„Was ist denn eine Tamariske, ein Viech?“

Wer ist denn der Bodenseer, ein Clown? Ein Kommentar.

Der Journalistenkollege Christoph Blassnig von der Tiroler Tageszeitung war vor einigen Tagen bei der Bestellung von Silke Steiner zur Osttiroler Wirtschaftsbund-Obfrau, offenbar einem Event, bei dem sich die lokale Creme der schwarzen Wirtschaftler auf das Zertreten von geschützten Pflanzen verständigt hat. Blassnig zitiert in seinem Artikel den Tiroler Wirtschaftsbund-Obmann und Wirtschaftskammer-Präsidenten Jürgen Bodenseer mit den denkwürdigen Worten: „Was ist denn eine Tamariske, ein Viech?“

Dieser Herr fragt sich: "Was ist denn eine Tamariske, ein Viech?"
Dieser Herr fragt sich: „Was ist denn eine Tamariske, ein Viech?“

Ich habe in Kenntnis des bisherigen intellektuellen Ouvres von Bodenseer keinen Grund, an der Richtigkeit dieses Zitates zu zweifeln, auch wenn ich diesmal selbst nicht das zweifelhafte Vergnügen hatte, den kauzigen Auftritt des „Präsidenten“ in Osttirol zu erleben. Nachdem die meisten LeserInnen von Dolomitenstadt recht gut wissen, dass eine Tamariske kein Viech, sondern ein Indikator für intakte Flusslandschaften ist, konzentriere ich mich hier auf die Beantwortung einer anderen, zum Glück nicht annähernd so wichtigen Frage: „Wer ist denn der Herr Bodenseer? Ein Clown?“

Die Antwort lautet: nein, er ist kein Clown, auch wenn er manchmal wie einer aussieht und sich noch öfter wie einer benimmt. Wäre der Herr Bodenseer ein Clown, dann würde er uns zum Lachen bringen. Zum Beispiel bei seinem Lieblingsevent, dem „Neujahrsempfang„, zu dem er in Gehrock und Reitstiefeln mit den Wiltener Sängerknaben durch die Bezirksstädte tingelt und das Sektglasl im unermüdlichen Einsatz im Dienst der Tiroler Wirtschaft hebt.

Achtung Tamarisken! Grobes Schuh- und Mundwerk im Anmarsch.
Achtung Tamarisken! Grobes Schuh- und Mundwerk im Anmarsch.

Nein, der Jürgen Bodenseer ist kein Clown. Er nennt sich gern „Präsident“ und ist jener Unternehmer, den der Rechnungshof im Visier hatte, weil er in den Jahren 2011 und 2012 – laut ORF Tirol – von der Tirolwerbung Aufträge um insgesamt 800.000 Euro erhalten haben soll – ohne Ausschreibung. Das ist ein Drittel des Jahreshaushalts von Prägraten, dem Tamariskendorf. Dabei sitzt der Mann sowohl in der Generalversammlung der Tirol Werbung GmbH als auch in der Generalversammlung des Vereins Tirol Werbung. Für den Rechnungshof sei das ein klarer Interessenskonflikt, schrieb sogar der ORF-Tirol.

Jürgen Bodenseer hat bei seinen tapsigen Gehversuchen in den sozialen Netzwerken laut über die Wiedereinführung der Todesstrafe nachgedacht und Wikipedia weiß über den Wirtschaftsbund-Egozentriker mit Hang zur modischen Extravaganz: „Als Geschäftsführer der Innsbrucker Messehalle weigerte sich Bodenseer, trotz eindringlicher Bitte der Bürgermeisterin, einen Mietvertrag mit der rechtsextremen Deutschen Burschenschaft (DB) zu kündigen.“

Ich möchte diesem „Präsidenten“ als Kammermitglied, Unternehmer und engagierter Kämpfer für eine Isel ohne Kraftwerk an dieser Stelle versichern: Die Tamariske wird noch da sein, wenn Sie, Herr Bodenseer, längst von der politischen Bühne verschwunden sind. Dafür sorgen zum einen Menschen, denen die Natur mehr am Herzen liegt als Geld, Geld und noch einmal Geld. Und dafür sorgt vermutlich auch die viel geschmähte EU, die allemal mehr politischen Intellekt und faktische Macht ausspielen kann, als ein politischer Sprücheklopfer aus der dritten Reihe der bundesweit mittlerweile zur 17%-Partei geschrumpften ÖVP.

