Osttiroler Tischler finanzieren Zirben-Aufforstung

COOP/Holz-Betriebe und Forstgarten pflanzen 200 Bäumchen im Defereggental.

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Sie forsten gemeinsam auf. V.l.: Leiter der Tiroler Landesforstgärten Christian Annewandter, Anton Schett, Hubert Sint, Gerhard Rainer, Johann Obkircher, Martin Wibmer und Alois Gomig. Fotos: Dolomitenstadt/Egger

Die Osttiroler Tischlergemeinschaft COOP/Holz startet in Zusammenarbeit mit der Bezirksforstinspektion Osttirol und dem Team des Landesforstgartens in Nikolsdorf eine Zirben-Aufforstungsaktion.  200 „Setzlinge“ werden im Trojer Almtal im Defereggental gepflanzt, in der Nähe jenes Gebietes, in dem 2011 ein Teil des Zirbenwaldbestandes durch einen Waldbrand beschädigt wurde. „COOP/Holz finanziert die 200 Bäumchen, die von der Agrargemeinschaft St. Jakob i.D. gepflanzt werden. Unsere Kunden können auf diese Art zu Baumpaten werden“, so Tischler-Meister Wibmer.

Vor 15 Jahren war die Zirbe als Möbelholz ziemlich out, was sich nach mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen änderte: „Zirbenholz schafft messbar Wohlbefinden“, erklären die Tischler, deren Kooperative 2003 mit Produkten aus Zirbe durchstartete. Seither arbeiten Gerhard Rainer, Martin Wibmer, Johann Obkircher und Alois Gomig verstärkt mit dem heimischen Rohstoff. Ihr Verkaufsschlager ist das Zirbenbett. Mehr als 30 gesunde Schlafstätten bringt die Tischler-Kooperative pro Jahr an den Mann, dazu Kommoden, Lampen oder Schränke aus Zirbe. „Bei einer Zirbe gibt es fast keinen Abfall – die Späne verwertet Villgrater Natur in Kissen“, erklärt Alois Gomig.

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Alois Gomig freut sich vor allem über die Kräfte der Zirbe.

Die Baumpaten-Aktion von COOP/Holz hat noch eine Besonderheit. Anhand von GPS-Daten kann jeder Kunde den Werdegang „seiner“ Zirbe verfolgen. „Wir vermitteln damit, dass ein Produkt aus Zirbenholz über Generationen gereift ist und auch eine nachhaltige Investition ist.“ Wie die Idee zur Aktion entstanden ist, verrät der COOP-Tischler Wibmer im folgenden Audiofile:

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Rund 200 Jahre benötigt eine Zirbe, bis sie gefällt und verarbeitet werden kann. Martin Wibmer will mit dem Projekt Bewusstsein dafür schaffen.

Gezüchtet wurden die 200 Setzlinge im Landesforstgarten Nikolsdorf unter der Leitung von Anton Schett. Dabei wurden die Zapfen von anerkannten Zirbenbeständen geerntet und im Forstgarten weiterverarbeitet. Bis sich der Kreis wieder schließt und die Pflanzen gesetzt werden, vergehen fünf bis sechs Jahre. „In der Zeit, wo die Zirbe unpopulär war, mussten wir viele Pflanzen wegwerfen – ich bin froh, dass dieser Baum wieder eine solche Wertschätzung erfährt, für mich ist die Zirbe ein Lebensbaum“, freut sich Schett über den Zirben-Boom. Im folgenden Audiofile erklärt der Leiter des Landesforstgartens Nikolsdorf den genauen Ablauf, bis eine junge Pflanze im Wald landet:

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Fünf bis sechs Jahre kümmert sich Anton Schett um die Pflanzen, bis sie im Wald gesetzt werden.

Dem Leiter der Bezirksforstinspektion Osttirol, Hubert Sint, geht es um die Botschaft: „Dort wo wir den Wald genutzt haben, forsten wir ihn wieder auf und beleben ihn wieder“. Im Vergleich zu anderen Holzarten gilt die Zirbe als teuer – ein Kubikmeter kostet rund 700 Euro netto, die gleiche Menge Fichte nur die Hälfte. Der Wald im Trojer Almtal ist einer der 75 anerkannten Samenbestände für Zirbe im Land – insgesamt gibt es zehn davon im Bezirk Lienz. Neben der Nutzung des Holzes erfüllt die Baumart auch eine wichtige Schutzfunktion.

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Für Hubert Sint ist klar: „Wo geerntet wird, muss auch wieder aufgeforstet werden.“

Für die Tischlermeister ist klar, dass der Baum, der auf über 1.800 Höhenmetern zu Hause ist, beruhigend wirkt und besondere Kräfte verleiht. „Um die Betrunkenen ruhig zu halten, stattete man früher auch die Gasthäuser mit Zirbenmöbeln aus“, so Gomig abschließend. Ob und wie die Aktion in den nächsten Jahren eine Fortsetzung findet, erklären die Tischler mit einem Augenzwinkern: „Je nachdem, ob wir weiterhin so viel Erfolg mit den Zirbenmöbeln haben.“

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