck. Foto: Stanger

Parallel zum „‚Totentanz“ wartet das Schloss Bruck im Sommer 2014 mit weiteren Ausstellungen auf: So wird das „Dolomitendomino“ neu aufgerollt und zeigt Proponenten der zeitgenössischen Kunstszene diesmal aus einem weiblichen Blickwinkel. „Schlaglicht“ gibt Einsicht in Fotografien der letzten 150 Jahre, „Schlossgeschichten“ offenbart einen kleinen Einblick in die Historie der Räumlichkeiten und „Geschöpfe der Nacht“ befasst sich mit den aktuellen Untermietern der Gemäuer – den Fledermäusen. Alle Museumsbesucher, denen ein einmaliger Besuch nicht ausreicht um alles zu sehen, haben in diesem Jahr die Möglichkeit, sich eine Schloss Bruck Saisonkarte, zum Preis von 12,50 Euro zu sichern, mit der die laufenden Ausstellungen so oft wie gewollt besucht werden können.

So auch Leo Ganzers Ausstellung „Natur und Abstraktion – Eine Symbiose“, zu der Bürgermeisterin Elisabeth Blanik eine besondere Bitte äußerte: Zur Vervollständigung des Werkkatalogs sind alle Privatbesitzer eines Ganzer Bildes aufgerufen, sich bei Museumsleiterin Silvia Ebner zu melden. Die Anonymität der Besitzer wird dabei zugesichert.

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