James-Bond-Dreharbeiten: „Lizenz zum Ausbeuten“?

Gewerkschaft vida kritisiert Dienstverträge mit privater Sicherheitsfirma.

Wer je einen James-Bond-Film gesehen hat weiß, dass der Agent seiner Majestät bis zum Abspann so einiges mitmacht. Doch nicht nur er: „Bei den Dreharbeiten zum neuen Bond-Film müssen sich auch die MitarbeiterInnen einer privaten Sicherheitsfirma an den österreichischen Drehorten einiges gefallen lassen“, beklagt in einer Aussendung die Gewerkschaft vida, der demnach Dienstverträge vorlägen, „die man auch die ‚Lizenz zum Ausbeuten‘ nennen könnte.“

Bei den Kärntner und Tiroler Landesorganisationen der Gewerkschaft haben sich mehrere Beschäftigte gemeldet, deren Dienstverträge „Böses ahnen lassen“, sagt vida Kärnten Landesgeschäftsführer Thomas Finsterwalder: „Bei der Überprüfung haben wir bemerkt, dass der Dienstgeber die Verfallsfrist für Ansprüche auf einen Monat verkürzt hat, obwohl der Kollektivvertrag vier Monate vorsieht. Das ist sittenwidrig und nicht zulässig, es gelten die vier Monate aus dem Kollektivvertrag.“ Auch die im Vertrag erwähnte „großzügige“ Überzahlung dürfte einer Überprüfung in der Praxis nicht standhalten, wenn damit sämtliche im Kollektivvertrag vorgesehenen Zulagen und Zuschläge abgegolten sein sollen, so Finsterwalder: „Unsere Befürchtung ist, dass hier gezielt versucht wird, MitarbeiterInnen um ihre Ansprüche zu bringen!“

Aufpasser am Filmset von Bond – ein Knochenjob? Foto: Expa/Groder
Aufpasser am Filmset von Bond – ein Knochenjob? Foto: Expa/Groder

Die Dienstverträge enthielten außerdem fragwürdige Konkurrenzklauseln und Konventionalstrafen, die zu prüfen seien und in vielen Fällen vermutlich nicht greifen würden, aber die Beschäftigten einschüchtern sollen. Auch bei den Arbeitszeitaufzeichnungen dürfte eine genauere Überprüfung Differenzen zum Arbeitsrecht ergeben, sagt vida Tirol Landesgeschäftsführer Philip Wohlgemuth: „Es liegt uns eine SMS von Firmenseite vor, in der die MitarbeiterInnen dazu aufgefordert werden, sich zu melden, sollte sich jemand von der Gewerkschaft bezüglich der Stundenzettel erkundigen. Und wie es sich für ein ordentliches Spionage-Setting gehört, werden die Beschäftigten gleich ermahnt, firmenrelevante Informationen für sich zu behalten.“

Wohlgemuth und Finsterwalder betonen, dass die Dreharbeiten grundsätzlich zu begrüßen seien, da sie wichtige Impulse für Wirtschaft und Tourismus brächten, jedoch: „Anders als für Mr. Bond hat die Arbeit für die KollegInnen im Bewachungsgewerbe kaum Annehmlichkeiten: Es sind lange und anstrengende Dienste unter teils sehr schwierigen Bedingungen. Da können sie sich vom Dienstgeber zumindest Fairness bei den Dienstverträgen erwarten. Beschäftigte können sich jederzeit bei der Gewerkschaft vida melden, damit wir ihre Verträge und Arbeitszeiten überprüfen und bestehende Ansprüche geltend machen können!“ so die beiden Landesgeschäftsführer. Die Gewerkschaft vida behält sich vor, rechtliche Schritte wegen der Verstöße einzuleiten.

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