Die „Bürgermeister-Studie“ unter der Lupe

Das streng gehütete Tamarisken-Dokument zum Download. Mit Retter-Kommentar!

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Beim „Iselfest“ in Prägraten erfuhren interessierte Besucher viel über das Flussbiotop. Fotos: Stephan Troyer

Sie ist seit Monaten Zankapfel und seit vergangener Woche amtsbekannt: die „Tamariskenstudie“ des Osttiroler Planungsverbandes 34, in Auftrag gegeben von den Bürgermeistern der Iseltaler Gemeinden und lange Zeit streng unter Verschluss. Sogar die Gerichte beschäftigten sich schon mit der Frage, ob eine mit öffentlichen Mitteln bezahlte Untersuchung nicht auch öffentlich zugänglich sein sollte. Am 14. Juli wurde das Werk von den Bürgermeistern in Innsbruck Umwelt-Landesrätin Ingrid Felipe und Energie-Landesrat Josef Geisler vorgelegt.

Exklusiv stellt dolomitenstadt.at den wissenschaftlich zentralen Teil der Studie zum Download zur Verfügung. Erhalten haben wir die Unterlagen vor einigen Tagen vom Matreier Bürgermeister Andreas Köll. Er ist wie sämtliche seiner ÖVP-Amtskollegen aus dem Iseltal gegen eine Ausweisung der gesamten Iselregion als Natura 2000 Gebiet und fordert eine „Zonierung“, die einzelne Abschnitte des Flusses und seiner Zubringer ausspart. So soll der Bau von mehreren Kraftwerken unter anderem in Prägraten, Virgen, Matrei, Kals und im Defereggental möglich bleiben.

Mit seinem "Netzwerk Wasser" unermüdlich als Iselschützer unterwegs: Wolfgang Retter.
Mit seinem „Netzwerk Wasser“ unermüdlich als Iselschützer unterwegs: Wolfgang Retter.

Wir haben die Studie einem ihrer größten Kritiker vorgelegt, dem Naturschützer und Biologen Wolfgang Retter. Er hat seine erste Einschätzung und weitere Fachmeinungen aus seinem Umfeld für uns zusammengefasst. Hier der Originalkommentar Retters zur Studie der Klagenfurter Umweltbüro GmbH (Studienautor: Gregory Egger):

„Die Studie ist eine reine Bestandsaufnahme mit einigen kleineren Lücken (es fehlen Fundstellen der Tamariske im Virgental). Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass nur der von Ellmauer definierte  Lebensraumtyp – hier der LRT 3230 – „Alpine Flüsse mit Ufergehölzen mit Deutscher Tamariske“ – erfasst wurde, d.h., mit einer gewissen Kontinuität und einem gewissen Deckungsgrad als Voraussetzung; mehr oder weniger vereinzelte Pflanzen wurden nicht oder nur am Rande erfasst.

Die Studie zeigt den aktuellen Zustand; dieser kann sich aber (vor allem in den oberen Gewässerbereichen) mit jedem stärkeren Hochwasserereignis deutlich ändern – dies ist ja typisch für derartige Fließwasser-Lebensbereiche.

Die Vorkommen liegen zu 95 % im Öffentlichen Wassergut (an der Isel sogar zu 99 %!), es wären also kaum Private betroffen. Die Zustandseinschätzung ist etwas pessimistisch.

Erfasst wurden auch „potenzielle Vorkommen“, also mögliche Bereiche des Auftretens, vor allem solche, wo Platz für Renaturierungen besteht. Diese Erfassung ist zurückhaltend; bei genauerer Kenntnis der Umstände wäre mehr möglich.

Andererseits zeigt dieser Hinweis auf potenzielle Vorkommen eher in Richtung einer Ausweitung über augenblicklich vorhandene Bestände hinaus (auch logisch – solche Lebensräume können ja starken Veränderungen unterworfen sein, womit starke Vorkommensverschiebungen möglich sind.)

Für eine „Stückelung“ spricht überhaupt nichts in dieser Studie. Egger hat sich mit Recht gegen ein derartiges Ansinnen der Auftraggeber verwahrt. Hierfür musste ein anderer herhalten, der mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun hat.

Der Sinn einer populationsgenetischen Studie wäre eine Diskussion wert; für eine Zonierung ist der Aussagewert sehr gering bis fehlend.“

Tamariskenstudie des Planungsverbandes zum Download:

Endbericht Gregory Egger

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