„Hirschen“ feierte im CineX Premiere

Außervillgraten: Ein ganzes Dorf im Filmrausch!

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Die Rollen im Film wurden mit professionellen Schauspielern und Laien aus Osttirol besetzt, v.l.: Anna Walder-Widemair, Gebhard Widemair, Oswald Lusser, Beatrice von Moreau, Sepp Lusser, Thomas Widemair, George Inci, Gregor Reitmair. Fotos: Dolomitenstadt/Egger

Der Donnerstag, 28. August, war für viele Außervillgrater ein besonderer Tag. Viele Dorfbewohner spürten seit Jahren und Jahrzehnten wieder den Duft von frischem Popcorn in ihrer Nase. „Ich war sicher schon 15 Jahre nicht mehr im Kino, meine Mutter wahrscheinlich 40 Jahre“, lacht Gebhard Wiedemair. Er ist einer der rund 30 Außervillgrater, die bei der Kinoproduktion „Hirschen“ als Volksschauspieler mitwirkten und ins Lienzer CineX zur Weltpremiere gekommen sind. Begleitet wurden die Akteure von ihren Familien und Freunden – das Lienzer Kino war also voll.

Die Produktion von „Hirschen“ leiteten der Deutschtürke George Inci und seine Lebensgefährtin Beatrice von Moreau. Inci ist Schauspieler, schreibt Drehbücher und filmt nebenbei auch noch. Moreau ist gelernte Schauspielerin (Max Reinhardt Seminar Wien) und verdient ihren Lebensunterhalt außerdem mit Theaterstücken und Hörspielen für Kinder. Wir führten mit den Produzenten ein Interview über ihr neuestes Werk:

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Das Produzentenpaar: George Inci und Beatrice von Moreau.

Hirschen wurde in Osttirol gedreht. Wie kommt man ausgerechnet nach Außervillgraten?
Wir haben sehr lange gesucht und sind ungefähr zehn Tage durch Tirol gefahren. Am neunten Tag sind wir in Außervillgraten gelandet. Wir sind rein gefahren und haben uns gedacht, das gibt’s ja nicht – genau so ist es im Drehbuch beschrieben!

Was zeichnet Außervillgraten aus?
Die Hanglage, die ist wichtig für die Geschichte, denn man sieht: Wenn die Fabrik schließt, ist wirtschaftlich nichts anderes möglich. Zum anderen war es für uns wichtig, die Produktionskosten günstig zu halten. Aufgrund der Hanglage braucht man keinen Kran. Man konnte mit wenig Mitteln visuell wunderschöne Bilder machen.

Um was geht’s bei Hirschen?
Hirschen ist ein Dorf. Wir sagen immer, das ist ein bisschen wie hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Ein Dorf, das ein bisschen abseits liegt und wo es eine Fabrik gibt, wo alle arbeiten. Und diese Fabrik geht Pleite. Daraufhin wandern viele aus dem Dorf ab und die Stammtischrunde möchte trotzdem da bleiben. In der Nähe des Dorfes passiert dann ein Wildunfall und es kommt jemand ins Dorf und plötzlich haben der Metzger, der Bürgermeister, der Mechaniker und der Arzt wieder Arbeit. Dann denken sich die Dorfbewohner: „Das ist ja sehr interessant, eine Person kommt ins Dorf und alle haben Arbeit.“ Im Anschluss überlegen sie sich etwas sehr Schräges, um mehr Personen in das Dorf zu holen.

Welchem Genre würden Sie den Film zuordnen?
Das ist eine schwarzhumorige Komödie. Eine Komödie mit Herz.

Wie lange dauerten die Dreharbeiten?
Wir hatten insgesamt 52 Drehtage, davon gibt es 114 Stunden Filmmaterial. Gedreht haben wir am Ende zwei Kinofilme: Eine englische Fassung und eine Osttiroler Fassung.

Wurden für die englische Version Synchronsprecher engagiert?
Nein, die Außervillgrater sprechen Englisch. Sie sprechen ein ganz spezielles Englisch, das es vorher auf der Welt auch noch nicht gab, nämlich das Villgrater Bergenglisch. Es gab vorher das steirische Englisch und wir wollen jetzt eben mit dem Osttiroler Englisch auf den internationalen Markt.

