Safari vor der eigenen Haustüre

Von Schmetterlingen, toten Chamäleons und kleinen Cordon Bleus.

Ihr denkt sicher: Wer in Afrika lebt, fährt jedes Wochenende auf Safari. Zugegeben, wir fahren schon immer wieder mal in einen Nationalpark, um uns die Tiere anzusehen, oder heiße Quellen oder den letzten Rest eines Primärwaldes. Und es ist immer in einer Weise spannend, obwohl wir Ugandas Büffel allmählich mit Namen kennen…

Ich liebe ja die spontanen, kleinen Safaris, die ich jeden Tag machen kann. Oder die mir einfach „passieren“. Gestern zum Beispiel. Als ich gegen Mittag gegen den Himmel schaue, weil ich wissen will, ob ich die Wäsche draußen oder besser in der Garage aufhänge, sehe ich Wolken. Wolken von kleinen Schmetterlingen. Myriaden der gaukelnden Grazien, nicht größer als unsere Kohlweißlinge, ebenfalls weiß, an der Unterseite mit einer dunkelbraunen Zeichnung, an der Oberseite mit gelb ausgemalten Flächen. Wunderschön und unerwartet.

oleanderschwaermer
Der Oleander-Schwärmer könnte auch bei uns gesichtet werden.

Heute ist der Zauber wieder vorbei. Dafür mache ich beim Abnehmen der Wäsche von gestern – die im Freien getrocknet ist – die nächste Entdeckung. Der Körper so groß wie ein Männerdaumen, die Grafik auf den Flügeln des Oleander-Schwärmers – reinstes Art Deco. Meine Nachforschungen ergeben, dass er auch in Österreich auf den Jeans meines Mannes hätte landen können. Anders als das tote Chamäleon, oder der kleine Cordon Bleu (der Fink heißt wirklich so), der sich gelegentlich im Gehege der Hühner ein paar Körner klaut.

cordonbleu
Der leuchtend blaue Fink trägt zurecht den Namen Cordon Bleu.
totesChamaeleon
In Uganda ist auch der Anblick eines toten Chamäleons keine Seltenheit.

Der erste Impuls bei solchen Begegnungen ist immer Staunen und Dankbarkeit, dass ich so tolle Viecher sehen darf, ohne weit zu reisen und viel zu bezahlen. OK, schließlich lebe ich in Uganda. Aber genau genommen können wir überall staunen und dankbar sein, wenn wir empfänglich bleiben für die kleinen Überraschungen, die unerwarteten Begegnungen mit den Tieren in unserer Umgebung. Wir vergessen nur oft aktiv hinzusehen. Eine Eidechse im Steinbeet, eine Holzbiene in der Laube, eine Erdkröte, eine Tannenmeise, … die tägliche Safari findet uns. Wir müssen es nur zulassen.

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