RGO weiterhin auf Expansionskurs in Lienz

Bauerngenossenschaft mit starker Bilanz 2013 und großen Plänen.

Jahr für Jahr das gleiche Bild. Wenn RGO-Obmann Franz Ganeider die Gäste im Saal der LLA nach herkömmlichem Modus begrüßt – allen voran „unsere Landtagsabgeordneten Hermann Kuenz, Martin Mayerl und Sepp Schett“ – dann wird nicht nur durch diese politische Abgeordneten-Phalanx klar, wo in Osttirols Agrarkommune der wirtschaftliche Hammer hängt.

Mehr als 1500 bäuerliche Betriebe sind in der RGO organisiert, oder besser: besitzen die Genossenschaft, wie immer wieder betont wird: „Ihr seid die Eigentümer“ ruft Ganeider in den Saal, nachdem eine makellose Bilanz an die Wand gebeamt wurde, mit rund 53 Mio Gesamtumsatz und einer Million Euro Gewinn, der wie jedes Jahr statutengemäß den Rücklagen zugeführt wird. Sagenhafte 53% Eigenkapitalquote trotz laufend hoher Investitionstätigkeit kann das Agrarimperium vermelden.

Der Macher und der Redner - RGO-Geschäftsführer Thomas Diemling (links) und Obmann Franz Ganeider. Foto: Tschurtschenthaler
Der Macher und der Redner – RGO-Geschäftsführer Thomas Diemling (links) und Obmann Franz Ganeider. Foto: Tschurtschenthaler

In den vergangenen fünf Jahren wurden zehn Millionen Euro investiert, in den fünf Jahren zuvor ebenfalls. Ein Jahrzehnt gaben sich die Bauern, um an der Bundesstraße in Lienz-Peggetz Zug um Zug das „Agrarzentrum Ost“ aus dem Boden zu stampfen, das fast nahtlos an die Ländereien und Einrichtungen der Landwirtschaftlichen Lehranstalt anschließt und am besten verdeutlicht, wohin die wirtschaftliche Reise unter Geschäftsführer Thomas Diemling geht. Tankstelle, Werkstätten, Café und Viehmarkt sind schon da.

Der Lagerhaus-Markt, noch am alten Areal an der Nußdorfer-Straße, wir 2015 umgesiedelt, samt angeschlossenem Bauernmarkt für frische Produkte der heimischen Landwirte. In die Bilanz 2013 sind auch entsprechende Grundstücksdeals eingewertet. Ein 6.535 m2 großes Grundstück wurde im Westen des Agrarzentrums vom Nachbar Durst Phototechnik gekauft, der im Gegenzug eine knapp 4.000 m2 große Erweiterungsfläche im Osten erhielt und eine Aufzahlung der RGO. Die hat jetzt rund 56.000 m2 Grund am Standort Peggetz, nur noch ein Streifen an der Ecke Bürgeraustraße-Durststraße ist im Besitz der Unternehmerfamilie Wimmer. Wer das Vorkaufsrecht hat, darf geraten werden.

Alle anderen Flächen von der Einfahrt Peggetz bis zur RGO-Tankstelle hat die Genossenschaft schon  erworben, Platz genug, um zunächst das Technikzentrum zu erweitern. Die Werkstatt läuft so gut, dass Traktoren, Lkw und Pkw permanent rochieren, weil der Platz in den Hallen knapp wird. Für den Neubau brauchen die Bauern keinen externen Baumeister. Seit der Leiter der RGO-Tochter Akit, Thomas Pritsch, die Baumeister-Prüfung abgelegt hat, macht man sich auch die Planung selbst.

Die Sparte Bau musste im Berichtsjahr 2013 Federn lassen, „zwei Nackenschläge“ habe man abfedern müssen, erklärt Geschäftsführer Diemling. Den Felssturz, der die genossenschaftlichen Bauarbeiter samt Material auf weite Umwege zu den Baustellen in Nordtirol und Salzburg zwang. Und die Pleite der Alpine, die ein wichtiger Auftraggeber war und am Ende der RGO 100.000 Euro schuldete, die abgeschrieben werden mussten. Das brachte der Bautochter zwar 1,5 Millionen Euro oder 15 Prozent Umsatzrückgang ein, der aber vom landwirtschaftlichen Kerngeschäft mit entsprechenden Steigerungen abgefedert wurde. In Summe stieg der Rohertrag gegenüber dem Jahr 2012 um 3,6%.

Derweil in der Peggetz alle Signale auf Expansion stehen, wird sich auf dem ehemaligen RGO-Grundstück an der Nußdorfer-Straße in nächster Zeit nicht allzuviel tun. Man pokert offenbar noch mit der Stadt. Die RGO braucht Bürgermeisterin Elisabeth Blanik samt Gemeinderat für die Widmung des Grundstücks zur Agrarzentrums-Erweiterung. „Sobald wir diese Widmung haben, starten wir durch“, betont Thomas Diemling, der von Blanik und VP-Vizebürgermeister Meinhard Pargger zustimmende Signale empfangen hat. Abgewartet wird von den Stadtpolitikern noch die Fertigstellung des neuen Raumordnungskonzeptes. Doch im Oktober sollte die Widmung stehen.

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Bald ein Lagerhaus unter Führung der RGO? Sollte die Baumax-Sanierung nicht gelingen, wäre das eine Option für die Osttiroler Raiffeisen-Genossen.

Falls sich die Stadt ziert, haben die Bauern-Unternehmer noch eine Karte im Talon, die aber nur im Kontext mit der österreichweiten Marktbereinigung auf dem Baumarktsektor gezogen werden könnte. Sollte nämlich eine Sanierung des größten heimischen Players „Baumax“ nicht gelingen, dann steht der Branchenzweite Lagerhaus schon in den Startlöchern, um gute Filialen zu übernehmen. Wenn Lagerhaus bei der Baumax-Sanierung ernsthaft mitpokert, könnten die Osttiroler Bauerngenossen bald wieder näher an die Stadt heranrücken. Hinter vorgehaltener Hand wird großes Interesse an der Übernahme des Baumax-Marktes signalisiert. Die Lienzer Niederlassung der Essl-Firma gilt als profitabel und würde genau aus diesem Grund in die RGO-Philosophie passen.

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