Sillian will Solidaritätsfonds für „Agraraufwand“

Die Gemeinde muss aufgrund der Agrarnovelle für die Leckfeldalm zahlen.

Beitragsbild-Leckfeld
Die Leckfeldalpe in Sillian ist eine Gemeindegutsagrargemeinschaft. Laut Bauernbündler Peter Leiter zahlt die Kommune allerdings mit der Alm drauf. Foto: Peter Leiter

Die Leckfeldalpe im Gemeindegebiet von Sillian ist eine sogeannte „Gemeindegutsagrargemeinschaft“, die durch die Novelle des Tiroler Flurverfassungslandesgesetzes zum Kostenfaktor für die Kommune wird. Beginnend auf einer Seehöhe von 1900 Metern weiden hier den Sommer über auf 313 Hektar Gesamtfläche 75 Großvieheinheiten. Die hoch gelegene Alm hat schon seit 1606 eine Weideordnung für die 26 Mitglieder der Agrargemeinschaft. Neben Jagdpacht und Almförderung gibt es keine weiteren Einnahmen. Die Kosten für Hirten und andere Ausgaben wurden vorwiegend über Almkostenbeiträge finanziert. Jetzt muss die Gemeinde mindestens 5.000 Euro im Jahr berappen – und ist mit der Situation nicht glücklich.

Peter Leiter (links) ist Sillianer Ortsbauernobmann. das Gemeindeparlament folgte seinem Antrag an das Land Tirol.
Peter Leiter (links) ist Sillianer Ortsbauernobmann. Das Gemeindeparlament folgte seinem Antrag an das Land Tirol.

„Die Leckfeldalpe bedeutet einen Mehraufwand für die Gemeinde, der bisher von den Mitgliedern der Agrargemeinschaft getragen wurde. Auch als Ort mit 5,2 Millionen Euro Budget haben wir wenig Verständnis für diese Sachlage. Man hat in ein gut funktionierendes System eingegriffen“, erklärt Peter Leiter, Ortsbauernobmann, Gemeindevorstand und Mitglied der Agrargemeinschaft Leckfeldalpe. Die endgültige Entscheidung, ob die Leckfeldalpe tatsächlich aus Gemeindegut entstanden ist, sei zudem noch anhängig: „Im Jahr 1606 wurde bereits in der Sillianer Bürgschaftsordnung eine eigene Weideordnung festgeschrieben. Auch die Alpen waren davon betroffen. Die Bauern, die Rechte auf der Leckfeldalpe besaßen, wurden verpflichtet, ihre Pferde aufzutreiben. Es wird dort wörtlich begründet: Damit die ‚Moosätzung nicht überhand nimmt und ein Hirte gehalten werden kann‘.“

Die Geländesituation der Leckfeldalpe sei schwierig, erklärt Leiter: „Die Alm ist eine reine Hochalpe. Aufgetrieben wird erst in der dritten Juniwoche. Im Schnitt reicht die Weide für 84 Tage. Insgesamt erstrecken sich die bewirtschafteten Flächen über drei Geländekammern am Karnischen Kamm an der Grenze zu Südtirol. Die Behirtung ist schwierig, weil das Vieh während der Weideperiode öfters übertrieben werden muss. Zu zwei Geländekammern gibt es keine Zufahrt, sondern lediglich Viehtriebssteige.“

Fünf Hirtenhütten gelte es zu erhalten. Jährlich sind Arbeiten wie Wegsanierungen oder der Almputz notwendig. „Diese Aufgaben fallen jetzt in das Regime der Gemeinde. Bei einer groben Kostenschätzung bedeutet das zumindest 5.000 Euro Aufwand für das Gemeindebudget. Die Diskussion im Gemeinderat dazu war sehr lebhaft – nicht wegen der Summe, sondern wegen des neuen Budgetpostens. Von großartigen Einnahmen in Millionenhöhe kann Sillian bei der Leckfeldalpe nur träumen. Da bleiben nur Kosten übrig“, sagt Peter Leiter.

Er hat daher im Gemeinderat einen Antrag an die Tiroler Landesregierung gestellt, zur „Einrichtung eines Solidaritätsfonds zur Abdeckung von Kosten, welche durch die Änderung des Tiroler Flurverfassungslandesgesetzes 1996 zahlreichen Gemeindegutsagrargemeinschaften ohne Substanzwerte entstehen“ – so der Wortlaut des einstimmigen Gemeinderatsbeschlusses. „Ich hoffe schon auf eine Reaktion seitens des Landes. So wie in Sillian wird es den meisten Gemeinden ergehen. Wir hoffen auf Solidarität“, erklärt Peter Leiter.

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2 Postings bisher
stefan_rainer vor 3 Jahren

So wie Sillian wird es den meisten Gemeinden gehen die jetzt eine Gemeindeguts-Agrargemeinschaft erhalten müssen. Die Kosten entstehen daher das früher die Bauern selbst die Verwaltung gemacht haben und auch mal gratis gearbeitet haben (aus Eigeninteresse) Jetzt obliegt der Gemeinde die Verwaltung und Erhaltung der Agrargemeinschaft. Alle Arbeiten werden verrechnet und die Gemeinde ist verpflichtet diese zu bezahlen. (Einzäunung, Weideräumung, Vieh nachschauen, etc.)Wobei die Gemeinde für das aufgetriebene Vieh nicht mehr so viel verlangen darf wie die Bauern früher es selbst gemacht haben. NIemand von den Bauern wollte dieses Gesetz - jetzt wo es durch ist wird man das eine oder andere Schmunzeln auf den Gesichtern der Bauern sehen :). Schuld dran sind aber alle die das gefordert haben und alle die dieses Gesetz gemacht haben. Danke - Chefverhandler Kuenz

bergfex vor 3 Jahren

Fünf Hirtenhütten gelte es zu erhalten. Jährlich sind Arbeiten wie Wegsanierungen oder der Almputz notwendig.

Wer zahlte früher ???