Kann der Lech der Isel auf die Sprünge helfen?

Zehn Jahre Förderprogramm Lech: Rund 100 Millionen Euro für 400 Projekte.

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Das Tiroler Lechtal ist ein Vorzeigebeispiel in Sachen Natura 2000. Die Bilanz aus zehn Jahren Förderprogramm: 100 Millionen Euro für 400 verschiedene Projekte. Foto: lechweg.com

Während die Bürgermeister im Osttiroler Iseltal derzeit in öffentlichen Gemeindeversammlungen eher vor den negativen Folgen einer großzügigen Natura 2000-Zonierung warnen, unterstreicht das Land Tirol zeitgleich in einer Medienaussendung den großen wirtschaftlichen Erfolg im Lechtal, der prominentesten und oft genannten Tiroler Natura 2000-Flussregion. Das Sonderförderprogramm Naturschutzgebiet Naturpark Tiroler Lech habe sich als „starker Motor für die gesamte Region“ erwiesen, unterstreicht Landeshauptmann Günther Platter.

In den vergangenen zehn Jahren wurden demnach fast 400 Projekte mit einer Investitionssumme von 96 Millionen Euro realisiert. 23 Millionen Euro an Fördergeldern seien über die verschiedenen Programme in die Region geflossen. „Ein Folgeprogramm soll daran anknüpfen“, kündigt Platter an. Es soll 2015 starten und wiederum auf zehn Jahre ausgelegt sein.

Enge Zusammenarbeit der Gemeinden und die erfolgreiche Kooperation zwischen Naturpark und Tourismus seien der Kern dieses Erfolges. Wander-, Rad- und Themenwege seien geschaffen und Bauvorhaben wie die Geierwally-Freitlichtbühne oder die Ehrenberg-Arena realisiert worden. Man habe Naturschutzprojekte gestartet, gemeinsame Vermarktungsstrategien entwickelt und touristische Impulse wie die Vermieterakademie für Kleinunternehmen gesetzt. Hier die Lechtal-Erfolgsstory in der Auflistung des Landes:

Von 2004 bis 2014 wurden im Lechtal…

…insgesamt 387 Projekte umgesetzt.
…66 regionale Trägerschaften zwischen Gemeinden und regionalen AkteurInnen eingegangen und 48 Netzwerken geknüpft.
…51 Naturschutzprojekte durchgeführt.
…über 27 Millionen Euro aus dem Sonderförderprogramm investiert. Davon flossen elf Millionen Euro an Fördergeldern in über 200 Projekte.
…die Tourismussaison verlängert und die Nächtigungszahlen in der Sommersaison um 29 und die der Wintersaison um 5 Prozent gesteigert.
…das Investitionsklima bei den Unternehmen und die Inanspruchnahme der Wirtschaftsförderung deutlich erhöht.
…hohe Besucherzahlen bei realisierten Projekten wie der Burgenwelt Ehrenberg (130.000 Veranstaltungs- und 20.000 MuseumsbesucherInnen pro Jahr) verzeichnet.
…die Vermarktungsstrategien regionaler Produkte der Naturparkregion verbessert.
…die Naturpark-Infrastruktur durch die Schaffung von Besucherzentren ausgebaut und die Marke „Naturpark Tiroler Lech“ in Kooperation mit der Tirol Werbung etabliert.
…94 Privatzimmervermieter und kleine gewerbliche Betriebe bis 20 Betten mit 3,2 Millionen Euro gefördert. Im Zeitraum von 2002 bis 2012 konnte die Gemeinde Holzgau dadurch ein Nächtigungswachstum von 27,1 Prozent erreichen.

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3 Postings bisher
Erich vor 3 Jahren

Hallo, Randnotiz, wäre es nicht einfacher, statt obskurer Drohungen einmal vor Ort nachzufragen - nämlich im Lechtal - ob dort mit Natura 2000 wirklich "alles unter totalen Naturschutz gestellt und die Jugend all ihrer wirtschaftlichen Zukunftsmöglichkeiten beraubt" worden ist? Oder willst Du nicht unsicher werden?

