Berührende Kriegserinnungen in Schlaiten

100 Jahre nach Kriegsausbruch zeigt das Chronikteam der Gemeinde Erinnungsstücke.

Es sind beeindruckende und berührende Erinnerungsstücke, die das Chronikteam der Gemeinde Schlaiten zu einer Gedenkausstellung im Gasthof Schlaitner Wirt zusammengetragen hat. Die Ausstellung wird am Montag, 28. Juli um 20.00 Uhr eröffnet.

Hundert Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkrieges geben zahlreiche Fotos, Feldpostkarten und Briefe aus Schlaitener Perspektive Einblick in die Situation an der Front. Junge Burschen, um die 17 Jahre alt, melden sich von der Front und ersuchen die Eltern, Befreiungsgesuche zu schreiben. Exakt einen Monat nach Kriegsausbruch hat die Gemeinde das erste von insgesamt 18 Kriegsopfern zu beklagen. Eine Familie opferte sogar drei Söhne „für Kaiser und Vaterland“. Allein an der Südostfront in Galizien verloren zehn Schlaitener Kriegsteilnehmer ihr Leben.

Erschütternde Einblicke in das grausame Sterben in den Schützengräben in Galizien im Frühjahr 1915 sind aus dem Kriegstagebuch von Peter Paul Greinhofer zu erfahren:

„3. Mai Höhe 419 – Dieser Tag wird ein Denk-Tag werden in der Geschichte der Kaiserjäger. Um 3 Uhr früh – sammeln zum Sturm. Die Russen schießen rasend, auch einige Maschinengewehre sind dort. Noch im Wald empfängt uns ein Kugelregen, kaum aus dem Walde heraus geht‘s hurra gegen den Drahtverhau in einer Viertel Stunde ist alles vorüber. Unsere Kompanie liegt tot und verwundet vor den Drahthindernissen. Von 260 Mann sammeln sich bis abends noch 52 Mann. Ich und 9 andere von meinem Zug hingen 200 Schritte vor dem Draht in einem Loch gesund und gedeckt, aber unsere Artillerie beschießt uns selbst, also entweder zurück in den Wald oder hier sterben. Wir entschlossen uns zurück zu laufen, einer probiert‘s, kaum ist er aus der Deckung, ist er auch schon tot. So geht es fort. Von allen 9 kommen 4 zurück – die anderen tot. Das war ein trauriges Sammeln abends. Für den nächsten Tag ist wieder Sturm befohlen, es ist alles umsonst!“

Und der 47 Jahre alte Obertschellnigbauer schreibt am 4. Mai 1916 an seine Schwester:

„Liebe Schwester! Berichte Dir, dass ich heute abends von hier aus ins Feld gehe zu den Italienern hinein. Bin ganz gefasst und fürchte mich gar nicht, wenn ich euch nicht mehr sehen sollte, so bitte ich euch mir alles zu verzeihen und meiner im Gebete zu gedenken. Schreibt mir nicht mehr zurück bis ich wieder schreib aber dann bitte ich, mir Nachricht zukommen zu lassen. Es grüßt euch alle Karl Waldner.“

Zwei Wochen später kommt die Nachricht von seinem Tode in der Heimat an: Gefallen am 17. Mai 1916 durch eine Handgranate am Monte Sief in den Dolomiten.

Waldner Karl vlg. Obertschellnig

Einige hundert Meter weiter ereilt die Familie Pedarnig auf Göriach das gleiche Schicksal. Exakt am gleichen Tag verliert sie ihren 39 Jahre alten Bauern durch eine Handgranate am Monte Sief.

Auch Johann Pedarnig meldete sich einige Tage zuvor noch mittels Feldpostkarte bei seinem Vater:

„…wenn ich nur auch das Glück hätte, nach Hause zu kommen und Euch und das ganze Hauswesen wieder zu sehen und mit Euch arbeiten zu können. Wie sehne ich mich danach, obschon ich jetzt so gar keine Kraft mehr habe, ich kann gar nicht begreifen, dass ich so gar keinen Atem habe, wenn ich bergauf gehen muß……….“

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Begleitend zu dieser Ausstellung zeigt der Künstler Peter Egartner aus Glanz metallene Exponate zum Thema Krieg.
Schlaitner Wirt, 28. Juli bis 17. August 2014

Öffnungszeiten wie der Gasthausbetrieb (Mittwoch Ruhetag).
Für einige Termine steht eine fachkundige Betreuung zur Verfügung:
Dienstag nachmittags ab 14.00 Uhr 29.07. / 05.08. / 12.08.
Donnerstag abends ab 19.00 Uhr 31.07. / 07.08. / 14.08.
Samstag nachmittags ab 14.00 Uhr 02.08. / 09.08. / 16.08.

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