Wo wird der Film überall laufen?
Nächste Woche startet er im Innsbrucker Metropolkino (Premiere: 4. September), am 11. September ist die Premiere in Bruneck. Außerdem läuft er in Imst, Gmunden, Lambach, Braunau, Seefeld und Millstatt. Insgesamt beliefern wir 12 Kinos.

Will man den Streifen auch in die deutschen Kinos bringen?
Für uns ist das Ziel, erstmal österreichweit, Bundesland für Bundesland, durchzustarten. Als Zweipersonenteam können wir uns einen Start in Gesamtösterreich nicht leisten. Das wollen wir in Deutschland und in der Schweiz genauso machen. Und dann wollen wir international damit raus, mit der englischen Fassung. Mit dieser werden wir aber auch wieder hier in Lienz starten.

Welches Budget gab es bei der Produktion?
Wir sind eine No-Budget-Produktion, also es gab kein Budget. Natürlich muss man ein bisschen Geld investieren, für Übernachtungen oder Essen. Aber es ist tatsächlich kein normales Filmbudget.

Das heißt, wenn man bei Hirschen mitgespielt hat, dann geht man leer aus?
Vorerst wird man auf keinen Fall reich. Die Leute, die dabei waren, waren dabei, weil sie an das Projekt geglaubt haben. Wir haben mit allen Rückstellungsverträge gemacht, das heißt: Wenn wir erfolgreich werden, werden alle erfolgreich. Wenn wir nicht erfolgreich werden, dann war es eine schöne Zeit.

Gab es auch keine Förderung von Cine Tirol?
Nein, nichts. Die Cine Tirol hat eine Woche vor Drehbeginn in einer E-Mail ohne Begründung abgesagt. Wir wissen nicht warum.

Es ist eine No-Budget Produktion. Leidet die Qualität darunter?
Ein Südamerikanischer Regisseur hatte einmal gesagt: Man braucht drei Dinge, um einen Film zu machen: Geld, Qualität und Zeit. Auf eines der drei kann man bei einem guten Film verzichten. Überzeugen Sie sich selbst.

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Bei der Premiere am Donnerstag, 29. August, füllten sich zwei Kinosäle im CineX.

Die Eindrücke des Redakteurs:
No Budget, kein Geld. Ohne Kohle ein Filmprojekt durchzusetzen, ist ein Unterfangen, das gut gehen kann. Allerdings ist das Riskio zu floppen doch irgendwie groß. Am Tag der Premiere war eine Pressekonferenz angesetzt, die es dann in diesem Sinne aber nicht gab. Zwischen Tür und Angel musste man den Produzenten die Fakten zum Film aus der Nase ziehen. Professionalität sieht anders aus. Professionell waren hingegen die rund 30 Volksschauspieler aus der 800-Seelen-Gemeinde Außervillgraten. Mit Herz und Leidenschaft spielten sie ihre Rollen und ernteten dafür auch mächtigen Applaus. Verdient. Was dem Streifen an guter Technik und Handlung fehlt, holen die Osttiroler Akteure mit ihrer lustigen Art wieder auf. Nebenbei begeistert auch die Musik, komponiert von Kapellmeister Gebhard Widemair. Fazit: 120 Minuten kitschige Berglandschaften und originelle Charaktere – aufgenommen mit Kameras alter Zeiten.

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4 Postings bisher
suhrkamp62 vor 3 Jahren

Als offener und unbedarfter Kinobesucher, der dem Plakat und der Mundpropaganda zur Kinokomödie „Hirschen“ folgte, wurde ich derb enttäuscht. Ja, es ist toll, wenn die Region Osttirol gefördert wird und Laiendarsteller durchaus pasabel spielen, hinterher Erklärungen zu lesen, dass man keinen „Peter-Jackson-Film“ erwarten dürfe, die Handlung seicht ist und das Drehbuch pfiffiger sein könnte, muss ich sagen: Nein, so nicht. Wer Geld im Kino verlangt, muss sich mit den gleichen Maßstäben messen lassen, wie jeder andere Film. Da gibt es keine Ausreden. „Hirschen“ als Kinofilm zu bezeichnen ist schon sehr „schwarzhumorig“. Und gerade wenn ein Film ohne Budget gedreht wird, darf man zumindest erwarten, dass alles gegeben wird und der Regisseur weiß was er tut. Wenn die Handlung nichts taugt, weil das Drehbuch schlecht ist und der Regisseur mit Schauspielerführung, Gestaltung und Filmschnitt heillos überfordert ist, muss man keinen Film machen. Mit mangelnden finanziellen Möglichkeiten ist sowas nicht entschuldbar. Zum Filmemachen gehört schon mehr als eine Videokamera in die Ecke zu stellen und Laiendarsteller sich selbst zu überlassen. Es gibt Trash im Kino, der gut funktioniert. Bei Hirschen ist das nicht so, es wirkt alles sehr schlampert.

