Assling hat größte Photovoltaik-Anlage Tirols

Bürger der energieautarken Gemeinde zahlen niedrigsten Strompreis in Österreich.

Das Elektrowerk Assling ist ein Osttiroler Erfolgsmodell, das am 16. Juli um einen weiteren Meilenstein erweitert wurde. Der 1927 als Genossenschaft gegründete lokale Energieversorger betreibt drei Laufkraftwerke an Thaler- und Kristeinerbach, kooperiert bei der Nutzung von Bioenergie mit dem nahegelegenen Sägewerk der Gebrüder Theurl und investiert seit einigen Jahren auch in Sonnenenergie. Jetzt wurde Tirols größte Photovoltaik-Anlage offiziell in Betrieb genommen.

Die Macher: Betriebsleiter Konrad Jungmann, Bürgermeister Bernhard Schneider,  Obmann Markus Lukasser, Geschäftsführer Harald Stocker (v.l.). Fotos: Dolomitenstadt/Egger
Die Macher: Betriebsleiter Konrad Jungmann, Bürgermeister Bernhard Schneider, Obmann Markus Lukasser, Geschäftsführer Harald Stocker (v.l.). Fotos: Dolomitenstadt/Egger

Sie kostete 3,2 Millionen Euro und besteht aus mehr als 8000 einzelnen PV-Panelen, die aufgeteilt auf vier gut im Gelände versteckte Teilflächen auf insgesamt 30.000 Quadratmetern 2,4 Millionen kWh Strom erzeugen. Das reicht aus, um 700 Durchschnittshaushalte zu versorgen. Assling ist nicht nur energieautark und CO2-neutral, sondern hat auch den niedrigsten Strompreis in ganz Österreich.

Kein Wunder, dass sich Bürgermeister Bernhard Schneider vor den geladenen Gästen stolz auf die Energiebilanz seiner Gemeinde zeigte, die dem Weltklima pro Jahr 1680 Tonnen an CO2 erspart, wie Genossenschaftsobmann Markus Lukasser vorrechnete. Er erzählte auch, dass nur ein nächtlicher Interneteinsatz mehrerer Mitarbeiter dafür sorgte, dass beim alljährlichen Wettlauf um die Photovoltaik-Förderung alle Bausteine der Anlage letztlich die Förderzusage erhielten und in Angriff genommen werden konnten.

Die großteils der ÖVP zuzuordnende Gratulantenschar wurde von Energielandesrat Josef Geisler angeführt und nutzte die sonnig-ökologische Umgebung, um Stimmung für Wasserkraftwerke an der Isel und ihren Zubringern zu machen. Hier das Video zur Eröffnung, gedreht und geschnitten von Dolomitenstadt-Videoreporter Peter Werlberger:

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1 Posting bisher
Thomas Haidenberger vor 2 Jahren

Herzliche Gratulation allen Verantwortlichen des Elektrowerks Assling! Es bedarf schon einer gehörigen Portion Weitblick und auch großes Engagement ( = nächtlicher Interneteinsatz mehrerer Mitarbeiter) - ein derartiges Projekt zu planen und umzusetzen. Wer die Regelungen für PV-Förderungen in Österreich kennt, kann nur umso mehr gratulieren.

Die schon immer sehr restriktive Förderpolitik in Österreich hat in den letzten Jahren leider viel Entwicklung verhindert. Die Bereitschaft, sich mit einem persönlichen Beitrag in Form einer PV-Kleinanlage an der Stromversorgung zu beteiligen, wäre in der Bevölkerung sehr wohl vorhanden. In den letzten Jahren blieb das aber einer relativ kleinen Gruppe vorbehalten, die über entsprechende Hartnäckigkeit und eine Portion Glück an die viel zu gering gefüllten Fördertöpfe kamen. (seit 2013 gibt es für PV-Kleinanlagen endlich ein Fördermodell, bei dem alle Antragsteller in den Genuss einer Investitionsförderung kommen können)

Natürlich muss der Ersatz klimaschädlicher Energieformen vorangetrieben werden. Leider wird in Tirol mit tellergroßen Scheuklappen nur in Richtung Wasserkraft und nicht über den Tellerrand hinaus geschaut. An der gesamten Nordgrenze des Landes braucht es keine Grenzmarkierungen. Ein Blick auf die Dächer genügt, und jede(r) weiß, ob er/sie sich noch in Ö oder schon in D befindet. Windkraftnutzung ist hierzulande praktisch ein Tabu. Tirol ist ja bekanntlich ein Land der Gipfelkreuze, und keines der Windräder. Im „Kriterienkatalog Windkraft“ – der schon ziemlich lange in Ausarbeitung ist - sollen Regeln festgeschrieben werden die „aus Gründen der Ökologie und des Landschaftsschutzes“ eine Nutzung dieser erneuerbaren Energie stark erschweren, wenn nicht verunmöglichen. Die Gewinnung von Sonnenenergie (thermisch und elektrisch zusammen!) erreicht in Tirol noch keine 2 % der bestehenden Dachflächen. Dennoch wird dieser unbegrenzt, kostenlos und klimaneutral zur Verfügung stehenden Energie der Sonne bei jeder Gelegenheit das Potenzial abgesprochen, die Energiewende weiterzubringen.

Energiewende besteht nicht darin, die Stromproduktion eines Landes auf Wasserkraft umzustellen. Das ist nur einer der Bausteine. Es braucht aber noch viele weitere Bausteine mit zumindest ähnlicher Größe, damit sie zusammen zum Bau eines neuen Energiesystems geeignet sind. An Energie-Landesrat LHStv. Geisler die herzliche Einladung, sich auch einmal Projekten und Meinungen "jenseits des Landhausplatzes" zu widmen. Es gibt auch in Tirol eine ganze Reihe von Firmen, Produkten und Fachleuten, die etwas weiter bringen könnten für die Energiewende, die Wirtschaft des Landes und dessen Bevölkerung.