Ich frage mich.... vor 3 Jahren

Viel wichtiger, Herr Landeshauptmann, wie derartige Jubelmeldungen, wären wohl endlich einmal die von Ihnen versprochenen Informationen für die Wirtschaft, Landwirtschaft und Bevölkerung über Natura 2000. Nicht einmal die von Ihnen persönlich in Ihrem Dolomitenstadt-Interview großmundig angekündigten Gespräche mit den Bürgermeistern haben bisher stattgefunden, letzte Woche nicht und diese Woche angeblich auch nicht!

Wem soll man da noch glauben?

So sind die Gemeinden gezwungen, ihre Bevölkerung aufzuklären, was eigentlich Sache des Landes wäre. Aber selbst das wird noch kritisiert und werden die Gemeinden auch mit schon lange geforderten Unterlagen einfach „im Regen“ stehen gelassen, eine einfach unglaubliche Vorgangsweise!

Randnotiz vor 3 Jahren

Lieber Platter! Mit einer vorgehaltenen Karotte wirst Du die Iseltaler nicht zu fachlich ungerechtfertigten Natura 2000-Ausweisungen überreden können: Dort, wo es unstrittig notwendig ist, OK, aber dort, wo es nur der Klientelbedienung des Koalitionspartners dient, ein klares Nein!

Und als Ausgleich für die notwendige Meldung nach Brüssel ein wirtschaftliches Entwicklungsprogramm im Tiroler Landtag zu beschließen, ist wohl eine Selbstverständlichkeit, wie Du selbst gesagt hast. Warum sollten die Osttiroler auch anders behandelt werden, wie die Lechtaler? Ein solches Entwicklungsprogramm muss es aber für alle Osttiroler Natura 2000-Gemeinden geben, also auch alle Nationalparkgemeinden, denen man 1995 einfach zusätzlich Natura 2000 ohne Information und Zustimmung aufs Auge gedrückt hat!

Zuerst geht es aber einmal um die Art und den Umfang der Ausweisung: Die Gemeinden sind rechtlich und wissenschaftlich bestens „aufgestellt“. Jeder Versuch einer ungerechtfertigten Ausweisung von Flächen oder Teilflächen, auf denen der von der EU eingemahnte Lebensraumtyp der deutschen Tamariske nicht vorkommt, wird von ihnen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft werden! Wenn es sein muss, auch mit Volksbefragungen, in denen das Volk befragt wird, wie sich die Organe der Gemeinden im Falle ungerechtfertigter Gebietsausweisungen verhalten sollen?

Da hilft auch keine Karotte mit einem Entwicklungsprogramm und Nachfolgeprogramm: Diese kommen und gehen wie die Politiker, die sie beschlossen haben. Natura 2000 bleibt aber auf Dauer und ist ewig nicht mehr wegzubringen! Man kann nicht alles im Iseltal und seinen Seitentälern unter totalen Naturschutz stellen und unsere Jugend all ihrer wirtschaftlichen Zukunftsmöglichkeiten berauben! Das müsste gerade ein Nordtiroler gut verstehen, denn dort würde man eine derartige Naturschutzdiktatur (Nationalpark auf den Bergen und Natura 2000 in den Tälern) nie zulassen: Dort baut man nämlich auf Teufel kommt raus Großkraftwerke und Gletscherschigebiete, baut Lifte (Piz val Gronda) in möglichen Natura 2000-Gebieten und plant sogar, bestehende Ruhegebiete (Kalkkögel) für Liftzusammenschlüsse zu verändern.......

Gleichzeitig redet man den „eh nur profilierungssüchtigen“ Osttirolern ein, dass dies alles ganz schlecht für eine zukünftige Wirtschaftsentwicklung wäre und diese ihre Abwanderung am besten mit Natura 2000 (wer siedelt dann dort noch Betriebe an?) und einem ach so tollen Entwicklungsprogramm bekämpfen könnten...Wer das noch glaubt, Herr Landeshauptmann aller Tirolerinnen und Tiroler?