Master vor 3 Jahren

Was erwartet Ihr euch von diesem Film? Dass es kein Blockbuster à la Peter Jackson oder ähnliche werden wird, ist wohl klar. Ich habe den Film gestern gesehen und kann die Leistung der Laiendarsteller wirklich loben. Dass die Handlung des Filmes etwas seicht ist und das Drehbuch etwas pfiffiger sein könnte ist richtig, aber die Idee eines Filmes in einem Dorf wie Außervillgraten zu drehen finde ich fantastisch und dazu noch mit wenig Gage - also wirklich toll! In einer Region wie Osttirol ist jedes Projekt, welches dazu beiträgt, die Gegend bekannter zu machen zu begrüßen und gehört von allen Seiten unterstützt!

Induka vor 3 Jahren

Ein Satz mit X: Das war wohl Nix! Ein wirklich schlechter Film. Mit Spaßmacherei unter RTL2-Niveau, also eher für gaaanz schlichte Gemüter geeignet. Wer Geld im Kino lassen will, ist mit jedem andern Film besser beraten, das ist dreiste Abzocke die als professioneller Kinofilm verkauft wird. Rausgeschmissenes Geld, wirklich ärgerlich.

Behrmayr vor 3 Jahren

Die Simmung war gut im Lienzer Cinex-Kino, angekündigt war die Premiere einer Kinokomödie, gedreht im schönen Außervillgraten mit einheimischen „Volksschauspielern“. Vergleiche mit Hollywood wurden gemacht, nach 52 Drehtagen und fast vier (!!!) Jahren Bearbeitungszeit war das Werk reif für die große Leinwand. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Enttäuscht wurden sie allerdings nur bei denen, die nicht unmittelbar an der „Produktion“ beteiligt waren. Zurecht amüsierten sich die Laiendarsteller nebst Angehörigen und Freunden königlich, ausgelassene Heiterkeit machte sich breit, konnte man sich doch selber auf einer echten Kinoleinwand sehen. Mit Schauspielerei hat das Dargebotene hingegen nichts zu tun, wenn das höchste Ziel heißt, fehlerfrei und hölzern seinen Text aufzusagen und möglichst nicht in die Kamera zu schauen. Applaus verdient das allemal, Mut gehört jedenfalls dazu. Noch mutiger ist hingegen die Ankündigung einer „österreichischen Kinokomödie“. Nach kurzer Zeit wird klar, dass es sich nicht um einen professionellen Kinofilm handelt, sondern um ein von Amateuren auf Video gefilmtes Klamöttchen handelt, das kaum Fehler auslässt, die eine No-Budget-“Produktion“ mit sich bringt. Und da klemmt es an allen Ecken und Enden ganz gewaltig. Bild und Ton lassen zu wünschen übrig, gestalterisch befindet sich das ganze auf Hobbyfilm-Niveau. Die dünne Handlung wird mit zu vielen Charakteren gefüllt, was die Laufzeit auf unerträgliche zwei Stunden streckt. Immer wieder wird der Ablauf durch Landschaftsaufnahmen unterbrochen, eine echte Geduldsprobe für den Zuschauer. Man ertappt sich dabei, die Vorspultaste herbeizuwünschen. Warum sich Amateurfilmer ausgerechnet einer Komödie annehmen, die die Königsdisziplin darstellt, ist vollkommen unverständlich. Weder zünden die Gags, noch stimmt das Timing, die stummfilmartige Slapstick wird mehrmals überstrapaziert. Nicht mal unfreiwillig ist das komisch. Fazit: Lustig für alle Beteiligten, etwa so wie ein Dia-Abend vom Kegelausflug, bei dem man dabei war. Für alle Anderen ein ungenießbarer und unprofessioneller Hobbyfilm, der viel Geduld und Durchhaltevermögen erfordert. Eine echte filmische Mogelpackung, etwas mehr Ehrlichkeit im Vorfeld wäre besser gewesen.