Iselfest: „Riverwalker“ trafen Iselschützer …

… und TVB-Obmann Franz Theurl fand klare Worte zum Thema Kraftwerk.

Nicht nur das rauschen der Isel sondern auch die Gitarre von Peter Franz sorgten für Stimmung beim Iselfest. Monika Unterwurzacher, Adolf Berger und Rita Feldner hören zu. Foto: Ian Trafford
Nicht nur das Rauschen der Isel sondern auch die Gitarre von Peter Franz sorgte für akustische Untermalung beim Iselfest. Monika Unterwurzacher, Adolf Berger und Rita Feldner hören zu. Foto: Ian Trafford

Das Iselfest in Prägraten versammelte nicht nur fast alle aktiven Naturschützer des Bezirkes an den Ufern des Gletscherflusses, sondern auch die vom WWF zusammengestellte junge Truppe der „Riverwalker„, über deren Unterfangen wir bereits berichtet haben und die wir in den kommenden Tagen bis nach Slowenien mit unserer Berichterstattung begleiten.

20 junge Leute, bunt und international zusammengewürfelt, starteten am 12. Juli ihr Tour entlang von Isel, Drau und Soca. Foto: Stephan Troyer
20 junge Leute, bunt und international zusammengewürfelt, starteten am 12. Juli ihre Tour entlang von Isel, Drau und Soca. Foto: Stephan Troyer

Die Verabschiedung der 20 Teilnehmer am Riverwalk war aber nur ein Highlight des gemütlichen Festes, bei dem man sich sein eigenes Amulett aus einem Iselstein schleifen und basteln konnte, viel Wissenswertes erfuhr, nette Leute mit ähnlichen Anliegen traf und einmal mehr über den Sinn von konsequentem Iselschutz aufgeklärt wurde.

Auf einer Wellenlänge: Die Teilnehmer am Iselfest in Prägraten. Foto: Ian Trafford
Auf einer Wellenlänge: Die Teilnehmer am Iselfest in Prägraten. Foto: Ian Trafford

Wildflüsse sind in Europa inzwischen eine Seltenheit. So wie der Tiroler Lech, der Tagliamento in Italien oder die Soca in Slowenien, bietet die Isel in Osttirol den Menschen noch die Möglichkeit zu erfahren, wie Flüsse in den Alpen einmal ausgesehen haben. Noch fließt der Herzfluss Osttirols – ausgehend vom Nationalpark Hohe Tauern bis nach Lienz – frei, ohne Stau und Ausleitung.

Doch die Isel befindet sich seit Jahren im Visier der E-Wirtschaft. „Wir erleben in Tirol aktuell einen Ausbauboom der Wasserkraft, der trotz Erzeugungsüberschuss und sinkendem Energieverbrauch im Land anhält. Es muss deshalb eindeutige Tabuzonen geben! Die Isel und ihre Zubringer dürfen nicht zerstört werden“, bekräftigte Gebhard Tschavoll vom WWF. Das Land Tirol habe selbst dem geplanten Kraftwerk an der Oberen Isel in der Prüfung nach dem Kriterienkatalog ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt und rate vom Projekt ab.

Die unermüdlichen Iselschützer. Von links: Rita Feldner, Nathan Spees und gebhard Tschavoll (WWF), Adolf Berger und Wolfgang Retter. Foto: Stephan Troyer
Die unermüdlichen Iselschützer. Von links: Rita Feldner, Nathan Spees und Gebhard Tschavoll (WWF), Adolf Berger und Wolfgang Retter. Foto: Stephan Troyer

Das „rauschende Iselfest“ zeige die wichtige Rolle des Flusses für die Naherholung und Freizeitgestaltung, unterstrich Adolf Berger von der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental: „Als Nationalparkgemeinde müssen wir auf unsere Schätze achten. Die Menschen kommen zu uns, um unverfälschte Natur zu erleben und wollen keine begrünten Staubecken neben einer Restwasserstrecke sehen.“ Berger gab außerdem zu bedenken, dass durch ein Ausleitungskraftwerk das Wasser der Isel nicht mehr ausreichend für die Notwendigkeiten der Landwirtschaft und des Tourismus zur Verfügung stehen würde.

"Ich bin gekommen, um Flagge zu zeigen". Franz Theurl sprach sich unmissverstämndlich gegen Kraftwerke an der Isel aus.
„Ich bin gekommen, um Flagge zu zeigen“. Franz Theurl sprach sich unmissverständlich gegen das geplante Kraftwerk an der Isel in Prägraten und Virgen aus.

Für viele Besucher überraschend fand auch TVBO-Obmann Franz Theurl als Gast und Redner erstmals klare Worte zum Thema: „Ich bin gerne nach Prägraten gekommen,  weil es mir ein Anliegen ist, auch seitens des TVB Osttirol Flagge zu zeigen, Flagge für die Bewahrung der Isel. Unsere touristische Naherholungslandschaft ist das Kapital, das wir für unsere Gäste nutzen können.“

Theurl dankte den Umweltaktivisten Wolfgang Retter und Adolf Berger und meinte wörtlich: „Berger ist ein mutiger Mensch der sich etwas getraut, der sich gegen die Mehrheit stellt, weil er überzeugt von etwas ist – und der letztendlich als Sieger dastehen wird. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Diese Entwicklung der Erschließung und der Verbauung der Bäche ist überholt. Einerseits ist der Bedarf aus ökonomischen Gründen nicht mehr gegeben und ich glaube man erkennt, dass die Wasserlandschaft, die heile Natur, wesentlich mehr nachhaltiges Kapital für unsere Zukunft, für unsere Nachkommen ist, als es ein Kraftwerk an der Isel sein könnte.“

Der TVBO stoße konsequent in das selbe Horn, unterstrich Theurl weiter: „Wir werden in Osttirol einen eindeutigen Weg einschlagen, in Richtung sanfter Naturtourismus. Wir lassen uns davon nicht abbringen,  denn darin sehen wir unsere Zukunft, und ihr seid unsere großen Förderer und Unterstützer in dieser Richtung, mit der Bewahrung dieser wunderschönen Isel. Wir danken Euch!“

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F_Z vor 3 Jahren

Also ich weiß das es an der Isel schöne Plätzchen gibt, wie auch an vielen weiteren Orten in Osttirol. Aber die Isel ist nicht der Rest vom Garten Eden. Sie als Bespiel zu nehmen, wie Flüsse früher ausgesehen haben, ist auch keine gute Idee. Wikipedia gibt gerne Auskunft wo die Isel noch nicht verbaut ist. Einfach unter "http://de.wikipedia.org/wiki/Isel" den Absatz "Uferzustand und Verbauungsmaßnahmen" lesen. Vermutlich liegt es auch an den Verbauungsmaßnahmen, das der ökologische Zustand der Isel zum Teil als unbefriedigend eingestuft ist. Soweit ich im Bilde bin - und bitte korrigiert mich - ist kein einziger Flussmeter der Isel als ökologisch sehr gut klassifiziert. Und nebenbei finde ich bei elektrischem Strom einen Energieüberschuss klasse - weil wenn wir den nicht hätten, dann gäbe es Stromabschaltungen. Und ja, der Energieverbrauch in Österreich sinkt. Es sei jetzt dahingestellt ob die Wirtschaftskrise daran schuld ist oder nicht, aber der Stromverbrauch steigt - und das jedes Jahr.

iseline vor 3 Jahren

Zur Ansage von Franz Theurl kann man nur sagen: "Endlich, aber trotzdem - Danke"