Eugen Freund machte Halt in Lienz

SPÖ-Politiker: „Mit Kreiskys Politik könnte man heute nicht mehr reüssieren.“

Eugen Freund ist will sich im EU-Parlament für junge Menschen ohne Arbeit einsetzen. Fotos: Dolomitenstadt/Egger
Eugen Freund ist will sich im EU-Parlament für junge Menschen ohne Arbeit einsetzen. Fotos: Dolomitenstadt/Egger

„Wer ist der schöne Mann da?“, fragte sich der Neo-Politiker Eugen Freund beim Pressefrühstück am Samstag, 12. April, im alten Lienzer Rathaus – sein Blick richtete sich dabei auf den SPÖ-Flyer, wo ein großes Freund-Portrait abgebildet war. Neben der Lienzer SPÖ-Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und dem Leisacher Bürgermeister Dietmar Zant, verzichtete der Ex-Moderator der ZIB dann aber auf Heiterkeit, sobald es um das eigentliche Thema, die Probleme der Europäischen Union ging.

Zu denken macht Freund vor allem die hohe Arbeitslosigkeit. „Wir können nicht sagen, jetzt retten wir die Banken und für die Jugendarbeitslosigkeit haben wir kein Geld mehr – ich denke oft daran, wie dreckig es den jungen Menschen gehen muss, die schon jahrelang arbeitslos sind und schon hunderte Bewerbungen geschrieben haben“, erklärte der SPÖ-Politiker und sorgt sich um den Status der Europäischen Union: „Wir sind Vorbild im Sozial- und Umweltbereich, die Union läuft Gefahr dieses Image zu verlieren.“ Freund forderte in diesem Zusammenhang auch die Einführung der Transaktionssteuer und erläuterte das Kernproblem der EU aus seiner Sicht: „Wir haben eine Übermacht der Konservativen in allen Institutionen.“

Listenführer der SPÖ bei der EU-Wahl am 25. Mai, Eugen Freund hob gemeinsam mit der Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und dem Leisacher Bürgermeister Dietmar Zant die Vorteile der Europäischen Union hervor.
Der SPÖ-Listenführer bei der EU-Wahl am 25. Mai, Eugen Freund hob gemeinsam mit der Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und dem Leisacher Bürgermeister Dietmar Zant die Vorteile der Europäischen Union hervor.

Zum derzeit wohl heißesten Thema auf nationaler Ebene, der HYPO Alpe Adria, verkündete Freund die Parteilinie: „Die Nachbarn da drüben, Landeshauptmann Jörg Haider und seine Parteifreunde, haben das Feuer entfacht – die Regierung spielte bloß Feuerwehr.“ Auf die Frage von Dolomitenstadt, wie lang die Regierung den von einer in der Bevölkerung großen Mehrheit geforderten U-Ausschuss noch verhindere, bat der Listenführer der Sozialdemokraten bei der EU-Wahl um Geduld: „Es muss alles nach der Reihe passieren – sobald die Minderheitenrechte kommen, liegt es in der Hand der Opposition“, so Freund und nannte in diesem Zusammenhang auch einen Zeitrahmen: „Ich rechne, das wird bis zum Sommer des heurigen Jahres der Fall sein.“

"Mit Kreiskys Politik könnte man heute nicht mehr reüssieren", so Eugen Freund.
„Mit Kreiskys Politik könnte man heute nicht mehr reüssieren“, so Eugen Freund.

Als Ziel für die EU-Wahl Ende Mai nannte der ehemalige Journalist Rang eins, will aber vor allem, „dass sich mehr Menschen für Europa interessieren“, denn „rund 80 Prozent unserer Gesetze kommen aus Brüssel“. In diesem Zusammenhang wies Freund auf die Vorteile der EU hin: „Wir müssen kein Herzklopfen mehr haben, wenn wir über die Grenze fahren.“ Auch Blanik schlug in die selbe Kerbe: „Unser Bezirk ist durch die EU-Förderungen sehr gepusht worden.“ Auf Nachfrage von Dolomitenstadt, wie sehr sich die Sozialdemokratie in Europa verändert hat, machte Freund auf die Wichtigkeit „historischer Figuren“, wie Willy Brandt, Olof Palme oder Bruno Kreisky aufmerksam, „durch die veränderte Gesamtlandschaft, und vor allem Medienlandschaft, die um einiges schneller geworden ist, hat sich auch in der Politik vieles verändert und mit Kreiskys Politik könnte man heute nicht mehr reüssieren.“

Nach dem Pressefrühstück ging es für Freund mit seinen zwei „roten“ BürgermeisterInnen Blanik und Zant in die Lienzer Innenstadt – dort diskutierten sie mit Passanten über die Union und verteilten rote Ostereier und andere Giveaways. Davor stellten wir ihm noch einige Fragen zum Bezirk Lienz:

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