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Nachsatz: Die eingangs erwähnte Silke Steiner – frisch gebackene Obfrau des lokalen ÖVP-Wirtschaftsbundes, teilte uns gestern telefonisch mit, sie sei in der TT falsch zitiert und/oder interpretiert worden und keineswegs gegen „Natura 2000“ an der Isel. „Ich sehe das als Chance für Osttirol.“ Lediglich der Termin für die Nachnominierung von Gebieten sei im September 2014 verfrüht angesetzt und sollte einige Monate verschoben werden, so Steiner.

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10 Postings bisher
oaschtadio

oaschtadio , da hat der Herr Dr. Pirkner aber spitz und zutreffend formuliert ! Ich kenne den Herrn Bodenseer nicht, aber charakterbezeichnend wirkt das Foto mit " Gehrock und Reitstiefl" , sicher mit Kalkül gewählt für die Provinztouren. Es deutet optisch leicht erkennbar auf Napoleonismus ( Feldherren-Großmanngehabe ) hin, ...schaut her wer und was ich bin ihr Kleinunternehmer ! Unabhängig von den wahrscheinlich eigenen guten unternehmerischen Leistungen des Funktionärs , täte hier für uns alle die Selbsterkenntnis gut " Ach wenn ich doch wieder den Boden see(h) ..." - das gilt auch für die provokant zur Schau gestellte Frage , ob eine Pflanze ein Tier ist. Einfach bedauernswert, daß ein Kammerfunktionär eine solche lobbyfixierte Sprachwahl notwendig hat.

webe

gratuliere hr. dr. pirkner. treffender artikel.

nanny

Ja Herr Pirkner, ich hoffe, es verlässt sie nie der Mut, immer wieder "querzudenken". Selber habe ich es vor langer langer Zeit im Beruf erlebt: allgemeine Empörung über eine Anordnung, ich melde mich mutig zu Wort - und plötzlich zählen alle "die Fliegen an der Wand", und ich bin die "Stänkerin". Soviel zu Zivilcourage. Aber heutzutage ist man vielleicht "härter im Nehmen" :-)

fb

@ Silke Steiner: Ja, sie braucht wohl noch ein paar Jahre - Monate - Wochen zum Entfesseln!

auslaender

Gratulation, gelungener Artikel!

spitzeFeder

Einfach nur beschämend, was unsere "führenden" Wirtschafter da aufführen. So sehr es nach Komödie aussieht - am Ende wird sich eine Tragödie offenbaren.

iseline

Warum gibt es zu den Aussagen von Herrn Bodenseer und jener von Frau Steiner, die inzwischen auch Stellung gegen Natura 2000 bezogen hat - z. B. keine öffentliche Stellungnahme der Osttiroler Wirtschaftskammer?

Warum melden sich kaum Tourismusbetriebe ( und Urlaub am Bauernhof - Vermieter) zu Wort, wenn sie sehen, dass Kraftwerkspläne statt der zukunftsträchtigen Tourismusbranche Schutz vor der "bösen Natura 2000 Nominierung" erhalten sollen und das dann gar als "goldener Mittelweg" bezeichnet wird?

Hat G. Pirkner doch recht, wenn er in einem seiner Kommentar meint: kein Widerstand, keine Querdenker, kein Mut mehr, auf die Barrikaden zu steigen. Und auch einmal gegen den Strom zu schwimmen?

Detektor

Ja, der Herr Bodenseer .... Da haben sich schon andere gewundert: http://www.dietiwag.at/index.php?id=3460

Und die Frau Steiner: Der wird nach 12 Jahren Diskussion die Zeit zu knapp???

bergfex

.........Dieser Herr fragt sich: “Was ist denn eine Tamariske, ein Viech?”.............

Ein beschämender Auftritt. Ich mute mir zu, seine Zurechnungsfähigkeit in Zweifel zu ziehen.

......... laut ORF Tirol – von der Tirolwerbung Aufträge um insgesamt 800.000 Euro erhalten haben soll – ohne Ausschreibung. ................

Was ist daraus eigentlich geworden? Hat die TT den Auftrag darüber nicht zu berichten? (maulhalten)

Gertrude

Herr Dr. Pirkner,, vielen Dank, dass Sie uns immer wieder mit Kommentaren wie diesem aus der Seele sprechen.