Gedanken zu „Osttirol braucht eine Dachmarke“

Boku-Student Lukas Huber sandte uns einen Beitrag zum Vordenker-Blog.

Grundsätzlich stimme ich den Aussagen im Artikel „Osttirol braucht eine kulinarische Dachmarke“ zu. Es sollte jedoch auch darüber diskutiert werden, neue Vermarktungsstrategien für Osttiroler Produkte zu entwickeln, wobei das Einrichten einer Dachmarke für Produkte aus dem Bezirk als ein Aspekt der Vermarktung angesehen werden muss. „Regionalität“ ist „in“, und hat den Vorteil, dass die gesamte Wertschöpfung im Bezirk genutzt werden kann. Daher ist es notwendig, möglichst viele Betriebe im Bezirk, sowohl in der Produktionsstufe als auch in der Verarbeitung und Vermarktung, unter dieser Dachmarke zu versammeln. Für mich stellt sich in der gegenwärtigen Diskussion aber auch die Frage, auf welchen Werten eine solche Dachmarke basieren könnte. Reicht für die „Osttirol“- Dachmarke die Osttiroler Herkunft eines Produktes? Muss nur einer der Produktionsschritte oder die gesamte Produktion hier in Osttirol erfolgen? Diese Fragen muss man sich bei der Entwicklung einer solchen Marke sicherlich gleich zu Beginn des Prozesses stellen.

Foto: Ramona Waldner
Foto: Ramona Waldner

So wertvoll regionale Wertschöpfung auch ist, nach außen hin wäre, meiner Meinung nach, auch ein „Zusatzwert“ notwendig, um der Marke zusätzliche Attraktivität zu geben und sie aufzuwerten. Welcher könnte das sein? Man könnte beispielsweise darauf setzen, dass „Osttirol“- Produkte nicht nur aus dem Bezirk kommen, sondern auch „Gentechnik“- frei erzeugt werden oder aus biologischer Landwirtschaft stammen.

Interessant und auf jeden Fall diskussionswürdig ist in diesem Zusammenhang auch eine Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion: Könnte eine Käserei, welche Ziegen- oder Schafsmilch aus dem Bezirk verarbeitet und vermarktet, Erfolg haben? Hätte die Produktion und Verarbeitung von Fleisch, welches unter einer „Osttirol“- Dachmarke vermarktet wird, Bestandschancen? Die Erschließung von Lücken könnte für manche Betriebe interessant und zukunftsträchtig sein.

In dem Artikel „Osttirol braucht eine kulinarische Dachmarke“ wird weiters die gemeinsame Vermarktung der Osttiroler Produktpalette angesprochen. Dies ist sicher ein wichtiger Punkt, über den nachgedacht werden sollte. Hier kann und soll der Tourismus mit entsprechendem Marketing Know-how Hilfestellung geben und mit der Landwirtschaft koordiniert Maßnahmen setzen.

„Gemeinsamkeit“ beginnt aber nicht erst bei der Vermarktung. Osttiroler Produkte könnten auch in landwirtschaftlichen Kooperationen produziert und dann über eine Vermarktungsgemeinschaft beworben und verkauft werden. Regionale Produktions- und Erzeugergemeinschaften oder Hofgemeinschaften erscheinen mir aus mehrerlei Gründen sinnvoll und notwendig: Nutzung von Spezialisierungen, Arbeitsteilung, Aufteilung von Investitionskosten. Als Beispiel für eine fortgeschrittene Hofkooperation möchte ich die Einrichtung eines gemeinsamen Hofladens oder einer Hofkäserei anführen, welche im Hofverbund oder in Hofkooperation wahrscheinlich leichter zu realisieren wären als durch einen einzelnen Betrieb. Mir ist dabei sehr wohl bewusst, dass solch eine Idee nicht überall und in jedem Betrieb implementiert und realisiert werden kann, aber es lohnt sich auf alle Fälle, über solche Maßnahmen nachzudenken.

Die Konzeptionierung einer Vermarktungsgemeinschaft ist ein erster wichtiger Schritt. Aber wie bereits ausgeführt, sollten schon vorher, auf der Stufe der Produktion, vermehrt Kooperationen eingegangen werden. Investitionen in der landwirtschaftlichen Produktion lösen durchschnittlich ein Vielfaches an Investitionen in nachgelagerten Bereichen aus.

Die vorangegangenen Ausführungen zeigen, wie stark die einzelnen Aspekte von der Produktion bis hin zu der Vermarktung vernetzt sind. Angefangen bei der Landwirtschaft, die „Osttiroler“- Produkte herstellt, weiter über die Verarbeitung und Vermarktung, bis hin zum Tourismus und der gezielten Aus- und Weiterbildung aller involvierten Personen ergeben sich neue Möglichkeiten und Notwendigkeiten.

Zusammenfassung:

  • das Erarbeiten einer „Osttirol“ Dachmarke macht Sinn, wenn sowohl Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung an der Konzeptionierung beteiligt sind
  • eine solche Dachmarke soll einen Zusatzwert aufweisen, um sich abzuheben und sich zu positionieren („Gentechnik- frei“, BIO), aber möglichst viele Betriebe im Bezirk sollen sich beteiligen können und wollen
  • die Diskussion, wie „regional“ ein Produkt sein kann und soll, ist zu führen
  • eine Zusammenarbeit in der Vermarktung ist notwendig; kann Kooperation aber auch schon bei der Stufe der Produktion gelingen?
  • Hof- und Erzeugerkooperation bringt viele Vorteile, ist aber auch nicht überall umsetzbar
  • die Diversifizierung der Produktpalette und das Erschließen von Produktionsnischen könnte für manche Betriebe interessant sein
  • die Zusammenarbeit sollte alle Produktionsstufen umfassen
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