Ausstellung „Drehmoment“ in der RLB Lienz

Der Künstler Bernd Oppl setzt sich mit Fragen der räumlichen Wahrnehmung auseinander.

Kennzeichnend für die künstlerische Herangehensweise von Bernd Oppl ist seine Auseinandersetzung mit Architektur und dem Medium Film. Wie Räume auf uns wirken, welche Emotionen oder Assoziationen sie auslösen, spielen dabei eine besondere Rolle. Neben Videoskulpturen und Fotografien arbeitet Oppl mit technisch aufwendigen Raummodellen, die nicht nur optische Täuschungen sichtbar machen, sondern auch Apparate aus der Vorläuferzeit des Kinos aufgreifen. Am Freitag, 21. März, eröffnet im Raiffeisen Landesbank-Atelier in Lienz um 19 Uhr die Ausstellung „Drehmoment“, in der sich Oppl anhand von Fotografien und beweglichen Raummodellen den Fragen der räumlichen Wahrnehmung widmet.

Anhand von Fotografien und beweglichen Raummodellen setzt sich Künstler Bernd Oppl mit Fragen der räumlichen Wahrnehmung auseinander. Fotos: RLB Atelier
Anhand von Fotografien und beweglichen Raummodellen setzt sich Künstler Bernd Oppl mit Fragen der räumlichen Wahrnehmung auseinander. Fotos: RLB Atelier

„Ich interessiere mich für Wahrnehmungsverschiebungen und irritierende Seherfahrungen, wie sie durch Film oder Fotografie erzeugt werden können. Diese Medien haben unsere Wahrnehmung stark geprägt und unseren Bezug zur Realität verändert. Innere Erfahrungen, äußere Eindrücke, Wünsche und Ängste mischen sich in unserer Wahrnehmung mit dem, was real ist. Das Einzige, das unverfälscht scheint, ist der uns umgebende Raum. Mich interessiert, diesen Raum in etwas Instabiles zu verwandeln und unsere gewohnheitsmäßige Raumerfahrung zu verunsichern“, erklärt Bernd Oppl das Konzept. In diesem Sinne verweist die in der Ausstellung präsentierte Arbeit „Korridor“ aus dem Jahr 2009 auf den Horrorfilm „Shining“ von Stanley Kubrick und greift die unendlichen Gänge des abgelegenen Berghotels als Synonym des Unheimlichen auf. Auch in der Videoskulptur „Passage“ geht es um einen Gang, der durch das Spiel mit Größenverhältnissen unendlich erscheint und ein beklemmendes Gefühl hervorruft.

Mit seinem Objekt „Praxinoskop“ hingegen greift Oppl das von Émile Reynaud um 1877 entwickelte Vorläuferverfahren des Films auf, bei dem mittels einer Spiegelanordnung die Dunkelpausen zwischen den Bildern ausgeschaltet werden, und verbindet dies mit einer Auseinandersetzung mit den Rhythmusfilmen des deutschen Dadaisten Hans Richter. Das Praxinoskop ist eine Art Trommel mit Abbildungen, bei deren Drehung der Eindruck eines bewegten Bildes entsteht. In Oppls Version ist eine abstrakte Animation zu sehen, in der sich eine weiße Fläche in einer schwarzen auflöst und so eine Illusion von Räumlichkeit erzeugt.

Neben Raummodellen zeigt die Ausstellung "Drehmoment" eine Fotoserie, in der eine Stadtskyline aus Wachs dahinschmilzt, sowie eine Reihe von analogen Architekturcollagen.
Neben Raummodellen zeigt die Ausstellung „Drehmoment“ eine Fotoserie, in der eine Stadtskyline aus Wachs dahinschmilzt, sowie eine Reihe von analogen Architekturcollagen.

Neben den Raummodellen zeigt die Ausstellung die eigens für das Projekt entstandene, digitale Fotoserie „Shrinking City“, in der eine Stadtskyline aus Wachs dahinschmilzt, sowie eine Reihe von analogen Architekturcollagen, die Oppl als subjektive Architekturporträts sieht.

Bernd Oppl wurde 1980 in Innsbruck geboren und lebt in Wien. Er hat Malerei und Grafik an der Kunstuniversität Linz sowie Video und Videoinstallation an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert. 2008 erhielt er den Förderpreis für zeitgenössische Kunst des Landes Tirol und 2012 einen der Förderpreise des RLB Kunstpreises. 2014 war Oppl bereits mit Ausstellungen im französischen Maubeuge sowie in Den Haag, in Amsterdam und in Istanbul vertreten. Zu sehen ist „Drehmoment“ in der Raiffeisen Landesbank in Lienz ab Montag, 24. März, immer Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 8.00 Uhr bis 12.15 Uhr und von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Donnerstags ist die Ausstellung von 8.00 Uhr bis 12.15 Uhr und von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet.

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