Adventkalender Lienz: Das erste Fenster

Alfred Fuetsch: „Figure II“, Acryl Tusche Leinen, Format H 120 cm x B 90 cm

Ab heute, 1. Dezember, wird dolomitenstadt.at auch heuer wieder kurz nach der offiziellen Öffnung eines Adventfensters an der Liebburg Lienz das jeweilige Bild und den Künstler bzw. die Künstlerin vorstellen. Die Originalbilder werden in einer eigenen Sonderausstellung präsentiert und am 9. Jänner 2015 in einer spannenden Kunstauktion, organisiert vom Round Table 22 Lienz, in der Liebburg öffentlich versteigert. Der Erlös kommt Licht ins Dunkel Österreich und Hilfsprojekten in der Region zu Gute.

Und hier gibt es die Kunstadventkalenderbilder 2014 im Überblick.

Alfred Fuetsch: “Figure II”, Acryl Tusche Leinen, 120 cm x  90 cm
Alfred Fuetsch: “Figure II”, Acryl Tusche Leinen, 120 cm x 90 cm

Die Gemälde von Fredy Fuetsch
(Nicole Baronsky-Ottmann, M.A. Kunsthistorikerin-Saarbrücken)

Das Thema der Malerei von Fredy Fuetsch ist der Mensch. In seinen großformatigen Werken konzentriert er sich ganz auf die Wiedergabe der menschlichen Figur. Immer und immer wieder zeichnet er den menschlichen Körper, häufig als weiblichen Akt. Aber Fredy Fuetsch hat dabei einen ganz eigenen Blick auf den Körper entwickelt. Denn er fängt seine meist gänzlich unbekleideten Figuren in einer Umrisszeichnung ein, arbeitet dann nur einige Details des Körpers mittels einer genaueren und plastisch wirkenden Schraffur-Zeichnung heraus. Bemerkenswert ist, dass Fredy Fuetsch die Gesichter der Figuren meistens auslässt, er sich eher auf Beine, Knie, Füße konzentriert. Die Arme werden häufig eng am Körper dargestellt, sodass sich in den Bildern eine ganz eigene Körperhaltung ergibt.

Fredy Fuetsch malt Menschen die sehr oft aufrecht gerade stehen, oft ohne Bewegung. Trotzdem steht in den Gemälden nicht die Nacktheit der Figuren im Vordergrund der Darstellung, sondern der einzelne, anonymisierte Mensch – jeder alleine, nur für sich. Auch wenn mehrere Figuren auf einem Bild dargestellt sind, so stehen sie doch nur nebeneinander, ohne miteinander zu kommunizieren, ohne sich aufeinander zu beziehen. Das bewirkt eine ganz eigene, sehr vage Stimmung in den Werken. Diese etwas nebulöse Atmosphäre wird noch verstärkt, da Freddy Fuetsch seine Figuren in einen ungeklärten Raum stellt.

Die Hintergründe der Gemälde sind lediglich farblich gestaltete Flächen. Lassen keinerlei Rückschlüsse auf Raum, Zeit und Szenerie zu. Ebenso wie Fredy Fuetsch sich motivisch und szenisch reduziert, so nimmt er sich auch in der farblichen Gestaltung sehr zurück, nutzt eigentlich nur sehr wenige Farben: Rot, Braun, Ocker, Weiß sowie die schwarze Binnenzeichnung und lässt diesen Farben freien Lauf. Die Hintergründe werden farblich gestaltet, in verschiedenen Farbschichten und Übergängen aufgetragen. Auf diesen Untergrund werden die mit Tusche herausgearbeiteten Konturen der Figuren gesetzt, diese dann im Detail mit verschiedenen Schraffuren plastisch gestaltet.

Die Schraffuren bestehen dabei aus sehr eng nebeneinander gesetzten Linien und kleineren schwarzen Flächen, die gekonnt die Plastizität hervorheben. Abschließend setzt Fredy Fuetsch mit der Farbe Weiß vereinzelte Akzente und hat auf diese Weise eine ganz eigene Bildsprache entwickelt. Denn er malt den Mensch nicht in seiner Vollkommenheit und Ganzheit. Es ist die Haltung, die Pose der menschlichen Figur, die er in seinen Werken herausstellt und die er nur in wenigen Details herausarbeitet. Diese Posen setzen im Betrachter ganz eigene Assoziationen frei. Man kann das Thema Vereinzelung und Einsamkeit des Menschen in diesen Werken ablesen, man kann diese Bilder aber auch als Würdigung des Einmaligen jedes Menschen, der Individualität jedes Menschen verstehen. Ebenso wie die Haltung der Figuren manches mal an Fesselungen und Erniedrigungen denken lassen, können die gleichen Haltungen auch das Gefühl von Innigkeit und Hingabe hervorrufen und das ist wohl das Einmalige an der Bildsprache, denn es gelingt ihm, seine Figuren gleichzeitig frei und gebunden wirken zu lassen. Die Werke verstehen es auf diese Weise, den Betrachter sehr in ihren Bann zu ziehen.

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