Team Adidas gewinnt Dolomitenmann 2014 in Lienz

Auf den Plätzen: Kolland International und Team Red Bull.

Dass der Wettergott ein Dolomitenmann-Fan ist, weiß man in Lienz schon lange. Und so präsentierte sich die Dolomitenstadt nach einem verregneten Sommer auch heuer wieder bei Kaiserwetter, als Werner Grissmann den Startschuss zum Kultevent für die „Härtesten unter der Sonne“ gab. Mit bisher beispiellosem medialen Aufwand ging der „Dolomitenmann 2014″ am 6. September über die Bühne, stundenlang live übertragen von mehreren Dutzend Kameras und über 100 Mitarbeitern, die Servus TV nach Osttirol geschickt hatte.

Kann dieser Mann das Wetter beeinflussen? Manchmal schaut es danach aus. Werner "Grizzly" Grissmann schaut grimmig, doch die Sonne lacht!
Kann dieser Mann das Wetter beeinflussen? Manchmal schaut es danach aus. Werner „Grizzly“ Grissmann schaut grimmig, doch die Sonne lacht!

Schon in den Morgenstunden gab's Entwarnung, „die Nebelschwaden lösen sich, das heißt originaler Streckenverlauf“ wurde auf Facebook gepostet. Und diese Strecke hatte es auch 2014 in sich, zumal die Reihenfolge der Stafette getauscht wurde und – als zusätzliche Attraktion für das Publikum – die Kanuten die Isel flussaufwärts ins Ziel im Zentrum der Dolomitenstadt paddelten.

Am Berg der Größte: Petro Mamu sprintete auch heuer beim Dolomitenmann in einer eigenen Liga auf das Kühbodentörl. Foto: Expa/Gruber
Am Berg der Größte: Petro Mamu sprintete auch heuer beim Dolomitenmann in einer eigenen Liga auf das Kühbodentörl. Halbwegs mithalten konnte Abraham Kidane-Habtom vom Adidas-Team. Foto: Expa/Gruber

Nach dem Start auf dem Lienzer Hauptplatz passierte, was nicht nur Experten erwartet hatten: Vorjahressieger und Weltstar Petro Mamu aus Eritrea wieselte für das Team Kleine Zeitung-Panaceo dermaßen flink über Fels und Stein der Lienzer Dolomiten in Richtung Kühbodentörl, dass ihm nur sein Landsmann Habtom-Abraham Kidane vom Team Adidas Outdoor, der Kenianer Isaac Kosgei (Team Vita-Life), Ahmet Arslan vom Red Bull-Team und „Altmeister“ Jonathan Wyatt halbwegs folgen konnten.

Wieder mit einer starken Berglaufzeit dabei: Andreas Goldberger, unterwegs für "Wings for Life".
Wieder mit einer starken Berglaufzeit dabei: Andreas Goldberger, unterwegs für „Wings for Life“.

Beim unglaublich steilen Anstieg war Mamu wieder eine Klasse für sich, er übergab vor Kidane und dem stark laufenden Wyatt. Als vierter erreichte der türkische Startläufer des Red Bull-Teams, Arslan Ahmet, das Törl und übergab an Flieger Paul Guschlbauer, der in der Luft aufholte. 

In der Luft war keiner schneller als Routinier und 90-Kilo-Mann Paul Guschlbauer vom Red Bull-Team.
In der Luft war keiner schneller als Routinier und 90-Kilo-Mann Paul Guschlbauer vom Red Bull-Team.

Paragleiter Lorenz Peer, ein 44-jähriger gebürtiger Südtiroler, der im Stubaital lebt, übernahm von Mamu am Törl als Führender, tigerte die Querpassage entlang und landete nach einer Art „Sturzflug“ in Führung liegend bei der Moosalm, wo eine neuerliche Laufpassage zu absolvieren war, noch härter als in den Jahren zuvor. Was den Augen der tausenden Zuseher entlang der Strecke bisher verborgen geblieben war, zeigte die Direktübertragung auf Servus TV spektakulärer denn je: die Paraglider müssen nicht nur Weltklasse-Flieger sein, sondern auch sehr starke Läufer und insgesamt an der Grenze zur Tollkühnheit unterwegs sein, sonst ist dieser Bewerb nicht zu bewältigen.

Jakob Herrmann schwebt ein, an dritter Stelle liegend. Am Ende hatte sein Team Adidas die Nase vorn.
Jakob Herrmann schwebt ein, an dritter Stelle liegend. Am Ende hatte sein Team Adidas die Nase vorn.

Peer hielt die Führung und übergab sie an Radler Urs Huber, einen 29-jährigen Schweizer Topprofi, doch nur eine Minute später landete Guschlbauer, der zwei Plätze gut machte und an Alban Lakata übergab. Der Lokalmatador mit dem Red Bull Team hatte zu diesem Zeitpunkt eine Minute Rückstand, an dritter Stelle lag das Team Adidas Outdoor mit Jakob Herrmann am Fluggerät und auf dem Bike vertreten durch Lukas Buchli. Der konnte sich an Lakata vorbeistrampeln.

