Streit zwischen AK und Volksbank über Kredite

Wurden für Fremdwährungskredite zu hohe Zinsen verrechnet?

Die Konsumentenschützer der Tiroler Arbeiterkammer beklagen in einer Aussendung an die Medien „gravierende Ungereimtheiten bei Fremdwährungskrediten der Volksbank Osttirol-Westkärnten„. In einigen Fällen seien Refinanzierungskosten und Kreditprovisionen ohne vertragliche Grundlage und somit nach Ansicht der AK Tirol zu Unrecht verrechnet worden. Es sei möglich, dass sich die Volksbank Osttirol in den nächsten Wochen mit den Betroffenen in Verbindung setze, um eine Neuregelung des Zinssatzes zu treffen. Diesen Bankkunden rät die Arbeiterkammer, sich nicht zu einer raschen Vertragsänderung drängen zu lassen und vorher bei der AK anzurufen (0800/22 55 22 – 3550).

Fremdwährungskredite wurden von vielen Häuslbauern vor 2008 abgeschlossen. Foto: view7/photocase.com
Fremdwährungskredite wurden von vielen Häuslbauern vor 2008 abgeschlossen. Foto: view7/photocase.com

Hansjörg Mattersberger, Vorstand der Volksbank Osttirol-Westkärnten, sieht in dem Vorwurf eine PR-Aktion der AK. „Das ist eine außergewöhnlich scharfe Attacke, die wir so nicht hinnehmen werden“, erklärt er gegenüber dolomitenstadt.at. Bis 2008 wurden vorwiegend Häuslbauern als Teil der Finanzierung gerne Kredite in Yen oder Schweizer Franken angeboten. Die Bank beschaffte das Geld auf dem Kapitalmarkt, der Kunde trug –  vertraglich vereinbart – das Zinsrisiko, sprich die Zinskosten.

Dann kam die Wirtschaftskrise und die Vergabe von Fremdwährungskrediten wurde eingestellt. Sie war zu riskant geworden. Mattersberger: „In der Folge wurden andere Banken, nicht die Volksbank, geklagt und die Gerichte stellten fest, dass die vereinbarten Vertragsklauseln nicht dem Konsumentenschutzgesetz entsprechen. Bei Abschluss der Verträge wusste das niemand. Wir haben das akzeptiert“. So sei eine Vertragslücke entstanden, die nur über einen schriftlich vereinbarten, höheren Aufschlag zu schließen sei. Und dazu sei eben ein „offenes Kundengespräch“ nötig.

Volksbank-Direktor Mattersberger auf die AK Tirol "aktiv zugehen.
Volksbank-Direktor Mattersberger will auf die AK Tirol „aktiv zugehen. Foto: Tschurtschenthaler

Das sieht die AK anders und schreibt: „In uns bekannten Fällen besteht ein wirksamer Vertrag, und es wurden seitens der Bank davon abweichend unzulässig höhere Zinsen verrechnet. Der Kunde muss daher keine Nachtragsvereinbarung – womöglich mit höheren Refinanzierungskosten – unterschreiben. Vielmehr besteht ein Anspruch gegenüber der Bank, zu viel bezahlte Zinsen zurück zu erhalten.“

Jetzt will Volksbank-Direktor Mattersberger auf die AK Tirol „aktiv zugehen, um eine konsuale Vorgangsweise anzustreben“.

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

2 Postings bisher
Da Hofa vor 3 Jahren

Es ist gut, dass sich die AK auf die Seite der Konsumenten stellt und mutig unseriösen Bankgeschäften entgegentritt. Doch eine gewisse Scheinmoral hat diese Debatte schon!

Sitzt doch AK-Referent Vzbgm. Meinhard Pargger (ÖVP) im Aufsichtsrat der unter Beschuss geratenen Volksbank-Osttirol und Westkärnten. Vom sonst so wortgewandten Vizebürgermeister hört man nichts zu dieser Causa. Wer viele Ämter ausübt, kann schnell in einen Gewissenskonflikt geraten.

Diesbezüglich darf ich allen Multifunktionären, die meinen sie müssen überall vertreten sein, aus Machtbesessenheit oder Wichtigkeit, ein Sprichwort ans Herz legen - „Schuster bleib bei Deinen Leisten“.

eva vor 3 Jahren

Ich finde es sehr gut dass endlich jemand der Volksbank genauer auf die Finger sieht und hoffentlich endlich mal ordentlich draufklopft. Leider weiß ich aus eigener schmerzhafter Erfahrung dass die Herren gerne versuchen das Vertrauen und die Gutgläubigkeit von nicht so finanzversierten Kunden sehr zu strapazieren - um nicht zu sagen auszunutzen. Normalerweise müßte man jedes Bankgespräch aufzeichnen um im nachhinein Beweise für unseriöse vorgehensweisen zu haben.