Verdienter Dank an das „Hause Habsburg“?

LSL-Mandatar Uwe Ladstädter kann mit einer Gedenktafel der Schützen wenig anfangen.

11112014-2440
„Der Stadtrat hat das offenbar nicht durchgelesen“, meint der LSL-Mandatar. Foto: Dolomitenstadt/Egger

Gewohnt pointiert setzte sich LSL-Mandatar Uwe Ladstädter in der Septembersitzung des Lienzer Gemeinderates mit einem Randthema auseinander, das dennoch Diskussionen nach sich ziehen könnte. Mitte August hatten im Rahmen des Bataillonsschützenfestes die Osttiroler Schützen im Antoniuspark – das ist die kleine Parkfläche hinter dem Lienzer Antoniuskirchlein – eine Gedenktafel enthüllt.

11112014-2449
Geht es nach den Tiroler Schützen, verlieh die Übergabe Tirols vor 650 Jahren diesem Ort, als „Station des Wandels“  besondere Bedeutung.

Orthografisch nicht ganz einwandfrei wird an die Übergabe Tirols „an das Hause Habsburg“ im Jahr 1363 erinnert, aus der Sicht der Schützen offenbar ein Segen. Der Enthüllung am Hohen Frauentag wohnten neben zahlreichen Trachtenträgern samt Gewehren auch der Lienzer Vizebürgermeister Meinhard Pargger und ÖVP-Landtagsabgeordneter Martin Mayerl bei.

Ladstätter über die Habsburger: "Dieses Haus hat mehr Länder unter seine Gewalt gebracht, als es Putin hoffentlich je schaffen wird. Foto: Brunner
Ladstädter über die Habsburger: „Dieses Haus hat mehr Länder unter seine Gewalt gebracht, als es Putin hoffentlich je schaffen wird“. Foto: Brunner

Uwe Ladstädter kann mit der Inschrift auf der Tafel wenig anfangen, der Stadtrat habe sie offensichtlich vor der Genehmigung nicht durchgelesen, meint der Literat und Mandatar. Und wörtlich:

„Viele Kriege heute, von der Ukraine bis zum Nahen Osten, sind, laut Bischof Scheuer, eine Folge des ersten Weltkrieges. Das Haus Habsburg hat den ersten Weltkrieg mit verursacht und begonnen.

Ich sehe keinen Anlass, im Jahr 2014 an der Stadtmauer im Lienzer Antoniuspark eine Tafel einzuweihen, auf der der Übergabe Tirols an das Haus Habsburg im Jahre 1363 feierlich gedacht wird und die – wörtlich – diesem Ort als Station des Wandels besondere Bedeutung verlieh. Der Antoniuspark in dieser Form hatte damals noch gar nicht existiert, Lienz war in der Grafschaft Görz noch mehr als 135 Jahre danach nicht schlecht aufgehoben.

Ich vermute, die Tafel ist ein anachronistisches Geschenk des Tiroler Schützenbundes, einer Organisation, die offenbar noch immer in einer unzeitgemäßen Verehrung zum Hause Habsburg verharrt. Wer Geschichte gelernt hat, weiß, dass dieses Haus mehr Länder unter seine Gewalt gebracht hatte, als es Putin hoffentlich je schaffen wird.

Das Bewahren der Tradition hat nicht nur positive Seiten, die Regierungsform Monarchie auch nicht. Es soll auch in der Demokratie Menschen geben, die huldvoll von der Arbeit anderer leben und sich dabei auf Gott berufen. Aber: Eine Gedenktafel mit einem derartig unsinnigen Text festlich einzuweihen, ist keine gute Idee und wirft ein trübes Licht auf jene, die diese, vermutlich ohne vorher zu lesen, bewilligt haben.“

Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik reagierte bei der Sitzung betont gelassen. „Den Krieg explizit dem Hause Habsburg in die Schuhe zu schieben, ist weit hergeholt“, konterte sie auf Ladstädters Einwand und meinte zum Thema Tafel: „Das werden wir aushalten“.

Wir starten eine kleine Umfrage.

[poll id=“18″]

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

3 Postings bisher
HMS vor 3 Jahren

...wer Geschichte gelernt hat...: Dieser Herr (Chrisopher Clark)

https://www.youtube.com/watch?v=zf6wwqXUSSo

hat Geschichte gelernt und kann nicht bestätigen, dass das Haus Habsburg (und/oder andere Akteure des WK I) die vom Herrn Gemeinderat angesprochene "Schuld" alleine trägt: "..verursacht und begonnen". Dazu geniesse man ab Minute 20:00 seine biritisch-ironische Replik auf das beliebte Sarajevoargument .

Anhand des §231 kann man dann vielleicht auch noch darüber meditieren, was die "Schuld"frage letztlich bringt.

Desweiteren ist "Demokratie" kein Garant für "Weltfrieden", wie ein Blick über ein grosses Meer zeigt!

Zugegeben, Geschichte zu lernen ist mühsam im Vergleich zur Abhaltung von retrospektiven Schnellverfahren, denn es geht immer um Interessen, nicht n u r um Befindlichkeiten!

Zur Tafel: die ist vielleicht wirklich so unnötig wie manche andere, wesentlich teurere Anschaffung in einer kleinen Stadt hinter den 7 Bergen...

MfG H. Schöpf

nanny vor 3 Jahren

Etwas komisch die Sache - aber nicht wichtig. Und wenn's die Schützen glücklich macht ...

Cato vor 3 Jahren

Jawohl! Und Aguntum schüttet die LSL auch zu, weil die Römer waren ja auch eine eroberische Bande, die für nix gut waren. Und wenn i nur an Maria Theresia denk... führt die deppate Habsburgerin doch glatt die Schulpflicht ein!!! Dass die dafür Zeit hatte, wo sie doch dauernd jeden Krieg anzetteln musste.