1600 extrem steile Höhenmeter und eine wesentlich längere, noch härtere Downhill-Strecke wartete auf die Mountainbiker, von Leisach mit Wasserüberquerungen und Tragepassagen auf 2062 m Seehöhe zum Hochsteinkreuz und von dort mit durchschnittlich 26% Gefälle auf der H2000 wieder hinunter ins Lienzer Becken. Taktieren war bei den Radlern heuer ausgeschlossen, weil als letzter in der Stafette in diesem Jahr der Kanute den Stab übernahm, für den die Biker einen möglichst großen Vorsprung herausfahren mussten.

Nach mehr als drei Stunden Rennzeit zogen Nebelschwaden über den Hochstein-Kamm, schmale Pfade, tiefer Boden, gewaltige Bilder aus dem Servus-Hubschrauber und dann tauchte als erster in diesem Abschnitt Lukas Buchli auf, 35 Jahre alter Schweizer, verfolgt in einer sensationellen Aufholjagd von Tony Longo, italienischer Biker des Pure Encapsulation Teams, vor Lakata und Urs Huber.

Lukas Buchli vom Siegerteam Adidas verfolgt von Osttirols Parade-Mountainbiker Alban Lakata, der mit Red Bull auf den dritten Platz fuhr. Foto: Expa/Gruber
Lukas Buchli vom Siegerteam Adidas verfolgt von Osttirols Parade-Mountainbiker Alban Lakata, der mit Red Bull auf den dritten Platz fuhr. Foto: Expa/Gruber

Longo war in dieser Phase sechs Minuten schneller als seine Mitbewerber und drehte damit das Klassement. Der 27-Jährige aus dem Trentino war zunächst auch im Downhill schnell – und hatte Pech. Longo stürzte und Alban Lakata kam als zweiter in Leisach ins Ziel, verfolgt von Martin Gujan vom zweiten Kolland-Team.

Mittlerweile war Stephan Brodicky, erst 24 Jahre alter Student, schon im Wasser. „Ich hab mich mit ein paar Liegestütz aufgewärmt“, scherzte er im TV-Interview vor dem Start, der ebenfalls mit einer Laufstrecke begann. Brodicky: „Wenn man im Boot sitzt, ist man eigentlich schon am Ende“. Das war er dann doch nicht. Mit einem Vorsprung von rund drei Minuten nahm er die Regatta in Angriff, verfolgt vom starken Deutschen Tobias Bong (Red Bull), Hannes Aigner (Kolland) und Manuel Filzwieser (Kleine Zeitung).

Die fünf Kilometer lange Regatta, durchsetzt mit Slalom und Tragestrecken erwies sich, wie erwartet, als fulminanter Schlussakkord einer sportlichen Hardrockshow vom Feinsten. Brodicky schlug sich auf Drau und der viel Wasser führenden Isel sehr gut. Nur einmal stockte den Zusehern der Atem, als der junge Athlet auf einen Felsen aufsaß und gerade noch sein Boot flott bekam. Weltklassemann Hannes Aigner, der Tobias Bong überholt hatte, kam in dieser Schlussphase des Rennens immer näher. Schlag um Schlag arbeitete sich der Routinier an den jungen Brodicky heran, der am Rande der Erschöpfung bei der Fischwirtbrücke aus dem Wasser taumelte – aber nicht schlapp machte.

Der Dolomitenmann hat viele Helden. Einer der größten war am 6. September in Lienz Stephan Brodicky, 24 Jahre alter Schlussmann des Siegerteams.
Der Dolomitenmann hat viele Helden. Einer der größten war am 6. September in Lienz Stephan Brodicky, 24 Jahre alter Schlussmann des Siegerteams.

Auf einem blauen Teppich lief er unter frenetischem Applaus tausender Zuseher ins Ziel! Sieg für das Außenseiterteam von Adidas, vor der zweiten Garde von Kolland und Red Bull mit Alban Lakata. „Ich hab mir die Kräfte eingeteilt“, meinte Brodicky schon Minuten nach dem Zieleinlauf wieder sichtlich entspannt. Ob die Situation mit dem Stein in der Isel kritisch war? „Ich wollte das Rennen noch einmal spannend machen“, schmunzelte der frischgebackene Dolomitenmann 2014.

So sehen wahre Dolomitenmänner aus. Stephan Brodicky ist im Ziel. Foto: Martin Lugger
So sehen wahre Dolomitenmänner aus. Stephan Brodicky ist im Ziel. Foto: Martin Lugger

Hier die Ergebnisse im Detail!

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren