Neuer „Weg der Sinne“ als Chance an der Isel?

Eine Gruppe von Künstlern will mit Kreativität Impulse setzen.

Noch hat der Winter die Iselregion fest im Griff, aber vermutlich wird es nicht lange dauern und am „Osttiroler Herzfluss“ erwacht wieder jene Diskussion, die den Bezirk das gesamte Jahr 2014 in Atem hielt: die Ausweisung der Isel als Natura 2000-Gebiet. Wie auch immer der politische Poker um die Zonierung von Natura 2000 ausgehen wird, eines ist schon im Vorfeld klar: Mit Natura 2000 eröffnet sich auch die Chance, Projekte zu finanzieren, die der besseren Inszenierung des Flusses und der Region dienen und touristische Wertschöpfung in das Tal bringen könnten.

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Bernd Lenzer, Sebastian Rainer und Alois Oberwalder demonstrieren an Modellen und Bildern, was sie entlang der Isel planen. Fotos: KK

Vor diesem Hintergrund ist wohl auch eine Initiative zu sehen, die einige Iseltaler Künstler – darunter Sebastian Rainer, Gerold Leitner, Michael Lang, Alois Oberwalder und Michael Fuetsch – und der Journalist und Stadt-Lienz-Pressesprecher Bernd Lenzer vor einigen Tagen den heimischen Medien präsentierten. Die kreative Truppe belebt eine alte Idee neu, den „Weg der Sinne“, der in Virgen seit Jahrzehnten als Rundweg mit originellen Holzfiguren existiert, in den letzten Jahren aber ein eher unterschwelliges Dasein fristete.

In der Version der Iseltaler Künstlertruppe erstreckt sich der neue Weg der Sinne sowohl geografisch als auch künstlerisch in neue Dimensionen und führt von der Matreier Nikolauskirche bis zu den Umbalfällen. Entlang bestehender aber zum Teil wenig bekannter Pfade werden vier Schwerpunktthemen mit unterschiedlichen aber durchwegs naturnahen Stilmitteln inszeniert: „Sinne des Waldes“, „Weg der Sinne und Sagen“, „Formen der Natur“ und „Sinne des Wassers“.

„Die Strecke muss jedoch nicht in einem Stück begangen werden, sondern ist in Teilabschnitte untergliedert“, verrät Sebastian Rainer aus Schlaiten. In der Nähe findet man überall Zufahrtswege und Parkplätze.

Bei den „Sinnen des Waldes“ kann man den Wald in seiner ganzen Schönheit erleben. Die Besucher tauchen in die beruhigende Welt aus Laub-, Misch-, Fichten- und Lärchenwald ein. Passend dazu sollen verschiedene Tiere des Waldes monumental in Szene gesetzt werden, genauso wie erfrischende Wassertrinksteine für die Wanderer.

Die Sinne und Sagen des Virgentales sollen den Besucher im gleichnamigen Abschnitt nähergebracht werden. „Dieser befindet sich am derzeitigen Standort des beliebten, aber schon in die Jahre gekommenen  alten Weges der Sinne in Virgen“, so Lenzer. Durch verschiedene Kunstwerke und Bauten, wie beispielsweise einen begehbaren Baum oder einen Kräutertunnel, soll man tief in die Welt der Mythen eintauchen und diese auch ertasten und mit allen Sinnen erleben können.

Die „Formen der Natur“ würden nach den Plänen der Kreativen auf anschauliche Weise zeigen, dass letztlich die Natur die größte Künstlerin des Planeten ist. Gewaltige Baumriesen und ausgespülte Steinmonumente geben davon Zeugnis. Alois Oberwalder will dafür sorgen, dass diese „Naturdenkmäler“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für Kinder soll in diesem Abschnitt ein eigenes Spielbiotop mit dem Titel „Wasser ist Leben“ errichtet werden.

Der vierte Abschnitt widmet sich dem „Weg des Wassers“. Dazu soll eine mächtige, 115 Meter lange Hängebrücke das schmale, 100 Meter tiefe Tal über die junge Isel überspannen. Lenzer: „Weniger Abenteuerlustige könnten einen bequemen, alternativen Weg wählen. Entlang des Weges findet man bis zu den Umbalfällen immer wieder Kunstwerke aus Stein und Metall, die während mehrerer Symposien entstehen sollen.“

Im Rahmen einer Werbekampagne möchten die Initiatoren die Menschen dann auf das „Tal der Sinne“ aufmerksam machen. „Statt einer Durchzugsstrecke soll die Felbertauernstraße zu einer touristischen Zubringerstraße umfunktioniert werden“, betont Lenzer.

Doch nicht nur Urlaubsgäste und Ausflügler sollen mit diesem Projekt angesprochen werden. Auch die heimische Bevölkerung soll sich damit identifizieren und stolz darauf sein. 15.000 Euro hat das vorliegende Konzept gekostet, finanziert von der Gemeinde Virgen, der Nationalparkverwaltung Hohe Tauern-Tirol und dem Tourismusverband Osttirol.

„Wenn die Gastronomie, die Vermieter und die Hersteller von regionalen Produkten die Vielfältigkeit der Angebote für sich nutzen, dann profitieren alle sehr stark davon“, ist Lenzer überzeugt. Es sei an der Zeit, dass man nicht länger über mangelnde Möglichkeiten klagt, sondern Grundlagen schaffe, die der Bevölkerung des Virgentales den wirtschaftlichen Fortbestand ermöglichen.

An der Finanzierung des Projekts wird derzeit gearbeitet. Um Peanuts geht es dabei nicht, die Truppe spürt aber Rückenwind. „Es gibt mehrere Partner, darunter auch der Nationalpark Hohe Tauern und wichtige Vertreter des Landes, die stark hinter dem Projekt stehen. Eine erste Kalkulation aus dem Jahr 2014 liegt bei 1,36 Millionen Euro brutto.“

Am Freitag, 27. Feber, können sich ab 19.30 Uhr alle Interessierten im ehemaligen Geschäft gegenüber vom Gasthaus Neuwirt in Virgen ein Bild vom Projekt machen. Dort kann man auch Miniaturmodelle der geplanten Kunst- und Bauwerke besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Das vollständige Konzept zum Download:

weg der sinne folder

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3 Postings bisher
mischmaschin vor 3 Jahren

Ich finde, es wäre angebracht, folgende Punkte zu beherzigen:

1. klares Bekenntnis zu Natura 2000 seitens der Projektguppe 2. Abspecken der Projektkosten - EUR 429.070,-- (Stand Präsentation im September 2014) für Künstlerhonorare bei Projektkosten durch Firmen von EUR 827.346,20 ist zu viel. (alle Beträge ohne MWSt) 3. Ausschöpfen aller Fördermöglichkeiten - nur über Info an den AR des TVBO mit der Implikation, dass dieser wieder die Hälfte des Projektes fördern wird dürfen, reicht nicht!

Sich aus "politischen" Gründen aus der Diskussion um Natura 2000 draußen zu halten statt eine Chance für die Finanzierung durch Natura 2000 zu sehen ist für mich nicht nachvollziehbar und der falsche Weg!!!

Da die OsttirolWerbung eine Werbefirma ist, wäre eine Naturalförderung sicherlich gerechtfertigt, darüberhinaus sollte der TVB aber aufgrund der Infrastrukturanalyse entscheiden.

cambridge vor 3 Jahren

Ein sehr ansprechendes Konzept, ganz abgesehen von der graphischen Aufbereitung ist den Proponenten zu danken. Ob es eine Bibelstelle ist oder nicht, interessiert mich weniger. Wieviele Ideen gibt es noch, das Iseltal positiv in die Medien zu bringen? Großartig!

F_Z vor 3 Jahren

Also ich finde die Idee als solche ja recht nett, aber das ganze hat meiner Meinung nach mit der Realität in etwa soviel zu tun wie der Denkanstoß am Ende der Studie mit dem Neuen Testament. Da steht zwar neues Testament drunter, aber solange mir nicht irgendwer die Bibelstelle nennen kann, behaupte ich mal, das das nicht aus der Bibel ist.