Urban Gardening: Grün gegen Grau

„Guerilla-Gärtner“ bepflanzen ganz privat öffentliche Flächen im Großstadtdschungel.

Der Frühling kommt, es beginnt zu blühen, auch in den Städten, und wer meint, nur Landschafts- und Schrebergärtner würden im urbanen Umfeld nun aktiv werden, irrt. Nicht nur Bienen nützen die Möglichkeiten der Stadt. „Urban Gardening“ ist ein Begriff, der immer mehr Stadtbewohner auf neue Ideen bringt. Teils als Antwort auf graue Flächen, teils aus der puren Not, machen sie brachliegende innerstädtische Flächen für sich nutzbar. In Detroit wächst Mais und Salat auf Industriebrachen, gezogen von Bürgern zur Selbstversorgung, weil sie sonst nicht über die Runden kommen.

In New York City und der Bronx werden noch so schmale Häuserlücken und Dächer urbar gemacht, einerseits als Sozialprojekt, andererseits um dem gärtnerischen Bedürfnis der Bürger des Big Apple Platz zu bieten. Dort wie auch in vielen anderen Metropolen werfen „Guerilla-Gärtner“ beruhigend friedliche Samenbomben, um ihre Städte wieder zu begrünen. Sie lassen die mit Samen, Ton und Muttererde gefüllten Kugeln auf Verkehrsinseln und ungenutzte Baugrundstücke fallen, wodurch dort Pflanzen Wurzeln schlagen, wo es keiner mehr für möglich gehalten hätte, Blumen und Pionierpflanzen erobern zurück, was vorher grau planiert wurde.

Das ist kein Park und keine von städtischen Gärtnern gepflegte Fläche, sondern ein typisches "Privatgärtchen".
Das ist kein Park und keine von städtischen Gärtnern gepflegte Fläche, sondern ein typisches „Privatgärtchen“.

Städte wie Hamburg öffnen teils ihre Parks, um Hobbygärtnern in ausgewiesenen Zonen die Möglichkeit zur Gestaltung zu geben. Mehr und mehr Bürger nutzen den öffentlichen Raum, um ihn für sich lebenswert zu gestalten.

So treffe ich in Hamburg auch auf immer mehr Menschen, die bewaffnet mit Schäufelchen, Aussaaterde, Blumen und Nutzpflanzen unter anderem Gehsteige in Beschlag nehmen, Baumumfassungen begrünen und in Pflanzkübeln Sonnenblumen setzen.

Was hier blüht, wurde ohne öffentlichen Auftrag von Privaten ausgesät.
Was hier blüht, wurde ohne öffentlichen Auftrag von Privaten ausgesät.

In dem meist nur als Amüsierviertel bekannten Hamburger Stadtteil St. Pauli wird auf einem ehemaligen Parkdeck in Eurokisten Gemüse gezogen. Dort trifft man sich, tauscht sich über Dünger, Saat und Werkzeug aus, und genießt die eigenen Erzeugnisse. Besonders Ambitionierte teilen sich in Blogs wie gartenpiraten.net und auf Internetportalen mit, zeigen wie man Häuserwände begrünt, wie man Samenbomben herstellt und wo man sie – bei etwas weniger Revoluzzer-Ambition – auch kaufen kann.

St. Pauli einmal anders. Mitten in Hamburg blüht die Gartenleidenschaft.
St. Pauli einmal anders. Mitten in Hamburg blüht die Gartenleidenschaft.

Warum ich das alles erzähle? Ich habe gelesen, in der Bezirkshauptstadt Lienz gebe es die eine oder andere Brache, deren Zukunft ungewiss sei.

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3 Postings bisher
Churchill vor 4 Jahren

Urban gardening geht halt wirklich nur in urbanem - also städtischen - Umfeld, welches auch in Lienz quasi nicht besteht. Kann mir ganz gut, die schrägen Blicke vorstellen, die mich abtasten, während ich am Iselkay Radieschen setze.

MelissaM vor 4 Jahren

Lienzer Guerilla-Gärtner die kleine Samenbomben nachts über den Bauzaun in das Kaufhaus-Areal werfen? Da fällt mir ein, dass die Grünen damals im Gemeinderat für das Projekt gestimmt haben ... haben die meisten schon vergessen.

nanny vor 4 Jahren

Hallo, natürlich haben Sie recht, Hr. Kininger. Erster Vorschlag: in Lienz die ungenutzte Baufläche für ein angeblich irgendwann einmal zu bauendes Kaufhaus. Eine richtige "Gstätten" derzeit :-) Wäre doch was für eine bunte grüne Stadtlandschaft!